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Hüttenwanderung und Hüttenabende im Lechquellengebirge In Corona-Zeiten von der Ravensburger zur Freiburger Hütte

Und welche Tour habt ihr heute gemacht? Wohin geht es morgen? Das ist der typische Einstieg in ein Gespräch auf den Hütten in den Bergen, und wenn man sich sympathisch ist, dann werden aus ein paar Sätzen oft abendfüllende Gespräche und sehr gemütliche und gesellige Hüttenabende. Auch dicke Freundschaften sind weit oben in den Bergen schon entstanden, auch das eine oder andere Liebespaar hat sich hier gefunden. Doch jetzt in Zeiten von Corona ist das Hüttenleben natürlich eingeschränkt.

Von: Barbara Weiß

Stand: 26.09.2020

Zu Recht, denn auf engem Raum und beim Feiern mit Alkoholkonsum breitet sich das Virus bekanntlich leichter aus. Wie aber war das Hüttengefühl im Sommer 2020 – Bilanz eines Selbstversuchs auf der Ravensburger Hütte im Lechquellengebirge.

Trotz oder gerade wegen Corona einmal auf die Berghütte hinauf! Das Gefühl von Freiheit, hoch oben, weit weg von allem, mal wieder eine andere Perspektive bekommen, auch um schon früh am Morgen mitten im Gebirge zu sein und beim Sonnenaufgang loszugehen in die Einsamkeit der Bergwelt. Das ist doch immer ein besonderes Erlebnis. Auf der Ravensburger Hütte im Lechquellengebirge oberhalb von Lech wurde der Traum von der Hüttenübernachtung dann kurz vor Saisonende noch wahr.

Die Roggalspitze

Wir sind zu dritt, drei Mädels, und sitzen nebeneinander wie Hühner auf der Stange auf einer Bank hinter dem großen Tisch. Ein Stuhl gegenüber ist nicht erlaubt, hinter uns die Küchengeräusche, vor uns nichts. Das Hüttenteam informiert alle Besucher gleich bei der Ankunft über die Vorsichtsmaßnahmen und Corona-Regeln auf der Hütte. Desinfektionsspray gibt es vorschriftsmäßig. jede Gruppe bekommt einen Tisch zugewiesen. Alles ist korrekt und sicher auch sehr sinnvoll. Inzwischen ist Vorarlberg Risikogebiet, an den Tischen in der Ravensburger Hütte sitzt heute sicher kein deutscher Gast, anders als noch vor einer Woche. Doch auch da dürfen sich Gruppen nicht mischen. Sich einfach mal zu anderen Gleichgesinnten an den Tisch setzen – geht gar nicht. Hüttenbekanntschaften, Musik, Geselligkeit – Fehlanzeige! Jeder hat Sorge, dem anderen nicht zu nahe zu kommen. Die meisten gehen deshalb früher als sonst ins Bett.

Die Ravensburger Hütte

Früh ins Bett ist sicher keine falsche Entscheidung, zumal der Sonnenaufgang am nächsten Morgen gigantisch ist und das frühe Aufstehen leichter fällt. Mal von 20 Uhr bis 6 Uhr früh im eigenen dicken Daunenschlafsack in einem Dreibettzimmer im Bett zu liegen, ist durchaus komfortabel – und ruhig. Keine Enge, kein Schnarchen. Eine ungewohnt ruhige Hüttennacht ist auch ein Erlebnis! Für die Tour am nächsten Tag hat man dann auch wirklich Energie. Wir wandern vorbei am Spullersee über den Gehrengrat und durchs Steinerne Meer zur Freiburger Hütte – der Klassiker auf der Lechquellenrunde. Die schwierigste Stelle ist der Aufstieg auf den Gehrengrat. Zur Belohnung gibt es dann ein Wahnsinnspanorama nach allen Seiten hin. Grenzenloser Weitblick, blauer Himmel, ein absoluter Traum. Solche Bilder im Kopf tragen sicher durch den Herbst und Winter, wenn einen die schlechten Nachrichten über Risikogebiete, R-Werte, Kapazitätsgrenzen und Langzeitfolgen zu erschlagen drohen.

Der Formarinsee bei der Freiburger Hütte

Besonders schön auf dieser Tour von der Ravensburger zur Freiburger Hütte ist der Weg durch das Steinerne Meer, das zwar bei weitem nicht so groß ist wie das Steinerne Meer in den Berchtesgadener Alpen zwischen Königssee und Maria Alm, aber ebenfalls wunderschön. Steine wie Wellen, fantastische Formationen, ein einziges Hüpfen von Stein zu Stein. Konzentration ist wichtig. Und was auf der Hütte nicht geklappt hat, das passiert jetzt auf dem Weg - mit Abstand, aber ganz ohne Scheu. Die Gruppe, die am Abend zuvor auf der Ravensburger Hütte so sympathisch gewirkt hat, aber ganz woanders in der Hütte platziert wurde, lernen wir nun auf dem Weg von Hütte zu Hütte kennen. Ein Stück Weg gemeinsam gehen, das ist sehr schön und im Corona-Hüttensommer 2020 vielleicht die beste Variante: Begegnung am Wegesrand und an der frischen Luft.

Aufgrund der Kombination aus Corona-Zeit und schlechter Wetterprognose schließen die Freiburger, Göppinger und Ravensburger Hütte bereits morgen am 27. September. Vorarlberg ist zudem Risikogebiet. Wir aber freuen uns auf die Saison 2021 und hoffentlich wieder bessere Zeiten mit geselligen Hüttenabenden und netten Bergbekanntschaften.

Karte: Ravensburger- und Freiburger Hütte

Interaktive Karte - es werden keine Daten von Google Maps geladen.

Karte: Ravensburger- und Freiburger Hütte


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