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Bittgang zum höchsten Wallfahrtsort der Alpen Die Rocciamelone-Wallfahrt im Piemont

Es gibt Berge, die besteigt man aus alpinistischem Ehrgeiz oder zur Erholung – und dann gibt es Berge, die erfüllen spirituelle Bedürfnisse. Ein solcher Berg ist der Rocciamelone in den Grajischen Alpen im Piemont.

Von: Frank Hollmann

Stand: 29.07.2021

Bittgang zum höchsten Wallfahrtsort der Alpen | Bild: BR; Frank Hollmann

Die markante Pyramide liegt etwa 50 Kilometer westlich von Turin und ist mit 3539 Metern der höchste Wallfahrtsort der Alpen – und dennoch ein vergleichsweise leichter Wandergipfel. Jedes Jahr am 5. August findet die Wallfahrt zur Madonna della Neve in der Marienkapelle auf dem Gipfel statt.

Nordblick über Gletscher

Giovanni und Francesco fallen sich in die Arme, es ist wieder mal geschafft. Tief unter ihnen liegt das Susatal, der Startpunkt ihrer Wanderung, nun machen sie ein Selfie vor der gewaltigen Statue der Madonna delle Neve. Noch im Mittelalter dachten die Leute, der Rocciamelone sei der höchste Berg in den italienischen Alpen. Das stimmt natürlich nicht, aber mit 3539 Metern ist der Rocciamelone ein hoher Berg.

Seilsicherung

Nicht alle, die auf dem Gipfelplateau das Panorama genießen, haben den ganzen Weg auf sich genommen. Bis auf gut 2000 Meter führt eine enge, kurvige Straße zum Rifugio La Riposa hinauf. Dann aber geht es nur noch zu Fuß weiter, und allein die Höhe fordert Kondition, sagt Fulgido Tabone. Er ist der gute Geist des Rocciamelone, hütet die Kapelle und die kleine Selbstversorgerhütte. Am schönsten sei es, hier oben zu übernachten und am nächsten Tag den Sonnenaufgang zu genießen. Jetzt schenkt Fulgido den keuchenden Wanderern Tee aus seinem dampfenden Kessel ein, und sie bedanken sich mit ein paar Münzen.

Rufigio Ca d`Asti

So eine Stärkung war Bonifatius Rotarius von Asti nicht vergönnt. Während der Kreuzzüge konnte er der Sklaverei entfliehen, zum Dank schleppte er 1358 ein sieben Kilo schweres Triptychon mit dem Bild der Madonna auf den Gipfel und legte damit den Grundstein für die Wallfahrt. Bis heute wallfahrten immer am 5. August hunderte Pilger auf den Gipfel. Der grandiose Rundumblick reicht bis zum Mont Blanc und zum Gran Paradiso. Fulgido steht am Gipfel, erklärt die Aufstiege, den leichten von Süden mit dem Rufigio Ca d`Asti als Zwischenstopp in 2800 Meter Höhe, und den schweren von Norden über den Rest eines sterbenden Gletschers. Auch Paula genießt den Blick. Am Morgen hat sie noch die Gäste auf dem Rufigio Ca d`Asti bewirtet, nun steht sie selbst auf dem Gipfel, der für sie ein ganz besonderer Ort ist. Die Statue der Madonna della Neve ist auch ein von Kindern erschaffenes Monument. An die 130.000 Kinder haben im letzten Jahrhundert dafür gesammelt, Soldaten brachten die Statue in Einzelteilen mit Mulis auf den Gipfel. Nun beschützt die Madonna von hier oben das Tal.

Capella di Rotario

Anfang August gibt es auch einen Berglauf, der im Tal in Susa startet und auf den Gipfel des Rocciamelone führt. Die Schnellsten benötigen keine zwei Stunden für zehn Kilometer Distanz und 3000 Höhenmeter. Pilgern geht langsamer ...

Karte: Die Marienkapelle am Rocciamelone

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Karte: Die Marienkapelle am Rocciamelone


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