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Wildfräuleinstein und Willersalpe Wandern auf sagenhaften Spuren über dem Ostrachtal im Oberallgäu

Sagen regen unsere Fantasie an. So auch die Sagen von den „Wilden Fräulein“, die oberhalb von Hinterstein im Ostrachtal gelebt haben sollen. An sie erinnert seit kurzem eine Skulptur am Dorfbrunnen in Hinterstein. Auf den Spuren der Wilden Fräulein lässt es sich auch gut wandern, zum Beispiel zum Wildfräuleinstein und zur Willersalpe.

Von: Chris Baumann

Stand: 22.06.2019

Wandern auf sagenhaften Spuren über dem Ostrachtal im Oberallgäu | Bild: BR; Chris Baumann

Ausgangspunkt der dreieinhalbstündigen Wanderung zum Wildfräuleinstein und zur Willersalpe ist der gebührenpflichtige Parkplatz am südlichen Ortsende von Hinterstein.

Brunnen in Hinterstein mit Mundartautorin Cornelia Bessler

Am Dorfbrunnen in Hinterstein treffe ich Cornelia Beßler, Mundartautorin aus Bad Oberdorf. Sie erzählt, dass der einheimische Steinmetz Alfred Hüttlinger die Wildfräulein-Skulptur auf dem Brunnen gestaltet hat, damit die Sagenfiguren nicht in Vergessenheit geraten. Hinter der Turn- und Festhalle von Hinterstein beginnt der kurze, aber rassige Aufstieg zum Wildfräuleinstein. Der Pfad führt zunächst zum Köpfle und anfangs durch dichten und schattenspendenden Bergwald. Das Köpfle auf knapp 1100 Meter Höhe ist der erste Aussichtspunkt. Man blickt auf den Ort Hinterstein und das Ostrachtal und könnte stundenlang hocken bleiben. Doch wir wollen ja noch weiter. Nächstes Ziel ist das Naturdenkmal Wildfräuleinstein. Die beiden Höhlen heißen so, weil der Sage nach die Wilden Fräulein in den Höhlen gehaust haben. Sie waren den Menschen sehr freundlich zugewandt, sind der Sage nach aber immer geflüchtet, wenn eine Kirche gebaut wurde. Dazu sollen sie äußerst kräuterkundig und auch in der Lage gewesen sein, mit den Gämsen zu sprechen. Wenn sie gespürt haben, dass die Leute unten im Dorf Not haben oder Hilfe brauchen, dann sind sie zu ihnen hinabgestiegen.

Der Weg zum Köpfle und die Sonne blinzelt durch die Schatten spendenden Bäume

Zu den beiden Wildfräulein-Höhlen gelangt man über eine Holzleiter. Einst hatten die vermutlich schon in keltischer Zeit genutzten Höhlen eine spirituelle Funktion, denn sie waren eine Art magisches „Durchschlupfloch“. Wer sich hindurchgezwängt hat, der hat damit alles Negative und seine Sünden abgestreift und wurde wie neugeboren – sozusagen ein heidnischer Ablass. Christine, eine Kräuterführerin aus dem Westallgäu, kann das Besondere dieses vorchristlichen Kultortes förmlich spüren.

Ein wildes Fräulein

Vom Wildfräuleinstein führt der Steig nun moderat bergauf zum Willersbach und weiter zur Willersalpe – 600 Höhenmeter ab Hinterstein. Noch immer sind die Schäden zu sehen, die eine große Lawine im Winter angerichtet hat. Auch der Weg musste wiederhergerichtet werden. Die Willersalpe liegt auf 1456 Meter Höhe an den Abhängen von Ponten und Zirleseck über dem Ostrachtal. Markus Bertele, der Wirt und Eigentümer, bietet auf der urigen Alpe auch ein paar Übernachtungsplätze an, vor allem aber deftig gute Brotzeiten. Der Bergkäse stammt aus der eigenen Sennerei, verrät Markus Bertele nicht ohne Stolz. Während die Wanderer entspannen und auf die noch schneebedeckten Bergflanken blicken, springen zwei Gämsen von einer Seite der Hochmulde zur anderen. Alp-Idylle!

Karte: Die Willersalpe

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Karte: Die Willersalpe


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