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Wie ein europäischer Strom im Wallis entsteht Die Geburt der Rhone

In der Camargue in der Provence bildet die Rhone ein ganz besonderes Flussdelta in Europa. Bis dahin hat der wasserreichste Strom Frankreichs gut 800 Kilometer zurückgelegt. Seinen Ursprung und seine Existenz aber verdankt „le rhone“ den Alpen und einem Gletscher: dem Rhonegletscher am Furkapass in der Schweiz.

Von: Georg Bayerle

Stand: 10.08.2019

Wie ein europäischer Strom im Wallis entsteht | Bild: BR; Georg Bayerle

Mit atemberaubender Wucht schießt das milchig-braune Gletscherwasser am Furkapass über die Felskante – ein großartiges Naturschauspiel. Der dramatische Geburtsort der Rhone zählt seit 140 Jahren zu den ältesten und größten Touristenattraktionen der Alpen.

Auf dem Rhonegletscher

Mit 50 bis 100 Metern pro Jahr zieht sich der Rhonegletscher heute hinter den Bergrücken zurück. Noch ist der mächtige Eisstrom über sieben Kilometer lang und liefert in heißen Sommerwochen Rekordmengen an Schmelzwasser. Aber schon vor einigen Jahren hat David Volken vom Schweizer Bundesamt für Umwelt prognostiziert, dass der Rhonegletscher bis Ende des Jahrhunderts weg sein wird.

Maurice Masserey, der Kräuterbauer

Was dann passiert, haben Bewohner wie der Kräuterbauer Maurice Masseret ein Stück weiter rhoneabwärts schon in etwa erlebt. Überall im regenarmen Wallis führen jahrhundertealte Kanäle von den meist aus Gletschern stammenden Bächen wie ein Netzwerk aus Adern über die Berghänge. Die Suonen oder auf Französisch „Bisses“ genannten Bewässerungsleitungen werden vom so genannten Suonenwärter reguliert, der mit einfachen Schleusen das Wasser an Verteilungspunkten umleitet. Vor ein paar Jahren ist an der Verteilstelle von Maurice Masseret zum ersten Mal das Wasser ausgeblieben.

Gletscherrückgang anschaulich, der hohe Moränenrand ist noch frisch

Das Gletscherwasser ist schon am Oberlauf der Rhone unerlässlich für das Überleben der Menschen und ihre Arbeit. Noch stehen die für bekannte Kräuterbonbons angepflanzten Salbeibeete in sattem Grün. Von Bergen wie dem Matterhorn oder dem Weißhorn sammelt der Rotten, wie die Rhone auf Walliserdeutsch heißt, sein Wasser. Der Ursprung aber befindet sich auf dem Galenstock. Peter Gschwendtner, ein Tiroler Bergführer, begnadeter Koch und Walliser Hotelier, kennt den weithin sichtbaren Gipfel wie seine Westentasche. Links und rechts des Abstiegs über den Rhonegletscher bilden sich jetzt die kleineren und größeren Bächlein, die unten über dem Belvedere in den neu entstandenen See münden und dann mit aller Urgewalt über die Felskante schießen.

Tiefblick ins Tal der jungen Rhone Richtung Gletsch und Oberwald

Gerade hier in diesen extremen Dimensionen des Wallis zeigt sich die elementare Geographie des Alpenflusses, der Land und Leute prägt mit seiner Dynamik. Erst nach der Mündung in den Genfer See hinter Martigny wird die junge Rhone vollkommen besänftigt, und nach durchschnittlich 11 Jahren geht das Wasser als neuer Fluss mit einem verwandelten Charakter wieder hervor und fließt weiter in Richtung Camargue.

Karte: Der Rhonegletscher

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Karte: Der Rhonegletscher


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