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Tipps der Bergfreundinnen für ein gelungenes Naturerlebnis im Schnee Bergwinter mit Kindern

Regionen, die etwas höher liegen, können sich schon über den ersten Schnee freuen. Da bietet es sich für viele Familien an, die freie Zeit in den Weihnachtsferien zu nutzen und gemeinsam den Bergwinter zu genießen. Bei den Bergfreundinnen, unserem Bayern 2 Podcast für das Leben in und mit den Bergen, geht es jetzt in der neuen Staffel um das Thema Kinder – und auch um Tipps, damit Bergausflüge in der kalten Jahreszeit für Groß UND Klein ein schönes Naturerlebnis werden.

Von: Antonia Schlosser

Stand: 19.12.2020

Bergwinter mit Kindern | Bild: Sophia Folger

Skifahren, Winterwandern und ganz viel Rodeln - das sind meine Kindheits-Erinnerungen an den Winter in meiner Heimat, dem Allgäu. Meine Eltern haben mich damals schon früh mit dem Bergwinter bekannt gemacht. Heute, mit Ende 20, stelle ich mir selber die Frage, wie das Draußen-Sein im Schnee wohl mit meinen zukünftigen Kindern aussehen wird. Was kann man Kindern überhaupt zutrauen, was darf im Rucksack nicht fehlen und wo gilt es, besondere Vorsicht walten zu lassen?

Auch im Winter ist Louise mit auf Tour dabei - natürlich dick eingepackt, damit es in der Kraxe nicht zu kalt wird.

Sophie Folger ist mir ein paar Antworten voraus: Die junge Mutter wohnt im Inntal und verbringt mit ihrer Tochter Louise nahezu jede freie Minute draußen, auch jetzt in den kälteren Monaten. Ihren ersten Bergausflug hat die inzwischen Zweijährige schon sehr früh gemacht: Im Alter von knapp vier Wochen wurde sie von ihren Eltern zum Spitzingsee zum Skifahren mitgenommen. Die frischgebackene Mutter wollte unbedingt raus aus dem Wochenbett und den Neuschnee genießen. So wurde das Neugeborene dick eingepackt und in den Kinderwagen gesetzt und ein Skipass gekauft. Mama und Papa sind dann den ganzen Tag abwechselnd Ski gefahren, einer blieb immer unten auf der Hütte mit dem Baby oder ist mit ihm ein bisschen spazieren gegangen.

Dass nicht jedes Kind so früh in den Genuss von Bergluft kommen kann, ist natürlich klar. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass es für junge Eltern manchmal schwer ist einzuschätzen, was man dem Kind schon zutrauen kann. Gerade bei Ausflügen in der kalten Jahreszeit sollten bergbegeisterte Mamas und Papas auf ein paar Dinge besonders achten, betont DAV-Pressesprecher Thomas Bucher, der selbst Vater von vier Kindern ist. Weil die Tage kürzer und kälter sind, Schnee liegt und auch Lawinengefahr herrschen kann, müssen die Touren sorgfältig geplant werden. Man sollte sich deshalb schon bei der Planung direkt bei den Hütten oder auf Tourenportalen informieren, ob Wege oder Rodelpisten geräumt bzw. gut begehbar sind.

Schon mit ihren 2 Jahren ist die kleine Louise von den Bergen genauso begeistert wie ihre Mama Sophie.

Zusätzlich spielt es auch eine große Rolle, wie alt und bergerfahren der Nachwuchs ist. Die einen fangen schon mit ihren Kindern ab 3 Jahren an, auf der Piste Ski zu fahren und sie mit 7 oder 8 Jahren auf leichte Skitouren mitzunehmen. Für andere ist das Skitourengehen in diesem Alter überhaupt nicht möglich, weil sie noch gar nicht richtig Skifahren können oder vielleicht auch nicht die entsprechende Kondition haben. Das Allerwichtigste ist somit, als Familie zu lernen, was man gemeinsam unternehmen und wie man dabei Spaß haben kann. Ein guter Ausgangspunkt für die ersten Skitouren können zum Beispiel präparierte Pisten sein, an denen gerade kein Lift läuft oder wenig los ist. 200 bis 300 Höhenmeter Aufstieg reichen völlig aus. Man sollte auf keinen Fall eine Tour auswählen, die schon die Eltern überfordert. Es braucht immer einen Sicherheitspuffer, damit man noch reagieren kann, wenn mit den Kindern irgendetwas nicht gut läuft.

Neben Lawinen ist auch die Kälte eine Gefahr, vor allem für die ganz kleinen Kinder, die in der Kraxe mitgenommen werden. Weil sich das Kind im Gegensatz zu den Eltern nicht bewegt, friert es viel schneller aus, weshalb man häufig nachkontrollieren muss, ob das Kind noch warme Arme und Beine hat und nicht bereits ausgekühlt ist. Da hilft nicht nur richtig gute warme Kleidung, sondern auch, das Kind in der Kraxe anzusprechen und es auch immer wieder mal kurz herumlaufen zu lassen.

Die Bergfreundinnen

Auch Sophie Folger checkt unterwegs regelmäßig neben den Extremitäten auch den Nacken ihrer Tochter, um zu sehen, ob sie schwitzt oder friert. Zusätzlich suchen sie und ihr Mann sich bewusst kürzere Touren aus, die nicht länger als eine Stunde dauern und im Idealfall auch eine Einkehrmöglichkeit zum Aufwärmen haben. Weil Sophies inzwischen 100 Jahre alte Oma in der Steiermark davon überzeugt ist, dass Kinder Wollsocken brauchen, hat sie eine Strick-Fabrikation für Wollsocken in Größe 23 aufgemacht! Omas Wollsocken sind auch heute noch was Feines, vor allem, wenn man davon gleich noch ein paar Wechselpaare hat, denn eine kleine Schneeballschlacht oder sonstige Entdeckungstouren führen oft zu nassen und dann auch kalten Füßen. In den Rucksack gehören daher unbedingt auch warme Wechselklamotten und eine Thermoskanne mit heißem Tee.

Sind Skipiste, Rodelabfahrt oder Wandertour ausgewählt und alle Utensilien eingepackt, dann kann es eigentlich auch schon losgehen mit dem Bergwinter für Groß und Klein. Auch, wenn der in diesem Jahr wegen Corona natürlich nur mit Einschränkungen stattfinden kann und jeder dazu beitragen muss, das Infektionsgeschehen einzudämmen. Bergsport ist nicht verboten, aber jeder sollte sich genau überlegen, was ist sinnvoll ist. So tut es in dieser Zeit vielleicht ja auch ein Winterspaziergang mit der Familie vor der Haustüre.


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