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Die weißen Dörfer der Alpujarras Unterwegs am Südabhang der Sierra Nevada in Andalusien

Die Alpujarras sind eine größtenteils in der Provinz Granada gelegene Gebirgsregion am Südabhang der Sierra Nevada. Oben grüßt – auch im Sommer - die Schneekappe des 3481 Meter hohen Mulhacén, weiter unten falten sich steile, fruchtbare Täler auf, die kunstvoll von Wasserkanälen durchzogen sind, die einst von den Mauren angelegt wurden.

Von: Christoph Thoma

Stand: 18.05.2019

Unterwegs am Südabhang der Sierra Nevada in Andalusien | Bild: BR; Christoph Thoma

Das gebirgige Andalusien zu erwandern ist die beste Möglichkeit, Land und Leuten näher zu kommen. Besonders attraktiv ist eine Tagestour zu den berühmten "pueblos blancos", den malerischen Weißen Dörfern der Alpujarras. Die schönsten der von Tausenden steilen Treppen durchzogenen Ortschaften sind Capileira, Bubión und Pampaneira.

Der Dorfplatz von Bubión

Die weißen Dörfer des Poqueira-Tals schmiegen sich in die Südflanke der Sierra Nevada. Es war das letzte Rückzugsgebiet der Mauren, die hier besonders eindrucksvolle Terrassenfelder und Bewässerungskanäle angelegt haben. Pampaneira zählt zu den höchstgelegenen Dörfern Andalusiens und besitzt sogar eine Auszeichnung als „eines der schönsten Dörfer Spaniens“.

Überall fließt Wasser in Tröge aus Granit

Die Kölnerin Anna Maria Dahm ist in Spanien daheim. Sie liebt die verschachtelten Treppen, dieses Trimm-Dich-Labyrinth in jedem einzelnen Dorf. Ab 711 herrschten die Mauren über Andalusien, mit der blutigen Reconquista ging diese Epoche 1492 zu Ende. Bis zum endgültigen Fall Granadas haben hier in den Alpujarras Muslime, Christen und Juden friedlich zusammengelebt.

Wie gelbe Tapete, der wild wuchernde Ginster

Mit Bergführer Natxo Carreras, einem waschechten Katalanen, vom tief gelegenen Dorfplatz von Pampaneira nach Bubión am oberen Ortsrand zu gelangen, ist schon eine erste sportliche Leistung. Ein alter Maultierpfad verbindet die Dörfer. Der Kontrast könnte kaum schöner sein: mit Zitronen-, Orangen- und Mandelbäumen bepflanzte Hänge, hingewürfelte Häuser und dahinter die weiße Kappe des Mulhacèn, des höchste Bergs der Iberischen Halbinsel

Die flachen Dächer der Häuser kommen trotz gelegentlich starker Regenfälle ohne Plastik aus. Es gibt keine Dachziegel. Was man sieht, ist die sogenannte „Launa“ - ein tonhaltiges Material, das in der Lage ist, auch große Mengen Wasser zu speichern. Schieferplatten dienen als Schalung. Unter dieser „Launa“ kommt zum Ausgleich und als Isolation eine Schicht Erde. Die natürlichen Materialien sorgen für einen perfekten Temperaturausgleich, und diese Technik ist Jahrhunderte alt.

Atemberaubende Tiefblicke

Der Pfad wird schmal und steinig. Konzentriertes Gehen ist nötig, Höhenmeter für Höhenmeter. So steil der Barranco ist und so heiß die Sonne auch auf den Rücken brennt, der gischtende Bach neben dem Weg sorgt für ein wenig Frische. Silbergraue Olivenbaum-Persönlichkeiten werfen gelegentlich Schattenflecken. Nach einer Stunde ist Bubión erreicht: Kopfsteinpflaster, ein in der Sonne träge dösender Hund, eine verdiente Trinkpause am Platz vor der Kirche. Auffällig ist, dass überall Wasser fließt, nicht nur in den gut gefüllten Granitbrunnen. Die Alpujarras sind reich an Wasser. Es gibt ein aus dem Mittelalter stammendes Bewässerungssystem: mit kilometerlangen Kanälem, die teilweise nur ein Gefälle von 0,4 Prozent haben. Höchste Ingenieurskunst arabischer Baumeister ist hier erkennbar.

Kurze Rast am Fluss – vor dem Gegenanstieg

Wir wandern weiter, aus Bubión hinaus, und hinauf nach Capileira, dem mit 1436 Metern höchsten Punkt der Tour. Hier gibt es zahlreiche winzige Geschäfte, in denen die Frauen des Dorfes die typischen handgemachten Teppiche verkaufen. Die bunten Wollteppiche dienen als Bodenbelag, Wandbehang oder auch Sonnenschutz. Dann steht der Abstieg bevor, erst sanft, dann steiler. Ein Bauer mit Pferd kommt uns entgegen - ein freundliches „hola“. Es ist gar nicht so einfach für den Katalanen aus den Pyrenäen mit dem Andalusier im Dialekt zu sprechen. Aber Natxo Carreras findet heraus, dass dem Bauern das Pferd davongelaufen ist. Er hat es nach längerer Suche wiedergefunden und bringt es nun zurück auf den Hof. 

Blick durch das Tal zum Mulhacén, 3481 m

Der Weg führt durch einen feuchten Tobel und dann in Serpentinen durch blühende Macchia hinunter zum rauschenden Poqueira-Fluss, begleitet von vielen bunten Blüten, darunter auch Orchideen. Neben üppig wuchernden Kratzdisteln gedeihen tiefblaue Glockenblumen. Und immer wieder passiert man einen Bach, auch Gegenanstiege sind zu bewältigen. Aber die Aus- und Tiefblicke sind Lohn aller Mühen. Nach gut fünf Stunden mit 500 Höhenmetern im Auf- und Abstieg sind wir zurück in Pampaneira, auf der Terrasse am Dorfplatz. Das Alhambra-Bier ist wohl verdient.

Christoph Thoma war mit dem kleinen spanischen Reiseanbieter „Luna-Trails“ in den Alpujarras unterwegs. Zielflughafen im Süden Spaniens ist Malaga, ideal zum Wandern sind Frühsommer oder Herbst. Mehr Informationen gibt es unter www.lunatrails.com oder www.tourismus.de/europa/spanien/fremdenverkehrsamt .

Karte: Der 3481 Meter hohe Mulhacén

Interaktive Karte - es werden keine Daten von Google Maps geladen.

Karte: Der 3481 Meter hohe Mulhacén


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