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Bimsstein, Obsidian und ein erloschener Vulkan Eine Tour auf den Monte Pilato auf Lipari

Vor der Nordküste Siziliens liegt der Archipel der Liparischen Inseln. Sieben Vulkaninseln sind dort aus dem Meer aufgetaucht, Wind und Wasser haben bizarre Küstenformen entstehen lassen. Das tiefe, saubere Meer lockt in den Sommermonaten unzählige Besucher auf die Liparischen Inseln. In der Vor- und Nachsaison jedoch kann man hier noch eine Ursprünglichkeit und Gastfreundschaft erleben, die den Aufenthalt zu etwas ganz Besonderem werden lassen. Am besten entdeckt man die Inseln zu Fuß auf alten Pfaden, die mehr oder weniger gut gepflegt werden.

Von: Andreas Pehl

Stand: 06.12.2018

Bimsstein, Obsidian und ein erloschener Vulkan | Bild: BR; Andreas Pehl

Ein lohnendes Wanderziel ist der Monte Pilato auf der Hauptinsel Lipari – kein Gipfel im eigentlichen Sinn, sondern der höchste Punkt eines erloschenen Vulkankraters.

Traumhafte Farbkontraste auf dem Monte Pilato mit Salina und Filicudi im Hintergrund

Ausgewaschen und erodiert führt der Pfad nach oben. Blendend weißer Bimsstein knirscht unter den staubigen Sohlen. Durch knallgelben Ginster und dunkelgrüne Erdbeerbäume schimmert tiefblau das Meer herauf. Segeljachten und Fährschiffe durchziehen langsam das Blau. Vom Monte Pilato aus sieht man Panarea, den Krater des Stromboli, die Inseln Salina und Vulcano, zum Teil erloschene, zum Teil immer noch aktive Vulkane. Alles auf den Inseln ist aus der Lava entstanden, fruchtbares Ackerland wie lebensfeindliche Schwefelfelder.

Zwischen dem Bims findet man immer wieder schwarzen Obsidian

Der Monte Pilato ist nicht nur mit seinen Farben ein Berg starker Kontraste. Der Bimsstein, eine durch Gase stark aufgeschäumte und erstarrte Lava, wurde hier bis vor wenigen Jahren abgebaut. Industrieruinen am Strand, ein kleines Museum in den Terme di S. Calogero und ein Denkmal auf dem Wanderweg erinnern an die Zeit, in der viele Arbeiter in den Steinbrüchen an der sogenannten Liparose gestorben sind, einer speziellen Art der Staublunge.

Abstieg nach Acquacalda

Heute aber ist der Berg ein lohnendes Wanderziel auf Lipari. Zwischen dem gleißend hellen Bimsstein liegen auf dem Boden schwarze Steine, die wie Glasscherben in der Sonne blitzen: Obsidiane – ein Vulkanglas, das entstanden ist, als die Liparischen Inseln aus dem Meer auftauchten. Der messerscharf brechende Obsidian hat die Inseln schon in der Steinzeit zu einem begehrten Wohnort gemacht.

Goldschmied Francesco bearbeitet einen Obsidian mit einer Diamantfräse

Vom Monte Pilato geht es dann auf einem Panoramaweg hinab nach Aqcuacalda ans Meer und mit dem Linienbus zurück nach Lipari. Direkt neben Francescos Laden verkaufen Gilberto und Vera die besten Panini der Inseln, so sagt man – bunt belegte Brote. Sein Laden ist ein Treffpunkt für Einheimische und Gäste, und so kann man hier auch immer wieder einmal Peter Amann treffen. Der Münchner kennt die Region seit Jahrzehnten und hat mehrere Wanderführer über Sizilien und die Inseln veröffentlicht. Sein Reise- und Wanderführer „Liparische Inseln – Wandern und Genießen zwischen Ätna und Vesuv“ ist im Rotpunktverlag erschienen.

Karte: Der Monte Pilato

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Karte: Der Monte Pilato


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