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Die „Schule der Alm“ im Valsertal Helga Hager und ihre bergaffinen Touristenhelfer

Gerade an abgelegenen Orten braucht es besondere Anstrengungen, um die traditionelle Almwirtschaft aufrecht zu erhalten. Im Valsertal nördlich des Brenners hat die Almbäuerin Helga Hager aus der Not eine Tugend gemacht: Interessierte können mithelfen bei der Bergmahd, dem täglichen Austrieb der Ziegen oder dem Käsen.

Von: Georg Bayerle

Stand: 15.06.2018

Helga Hager und ihre bergaffinen Touristenhelfer | Bild: BR; Georg Bayerle

Passend zur Philosophie des Bergsteigerdorfs St. Jodok hat sich Helgas „Schule der Alm“ zu einem Anziehungspunkt entwickelt.

Ziegenmelken gehört zum Kurs

Gebückt hockt Christina, eine junge Frau aus Wien, auf dem Stallboden, knetet an dem schwarzen Euter der erstaunlich gelassenen Geiß „Espresso“ und beschwert sich darüber, dass sie mit dem Milchstrahl den Topf nicht trifft. Helga Hager lässt die Touristen hier erstmal so ihre Erfahrungen sammeln, bevor sie eingreift. Sie sollen selber spüren, was es heißt, mit den Tieren eine Alm zu bewirtschaften.

Helga Hagers Stolz: der Ertrag der Bergmahd

Geboren im Anblick des Olperers ist Helga im Valsertal aufgewachsen, dann ausgezogen und wieder zurückgekehrt. Schnell hat sie, die im Winter als Weinsommelière in einem Kitzbühler Luxushotel arbeitet, gemerkt, dass sie sich mit der Alm eine gewaltige Aufgabe gestellt hat. Bauern aus dem Dorf helfen mit und nun auch Touristen, denen Helga Hager die archaische Wirtschaftsweise hier oben auf der Alm nahebringt.

Aufstieg zur Hochweide

Mehr als 100 Teilnehmer haben sich im vorigen Sommer zur „Schule der Alm“ angemeldet.  Helga Hager vermittelt ihnen den Wert eines Büschels Gras und etwas von der Leistung der Vorfahren, die hier mit Wenigem auskommen und praktisch von der Hand in den Mund leben mussten. Die Schule der Alm ist eine Schule der Einfachheit, aber auch einer ganz besonderen Zufriedenheit, wenn das Tagwerk getan ist, zum Beispiel das Melken der Geißen. Auch das gehört zu den wertvollen Erfahrungen, wenn die Finger und Unterarme wehtun und die schönen Outdoor-Klamotten nach Ziege riechen.

Tauernschecke auf alten Steinmauern

Für den Städter ist die Tour zu Helgas Alm wie eine Reise zu den Ursprüngen - dorthin, wo wir alle herkommen - aus der Natur und der schwierigen Arbeit in der Natur. Wer dann auf einem der klobigen Granitfindlinge auf der Hochalm auf 2000 Metern auf dem Streifen Bergmahd und einen Schober Heu hockt, der blickt noch einmal ganz anders auf das Leben und die naturgebliebene Kulturlandschaft des Valsertals. Die Schule der Alm ist somit auch eine Lebensschule, eine Aufforderung sich leiten zu lassen vom Rhythmus der Natur und der Almerin mit ihren Geißen.

Karte: Das Valsertal

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Karte: Das Valsertal


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