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Wintertourismus am kritischen Punkt Überlastete Ausflugsziele am Beispiel Spitzingsee

Der Krach um das Ausflugsverbot am Spitzingsee und im ganzen Landkreis Miesbach hat hohe Wellen geschlagen. Mittlerweile sind die Ausflugsziele wieder ganz normal erreichbar, und nachdem es vor einer Woche Schnee und Kälte gab, waren hunderte Tourengeher auf der Rotwandreibn unterwegs - und nicht nur auf den naturverträglichen Routen!

Von: Georg Bayerle

Stand: 20.02.2021

Überlastete Ausflugsziele am Beispiel Spitzingsee | Bild: Gebietsbetreuer Mangfalltal

Grundsätzlich ist mehr Ruhe eingekehrt in die Lage, der Wintertourismus aber dennoch an einem kritischen Punkt angekommen und die Probleme um besonders beliebte Ausflugsziele in den bayerischen Alpen sind noch lange nicht gelöst. Erste Ansätze aber gibt es jedoch.

Das Schild scheint nicht zu interessieren

Mit bis zu 15 Rangern war Florian Bossert, der Gebietsbetreuer Mangfallgebirge in diesen Tagen bei traumhaftem Winterwetter am Sudelfeld, in den Tegernseer Bergen und um den Spitzingsee unterwegs. Trotzdem war es unmöglich, den Ansturm etwa an Taubenstein und Rotwand über dem Spitzingsee in geordnete Bahnen zu lenken.

Der Fleckenteppich aus Skiraum und Schongebieten

Wenn so viele draußen unterwegs sind, dann ufern die Aktionsradien auf der Suche nach dem letzten Flecken unverspurtem Schnee aus. Hinzu kam an den schönen Tagen ein steifer Ostwind, an den schlechten ein nasskalter Niederschlag, der die Menschen in die windgeschützten Zonen getrieben hat, also genau dorthin, wo auch das Wild seinen Lebens- und Ruheraum hat. Die Menschen auf Tour verhalten sich da wie die Wildtiere, stöbern sie auf und vertreiben sie aus ihren Ruhegebieten, die den geringeren Raum einnehmen als die Flächen für den Bergsport. Für Florian Bossert waren die Tage ums vergangene Wochenende ein Tiefschlag, da sich über 200 Leute in Schongebieten getummelt haben.

Sonnenbankerl am Spitzingsee

Positive Nachrichten gibt es dagegen vom Ausflugsgeschehen rund um den Spitzingsee. Nach dem Krach ums Ausflugsverbot im Januar, bemüht sich Harald Gmeiner, der Vorstand des Tourismusverbands Tegernsee-Schliersee, um Ausgleich und treibt die Entwicklung eines Systems voran, um Überlastungen durch Besucher zu verhindern. Im Sommer sollen erste Versuche mit einem dann digitalen Lenkungssystem starten. Auch bei dem im vergangenen Jahr eingeführten Ausflugsticker haben die Tourismusverantwortlichen dazugelernt: Hier müssen die Daten derzeit noch von Hand eingegeben werden, aber die Informationen werden immer besser, wie das Beispiel vom vergangenen Sonntagmorgen zeigt. als in Folge eines Staus zusätzliche Loipen gespurt wurden.:

ToGo-Kiosk am Postgasthof

So wird in Ansätzen deutlich, wie Erholungssuchende zukünftig besser verteilt und die Hotspots entlastet werden sollen. Nach den Erfahrungen der Ranger, die täglich draußen sind, ist die große Mehrheit von über 90% offen für Informationen und bereit, etwas dazuzulernen. Aber es gibt eben eine Minderheit, die am Ende das ganze und wesentlich auf Freiwilligkeit setzende Konzept gefährdet. In den vergangenen Tagen hat Florian Bossert rund ein gutes Dutzend Naturschutz-Hinweisschilder gefunden, die zwischen Lämpersberg und Breitenstein beschädigt wurden.

Infotafel am Start - mit wissenswerten Details

Gerade in der angespannten Gesamtlage geht es aber nur, wenn alle mitspielen und sich an die Regeln halten. Das ist der entscheidende Faktor, damit der Zugang zu Wald und Gebirge weiterhin so frei wie möglich bleibt. Im Landkreis Miesbach sind derzeit zwei neue Rangerstellen ausgeschrieben – die Ranger sollen jetzt erstmals auch direkt vor Ort Strafen erteilen können.

Keine Frage - der Wintertourismus hat einen kritischen Punkt erreicht. Wie es weitergeht? Damit beschäftigt sich die Sendung „Kontrovers“ am kommenden Mittwoch (24. Februar.) um 21.15 Uhr im BR-Fernsehen.

Sendungsbild: kontrovers | Bild: BR 21.04. | 21:15 Uhr BR Fernsehen zur Sendung Kontrovers Das Politikmagazin im BR Fernsehen

Hintergründe und Analysen zu aktuellen Entwicklungen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Immer mittwochs um 21 Uhr im BR Fernsehen [mehr]


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