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Online-Vorhersagen und ihr Einfluss auf die Tourenplanung Das Berggehen in Zeiten von Wetter-Apps

Wer in die Berge geht, für den spielt das Wetter immer eine wichtige Rolle, hängen vom Wetter doch Tourenplanung und Routenwahl ab. Neben den Internetseiten der Wetterdienststellen gibt es mittlerweile zahlreiche Apps, auf die Wanderer und Bergsteiger vertrauen, und so manch‘ einer verlässt sich sogar nur noch auf die Prognose seiner Wetter-App. Doch jeder hat schon einmal die Erfahrung gemacht, dass es vor Ort dann doch ganz anders ist als vorhergesagt.

Von: Elisabeth Tyroller

Stand: 26.10.2018

Handy mit Wetter-App | Bild: BR; Elisabeth Tyroller

Peter Riesch aus Lenggries ist seit 12 Jahren Bergführer. Bevor er mit Gästen oder auch privat zu einer Tour aufbricht, checkt er das Wetter online bei den Wetterdienststellen, aber auch auf seiner App.

Bergführer Peter Riesch aus Lenggries

Lieber aber als nur ein abstraktes Bild mit Wettersymbolen ist ihm ein Wetterbericht, den konkrete Personen geschrieben haben. Heute ist der Bergführer mit seiner Frau Katharina unterwegs zur Weilheimer Hütte. Beide sind der Meinung, dass die vielen Wettervorhersagen und Wetter-Apps das Berggehen verändern. Die Leute schauen weniger direkt hinaus in den Himmel, um das Wettergeschehen zu beobachten. Auch der Ratschlag von erfahrenen Himmelsbeobachtern und Wetterkenner wie zum Beispiel Hüttenwirten zählt immer weniger, vor allem, wenn deren Prognose von den Angaben der App abweicht.

Wetter-Apps zeigen das Wetter für acht Tage an - und das wird gern als bare Münze genommen. Allerdings: Das Wetter in den Bergen kann sich schnell ändern. Selbst Alpin-Meteorologen können es oft nicht genau vorhersagen. Alles was über eine fünftägige Prognose hinausgeht, gibt nur einen Trend an. Doch Wetter-Apps machen da keinen Unterschied. Bergführer wie Peter Riesch können das Wetter zwar nicht voraussagen, aber bevor sie zu einer Tour aufbrechen, schauen sie genau was Wind und Wolken machen, wie die Temperatur ist usw. – und es ist die Summe von vielen kleinen Informationen, die dann die Richtung vorgibt. Auch während der Tour sollte man immer den Himmel beobachten und auch mal auf das Bauchgefühl hören.

Christian Weiermann

Christian Weiermann arbeitet auch in den Bergen – nicht als Bergführer, sondern als Hüttenwirt. Seit 20 Jahren bewirtschaftet er die Weilheimer Hütte. Weil er auf der Hütte kein Internet hat, gibt es auch keine Wetter-App. Er verlässt sich auf die Wettermeldung im Radio und auf seine Erfahrung. Allerdings stellet auch er fest, dass sich die Wanderer immer weniger auf seine Prognose verlassen. Wenn er rät, lieber nicht mehr auf den Gipfel zu gehen, weil zum Beispiel ein Gewitter aufzieht oder ein Wetterumschwung bevorsteht, wird das meist in den Wind geschlagen. Oft hört er dann, dass die Wahrscheinlichkeit vom Blitz getroffen zu werden so hoch ist wie ein Lottogewinn. Dann entgegnet der Hüttenwirt, dass er keinen Lottogewinner kennt, aber einige Leute, die am Berg schon der Blitz getroffen wurden. Doch die meisten Wetter-App-hörigen Leute interessiert das nicht ...

Das aktuelle Bergwetter der Wetterdienststelle Innsbruck gibt es jeden Samstag um kurz vor 7.00 Uhr im Rucksackradio zu hören und ab 7.30 Uhr hier im Internet zum Nachhören.


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