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Trapper-Feeling im Schwarzwasser-Canyon Schneeschuhwandern im Kleinwalsertal

Wer bei Oberstdorf ins Kleinwalsertal abbiegt, vor dem taucht schnell das Wahrzeichen des Vorarlberger Tales auf: die markante Felsmauer des Ifen. Der Plateaugipfel bricht zu allen Seiten steil ab. Neben seiner felsigen Hochfläche liegt ein tiefer Einschnitt: das Schwarzwassertal. Hier herrscht wochenlang Schatten in der kalten Jahreszeit, denn die Sonne kommt kaum hin.

Von: Folkert Lenz

Stand: 11.01.2020

Trapper-Feeling im Schwarzwasser-Canyon | Bild: BR; Folkert Lenz

Das aber sind beste Voraussetzungen für einen „Outdoor-Kühlschrank“, in dem sich das fluffige Weiß lange hält. Es sind perfekte Bedingungen für eine Schneeschuhtour in ein Tal, das auch gerne mal als „Klein-Alaska“ bezeichnet wird.

Schneeschuh-Trail im Kleinwalsertal

Es wirkt als ob ein Riese alles dahingewürfelt hätte: gigantische Felsquader, manche nur mannshoch, andere so groß, dass man hinaufklettern müsste. Dank Frau Holle aber sehen diese Trümmer jetzt alle so aus, als ob dicke weiße Daunenkissen auf ihnen lägen. Das Felssturz-Gebiet besteht aus Segmenten, die vom Ifen abgebrochen sind. Der Schwarzwasserbach verschwindet vor dem Felssturz, verläuft unterirdisch und kommt erst ein paar hundert Meter weiter unten wieder hervor. Wanderführer Elmar Müller ist auf den verschlungenen Schneeschuhpfaden unterwegs, die durch das Gewirr der riesigen Blöcke führen. Der gebürtige Walser kennt das Gebiet von Kindesbeinen an und entdeckt doch bei jeder Tour etwas Neues wie zum Beispiel die Raureifnadeln, die auf dem metallisch grauen Eis des Schwarzwasserbaches über Nacht gewachsen sind.

Wintertour in „Klein-Alaska“

Im verschneiten Bergwald scheinen die Stämme der Holzstege, die über das sommerliche Rinnsal führen, fast zu ächzen unter der weißen Last. Immer tiefer folgt Elmar Müller der eingetretenen Spur in den Forst hinein. Dabei ist es stets auch eine Herausforderung, dass die ganzen Schneeschuhgeher nicht in die ganz abgelegenen Winkel der Natur kommen und dort das Wild in seinem Rückzugsgebiet stören. So wandern wir auch nur scheinbar in tiefer Wildnis umher. Die nahe Forststraße versteckt sich hinter den eng stehenden Fichtenstämmen. Wenn einer der Wanderer unachtsam einen der ausladenden Zweige streift, rieselt ihm das eiskalte Pulver in den Nacken.

Die Melköde

Bald aber lichtet sich aber das Astgewirr und weicht einer weißen Fläche: Melköde heißt der tischebene Talboden, erklärt Samuel Riezler. Durch den großen Felssturz vom Ifen wurde der Talboden vorne aufgefüllt und dahinter das Wasser gestaut. So ist hier quasi ein Hochmoor entstanden. Der Schwarzwasserbach versickert in der Melköde für ungefähr 500 Meter. Aber wenn im Frühjahr mit der Schneeschmelze viel Wasser kommt, dann staut sich das nach hinten auf und bildet einen großen See in der Melköde. Selbst ein Stand-UP-Paddel-Board wurde auf dem Teich dann sogar schon gesichtet. Unweit der Alpe Melköde befindet sich der Schwarzwasser-Canyon. In der Schlucht rücken bald die Felswände rechts und links immer näher, die Wasserfälle sind zu blaugrauen Eisvorhänge erstarrt. Selbst eine eingefleischte Skitourengeherin wie Maria erkennt hier die Vorteile der Schneeschuhe, denn in so einem Bergauf-Bergab-Gelände, leicht kupiert und hügelig, kommt man mit Schneeschuhen viel besser voran und kann auch gut zwischen den Bäumen hindurchlaufen. Das gemütliche Tempo lässt auch Zeit, das Licht-und Schattenspiel in der Landschaft wahrzunehmen.

Die Schwarzwasserhütte auf ihrem Sonnen-Plateau

Eine eisige Rampe über einer dunklen Wassergumpe entlässt die Schneeschuhgeher schließlich aus dem Canyon. Über dem wellenförmigen Alp-Terrain wird dann bald die Schwarzwasser-Hütte sichtbar. Der hölzerne Doppelbau liegt in der Sonne und verspricht Wärme, auf die sich ein jeder nach der schattig-eisigen Tour freut.

Karte: Der Ifen

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Karte: Der Ifen


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