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Die Piccard-Runde bei Obergurgl Gurgler Ferner, Hängebrücke, Schwärzenkamm und Zirbenwald

Im Mai 1931 ist Professor Auguste Piccard von Augsburg aus zu einem wissenschaftlichen Höhenflug gestartet und hat als erster Mensch mit einem Ballon die Stratosphäre erreicht, 15.785 Meter hoch. Als erster Mensch konnte er mit eigenen Augen die Erdkrümmung sehen.

Von: Andrea Zinnecker

Stand: 07.09.2018

Piccardhängebrücke - Architektonisches Meisterwerk | Bild: BR/Andrea Zinnecker

Nach 17 Stunden musste Auguste Piccard mit seinem Assistenten jedoch notlanden, weil es einen technischen Defekt an einer Ventilleine des Ballons gab. Sie landeten mitten in den Ötztaler Alpen auf dem Großen Gurgler Ferner, mussten eine Nacht bei eisiger Kälte auf dem Gletscher verbringen und wurden dann geborgen.

Spalten und Steinschlag auf dem Gurgler Ferner

An dieses spektakuläre Ereignis erinnert heute die Piccard-Hängebrücke, die nach dem Stratosphären-Forscher benannt ist. Sie wurde vor zwei Jahren gebaut, weil die Überquerung der Gletscherzunge des Gurgler Ferners aufgrund der Gletscherschmelze immer schwieriger und gefährlicher wurde.

Wer zum Beispiel vom Ramolhaus nicht auf dem Normalweg nach Obergurgl zurückwandern möchte, der macht sich auf die Piccard-Runde. Wer direkt in Obergurgl startet, wandert auf dem Ramolweg ins Gurgler Tal hinein und trifft nach etwa drei Stunden auf den Weg, der vom Ramolhaus herunterzieht.

Gut 600 Höhenmeter geht es vom Ramolhaus hinab zur Hängebrücke über die Gletscherzunge des Gurgler Ferners - durch Urgesteinsblockwerk, schrofige Grasflanken und über aalglatten Gletscherschliff, zuletzt gut gesichert mit Stahltritten, Griffen und Drahtseilen. 82 Meter über dem Canyon der Gurgler Ache schwingt sich die Piccard-Hängebrücke von einer Felsseite zur anderen und gewährt einen großartigen Blick auf das Gletschertor und die spaltenzerrissene Zunge des Gurgler Ferners.

138 Meter ist die Hängebrücke lang

Der Bau der 138 Meter langen und knapp 2400 Meter hoch gelegenen Hängebrücke wurde vor zwei Jahren notwendig, um den Gurgler Ferner wieder gefahrlos überqueren zu können, denn Gletscherschmelze, Starkregen und Hochwasser hatten die Holzstege über die Gletscherzunge immer wieder zerstört.

Von der Hängebrücke führt der Weg mit einem Gegenanstieg auf den Schwärzenkamm und dann schmal und stellenweise ausgesetzt zur Langtalereck-Hütte. Auf der Langtalereckhütte ist es dann mit der Stille vorbei: tolle Lage, aber teuer und tagsüber vom Seilbahnpublikum belagert. Also vielleicht nur eine frische Ziegenmilch genießen und noch eine Stunde weiterwandern zur lärchengeschindelten Schönwieshütte. Sie liegt 2266 Meter hoch am Eingang zum Rotmoostal und bietet einen grandiosen Blick auf den wilden Gurgler Kamm. Vanessa und Stefanie kümmern sich auf der Schönwieshütte um das leibliche Wohl der Wanderer, zum Beispiel mit einem köstlichen Blaubeer-Kaiserschmarrn.

Abstieg durch das Naturdenkmal Obergurgler Zirbenwald

Auf dem Abstieg nach Obergurgl wartet dann noch ein weiteres Highlight: der Obergurgler Zirbenwald. Durch das wohlduftende Naturdenkmal und vorbei am Rotmoos-Wasserfall führt der Weg in einer guten Stunde zurück nach Obergurgl.

Der Weg über die Piccard-Hängebrücke und den Schwärzenkamm bis zur Langtalereck-Hütte ist ein schwarzer Steig und erfordert absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit – bietet aber ein großartiges hochalpines Landschaftserlebnis. Je nach Kondition sollte man ab Obergurgl oder ab dem Ramolhaus an die 6 Stunden Gehzeit einkalkulieren. Und Achtung – ab Oktober wird die Hängebrücke lawinensicher gemacht und ist dann nicht mehr passierbar.

Karte: Ramolhaus in den Ötztaler Alpen

Interaktive Karte - es werden keine Daten von Google Maps geladen.

Karte: Ramolhaus in den Ötztaler Alpen


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