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Stade Zeit in Mitterleiten bei Sachrang Drei Bergbauernhöfe überm Priental in Winterruhe

Drei Bergbauernhöfe auf 850 Metern bilden den Weiler Mitterleiten über Sachrang im Priental. Viele kennen den Ort vom Durchgehen, denn das Gebiet um den Spitzstein ist eine beliebte Wandergegend. Das Bild der bewirtschafteten Almen weicht jetzt im Spätherbst der Stille, das Leben zieht sich ins Innere zurück und verläuft im Rhythmus der täglichen Arbeiten oft noch so, wie es von Generation zu Generation weitergegeben wurde.

Von: Georg Bayerle

Stand: 05.12.2020

Drei Bergbauernhöfe überm Priental in Winterruhe | Bild: BR; Georg Bayerle

Noch ist das Kuhglockengeläut nicht ganz verschwunden auf den Wiesen rund um Mitterleiten. Aber jedes Mal, wenn Monika Pfaffinger den Stall ausmistet und die Rinder füttert, wird es weniger.

Am Boden liegen die messingglänzenden Schellen mit ihren abgewetzten Lederriemen auf einem kleinen Haufen und verstummen. Wenn es leiser wird, geht der Herbst in den Winter über. In Mitterleiten leben nicht mehr viele Menschen mit der Natur und den Jahreszeiten. Diejenigen, die noch da sind, aber kommen zur Ruhe. Diese Ruhe spürt man auch beim Seppn-Bauern. Johann Pfaffinger bewirtschaftet einen rund 300 Jahre alten Hof, der unter Denkmalschutz steht: ein Holzblockhaus mit bunt bemalter Fassade und einem Stall aus gemauerten und gekalkten Bachkieseln. Am Vortag ist ein Kälbchen geboren worden, draußen auf der Wiese, weil das Wetter noch schön war. Das neugeborene Kälbchen wurde dann mit der Schubkarre in den Stall gefahren.

Im alten Hochbarren reicht die Heuernte von den Bergwiesen bis unters Dach. In der kalten Winterluft duftet es jetzt nach Blüten und Kräutern - das ersetzt das Fitness-Studio. Zehn Kühe und vier Kälber hat der Seppn-Bauer im Stall. Er führt den Biobauernhof mit seinen beiden Schwestern so wie es die Vorfahren gemacht haben, auch wenn heute vieles leichter und bequemer geworden ist, weshalb es seiner Meinung nach eine Sünde wäre, alles hinzuschmeißen und aufzugeben. Auch der Dritte im Bunde der Bergbauern über Sachrang, der Wast, erhält seine kleine Landwirtschaft, und so gibt es hier noch drei Bergbauernhöfe mit ihren Zuhäusern mitten an der Leitn, dem Berghang, also in Mitterleiten.

Die Kraft und Beständigkeit sind beeindruckend. In vielen Aspekten zeigt sich, wie die Menschen von dem Ort, an dem sie leben, geprägt sind, wie hier die Verbindungen zu den früheren Generationen und zur Landschaft weitergetragen werden und wie hier die Zeit anders vergeht, ein anderes Zeitgefühl entsteht. Auch Monika Pfaffinger lässt sich nicht so mitreißen vom Strudel im Tal. Selbst ein Schneesturm kann hier zu einer Art Meditation führen. Die Schneekristalle, die mit dem Nachtfrost wachsen, ein gefrorener Wassertropfen auf einer welken Rosenblüte, das glitzernde Sonnenlicht auf dem Moos in den Ästen des alten Birnbaums – für den Weihnachtsschmuck sorgt die Natur. Man muss nur hinschauen und hinhorchen, dann ist sie spürbar: die stade Zeit.

Karte: Der Simmerl-Bergbauernhof

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Karte: Der Simmerl-Bergbauernhof


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