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Mit Kräuterexperten unterwegs im Virgental Heilkräuter aus den Osttiroler Bergen

Nächste Woche feiern wir Maria Himmelfahrt - und für viele ist mit diesem Tag die Kräuterweihe verbunden. Die katholische Kirche hat diesen heidnischen Brauch des Schutzkräutersammelns übernommen: So werden beispielsweise Arnika, Baldrian und Johanniskraut zu Sträußen gebunden und gesegnet, damit sie dann vor Blitzschlag, Krankheit und Unglück schützen. Tatsächlich kann man mit Heilkräutern viel Gutes bewirken, auch wenn nicht gegen alles ein Kraut gewachsen ist.

Von: Ulrike Nikola

Stand: 10.08.2019

Mit Kräuterexperten unterwegs im Virgental | Bild:  Liesa Rechenburg

In einem kürzlich erschienenen Heilkräuterbuch ist das Wissen eines alt eingesessenen Kräuterexperten aus dem Osttiroler Virgental niedergeschrieben. Es trägt den Titel: „Dort oben sehen ich euch wachsen“.

Für das Heilkräuterbuch ist Liesa Rechenburg zwei Sommer lang mit dem über 80-jährigen Kamillus Kratzer unterwegs gewesen - unten im Osttiroler Virgental und hoch oben auf den Bergwiesen. Gemeinsam haben sie Heilkräuter gesucht und bestimmt, gesammelt und verarbeitet. Diese Streifzüge und Wanderungen durch die Natur haben etwas Heilsames für jeden, sagt die Kräuterpädagogin, denn allein schon die grüne Farbe oder die bunte Farbe der Blüten spricht den Geist, die Seele und das Herz an. So hat sie es oft erlebt, dass auch Männer auf einmal so eine Ruhe ausstrahlen, wenn sie mitten in einer Bergwiese sitzen mit einem Korb oder einem Leinenbeutel und schauen, was hier zu pflücken ist.

Liesa Rechenburg und Ulrike Nicola

Liesa Rechenburg hegt und pflegt seit einigen Jahren den Wildkräutergarten in Hinterbichl im Virgental. Irgendwann haben sie die Einheimischen gebeten, das große Wissen des mittlerweile 81-jährigen Kamillus Kratzer aus Bobojach aufzuschreiben. Der alte Kräuter-Fex kennt sich mit Heilkräutern aus den Bergen aus wie kaum ein anderer. Mit dem neuen Buch soll nun dieses Wissen rund um die Pflanzen und Rezepturen weitergegeben werden. So schwören die älteren Menschen hier zum Beispiel auf den Quendel, den wilden Thymian. Überall wo Steine sind und sich Sonne ansammelt, findet man die kleinen rosafarbenen Blütenköpfchen. Man knipst die Köpfchen ab, sammelt sie in einem Marmeladenglas und gibt 38 prozentigen Korn dazu, lässt das Ganze vier Wochen ziehen und fertig ist eine Grippe-Prophylaxe. Morgens, mittags, abends jeweils zehn bis zwanzig Tropfen - je nachdem was man für eine Konstitution hat - und man hat man eine Stärkung aus der Natur für den Winter

In dem Heilkräuterbuch erklärt Liesa Rechenburg viele Pflanzen und Kräuter von Arnika über Engelwurz und Mädesüß bis zum Wegerich, wie man sie findet und bestimmt, woran man die sogenannten Verwechsler erkennt, welche Heilkraft die jeweiligen Kräuter haben und wie man sie anwendet. Bei Herpes hilft beispielsweise die echte Pfefferminze, die Mentha piperita. Wenn man den Saft auf den kommenden Herpes tupft, dann wird er verschwinden. Beinwell-Öl aus der Beinwell-Wurzel trägt zur Heilung von Knochen und Sehnen bei, Arnika-Öl oder Arnika-Tinktur dient der Schmerzbehandlung.

Ob als Tee, Tinktur, Salbe oder Schnaps, ob zum Vorbeugen oder Heilen - die Kräuterpädagogin Liesa Rechenburg gibt in ihrem Buch viele gute Tipps. Sehr praktisch ist das beigefügte Booklet, das man heraus und mit in die Berge nehmen kann. So lassen sich die Pflanzen auf Wanderungen leichter bestimmen, egal ob Gänsefingerkraut, Große Käsepappel oder den als magisch gepriesenen Meisterwurz. Den kaut Kamillus Kratzer übrigens jeden Tag. Vielleicht ist er deshalb schon über 80 Jahre alt geworden ...

Das Buch „Dort oben sehe ich euch wachsen“ - Heilkräuter aus den Bergen finden und anwenden“ von Liesa Rechenburg ist im Löwenzahn Verlag erschienen (255 Seiten plus Booklet) und kostet 22,90 Euro.

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