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Neue Herausforderungen in schwierigen Zeiten Bergführer im Corona-Winter

Ausgangssperren, Kontaktbeschränkungen, Quarantänepflicht - für viele, die von den Bergen und den Bergtouristen leben, war 2020 ein hartes Jahr, zum Beispiel auch für Hüttenwirte, die deutlich weniger Gäste beherbergen durften. Betroffen waren – und sind – auch Berufsbergführer:

Von: Kilian Neuwert

Stand: 12.12.2020

Neue Herausforderungen in schwierigen Zeiten | Bild: BR; Kilian Neuwert

Männer und Frauen, die nach einer langen und schwierigen Ausbildung inklusive staatlicher Prüfung davon leben, anderen Menschen Bergträume zu erfüllen, also einen Gast sicher zum Gipfel und zurück ins Tal zu führen. Angesichts der aktuellen Entwicklung machen sie eine schwere Zeit durch und müssen sich im Corona-Winter neuen Herausforderungen stellen.

Gregor Braun lebt seit rund 25 Jahren vom Führen. Wie es diesen Winter laufen soll, ist für ihn völlig offen.

Aggenstein, Brentenjoch, Rote Flüh, Gimpel, Säuling, die Ammergauer Berge mit Gabelschrofen und Geiselstein, dahinter die Zugspitze und ganz hinten der Hochvogel – Gregor Brauns Blick wandert am Horizont entlang von Gipfel zu Gipfel. Hier, in den heimischen Bergen, den bayerischen Alpen, hat der staatlich geprüfte Bergführer aus Wildsteig in diesem Jahr ungewöhnlich viel Zeit verbracht, denn im Zuge der Corona-Krise stieg die Nachfrage nach geführten Tagestouren ohne weite Anreise in der näheren Umgebung.

Gregor Braun geht es wie vielen seiner Bergführerkollegen:

Im Sommer war das Führen von Gästen für Gregor Braun unter Beachtung der Corona-Schutzmaßnahmen möglich, Klettertouren waren ebenfalls drin, auch mal der Biancograt am Piz Bernina oder der Hintergrat am Ortler. Für kurze Zeit konnte Gregor Braun aufatmen. Die Wintersaison war zuvor flachgefallen. Als die Zeit für größere geführte Skitouren im Alpenraum gekommen war, noch dazu bei besten Schneeverhältnissen, brach das Virus über die Alpenländer herein. Bergführer wie der zweifache Familienvater aus Wildsteig mussten geplante Touren absagen. Die Einnahmen blieben aus, dabei ist gerade der Winter eine wichtige Zeit im Jahr. Gerade auch Gruppen-Skitouren mit vier bis sieben Gästen sind für den Einzelnen nicht übermäßig teuer, aber für den Bergführer lukrativ.

Die Berge sind für Gregor Braun der „schönste Arbeitsplatz“, anderen eine Freude zu machen, sein berufliches Ziel.

Vor dem Hintergrund dieser Erfahrung ist Gregor Braun nun ratlos, wie es weitergehen soll. Braun, Jahrgang 1967, arbeitet als hauptberuflicher Bergführer, doch Planen ist derzeit unmöglich. Aktuell gilt für ihn und seine Kollegen in Bayern sogar ein Berufsverbot. Bergführungen sind laut Infektionsschutzmaßnahmenverordnung verboten. Die Bergführer trifft das hart, sagt Michael Lentrodt, der Präsident des Verbandes Deutscher Berg- und Skiführer. Er macht sich große Sorgen um die Mitglieder: Wenn sich die Situation nicht bessert und die Verordnung in Bezug auf das Bergführen und auch für Grenzübertritte nicht gelockert wird, dann fällt für alle Bergführer, die davon leben, die Existenzgrundlage weg. Aufgrund der guten Auftragslage im Sommer, so Lentrodt, sind viele Verbandsmitglieder zwar finanziell noch mit einem blauen Auge davongekommen, nun aber wird es immer schwieriger.

Am Horizont lässt sich die Grenze zu Österreich erahnen.

Lentrodt hat, das macht er im Interview deutlich, vollstes Verständnis für die Corona-Schutzmaßnahmen. Er wünscht sich aber auch, dass die Politik Bergführern eine Chance gibt und ihren Job differenziert betrachtet, vor allem, wenn es um Tagestouren geht. Bei Skitouren zum Beispiel lässt sich problemlos ein Abstand von fünf Metern einhalten und man ist an der frischen Luft, trotzdem sind geführte Skitouren verboten. Aktuell, so berichtet Michael Lentrodt, sind viele Bergführer darauf angewiesen, ihr Geld mit anderen Standbeinen zu verdienen. So auch Gregor Braun aus Wildsteig, dem seine Qualifikation als Industriekletterer über die letzten Monate geholfen hat. Doch auch Gregor Braun will wieder Gäste auf Berge führen und somit seinem eigentlichen Job nachgehen. Neben dem Berufsverbot sorgt er sich deshalb um die geltenden Quarantänepflichten, die Gäste abschrecken. Tagestouren im nahen Ausland – ohne Tankstopp und Einkehr – wären für ihn schon eine Erleichterung, zumal man einem Natursport betreibt und anders als in Städten nur wenig Kontakte zu fremden Personen hat.

Wie sich das Bayerische Gesundheitsministerium in diesen Dingen positioniert ist unklar. Eine BR-Anfrage blieb trotz mehrtägiger Antwortfrist bisher leider unbeantwortet.


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