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Beobachtungen im Winterbergwald Unterwegs oberhalb von Garmisch-Partenkirchen

Der Winter ist die wichtigste Ruhephase für die Natur. Einige Tiere halten Winterschlaf, andere senken ihre Körpertemperatur und schalten auf minimalen Energieverbrauch. Die Winterstrategien der Wildtiere funktionieren am besten im gesunden Mischwald.

Von: Angela Braun

Stand: 30.01.2021

Unterwegs oberhalb von Garmisch-Partenkirchen | Bild: BR; Angela Braun

Es liegt viel Schnee im Bergwald, und der Schnee tut nicht nur den Bäumen gut. Unterwegs bin ich mit dem Landwirt und Waldbesitzer Josef Sailer aus Garmisch-Partenkirchen und mit Joachim Mark, Förster am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Weilheim.  Das Waldstück im Hausberggebiet liegt in etwa 950 Metern Höhe oberhalb des Riessersees am Südende von Garmisch-Partenkirchen.

Mischwald trotzt den Stürmen

Aufkommender Nachwuchs im Bergwald

Auf den Baumstümpfen türmen sich dicke Schneehauben. Ein paar Meter weg vom Forstweg stapfen wir durch tiefen Schnee, manchmal bricht man bis zum Oberschenkel ein. Durch die kahlen Äste der Baumkronen kommt  Licht. Josef Sailer ist stolz auf seinen Mischwald. Buchen, Ahorn, Birken wachsen da genauso  wie Tannen, Fichten, Lärchen und Kiefern. Diese bunte Mischung stärkt den Wald als Ganzes und macht ihn widerstandsfähig  - vor allem gegen Wind und Sturm.

Lebensraum für Waldbewohner

Wurzelstock vom Windwurf Oktober 2019

Ein gesunder Mischwald ist nicht nur robust und sturmerprobt - er bietet den Wildtieren auch einen idealen Lebensraum. Immer wieder ragen abgestorbene Baumstümpfe in die Höhe. Auch Wurzelstöcke liegen zwischen den Buchen. Sie bieten vielen Lebewesen Winterquartiere, erklärt Förster Joachim Mark:Bei uns leben zwei seltene heimische Specht-Arten, der Weißrückenspecht und der Dreizehen-Specht. Es sind kleine Spechte mit filigranen Schnäbeln. Sie überwintern bei uns und brauchen gut vermodertes Holz, um an Insektenlarven zu kommen, sagt Mark. Das ist die wichtigste Winternahrung. Wenn es die nicht mehr gibt, sterben diese Arten aus.“

Viele Bucheckern auf der Schneedecke

Auf der Schneedecke liegen immer wieder Bucheckern. Joachim Mark hat beobachtet, wie Buchfinken auf der verharrschten Decke herumlaufen und Früchte  sammeln. Das machen auch Mäuse oder Eichhörnchen, wenn sie aus ihrer Winterruhe aufwachen. Im vergangenen Herbst haben die Buchen sehr viele Früchte und Samen getragen. Der Förster spricht von einer Vollmast. Waldbesitzer Josef Sailer hat das Rotwild auf der Suche nach den Waldfrüchten beobachtet. Noch immer liegen viele Bucheckern auf dem Schnee   

Notfütterung auch wegen Weltcuprennen

Das einzig richtige Fahrzeug im winterlichen Bergwald

Der Waldbesitzer Josef Sailer hat eine Notfütterung eingerichtet. Das heißt, die Tiere bleiben wegen der Schneelage da, wo sie sind, und sie werden auch an Ort und Stelle mit Futter versorgt, um Schäden im Wald zu vermeiden.  Ganz in der Nähe stehen Fangzäune für das Damen- Weltcuprennen an der Kandahar in Garmisch-Partenkirchen. Dadurch werde der natürliche Wildwechsel unterbrochen, so der Landwirt. Josef Sailer ist auch Vorstand der Jagdgenossenschaft Garmisch-Partenkirchen. Von der klassischen Wildfütterung hält er wenig. Da werde Rotwild von weither auf eine Fläche gelockt. Und die stärksten Tiere würden andere wegdrängen von der Futterkrippe.

Schnee bietet Schutz für junge Bäume

Tafel an der alten Bobbahn mit gefährlichen Kurven

Der Schnee schützt die jungen Bäume im Wald, sagt Förster Joachim Mark. Wenn die kleinen Tannen und Lärchen unter der Schneedecke verschwinden, können sie auch nicht gefressen werden. Der Schnee ist auch ein wichtiger Wasservorrat. An Südhanglagen, wo der Schnee nicht lang bleibt, bekommen Bäumen oft Trockenstress. Bei einer hohen Schneelage im Wald bleibt im Frühjahr genug Feuchtigkeit, um den Boden über Wochen mit Wasser zu versorgen, sagt Waldbesitzer Josef Sailer.

Bergmischwald schützt vor Schneebruch

In den vergangenen Wochen wurde nach viel Neuschnee  in Wäldern oft vor Schneebruch gewarnt.  Den gibt es auch im Bergwald, aber meist nur bis in 1000 Meter Höhe. Doch diese Grenze scheint nach oben zu wandern. Förster Joachim Mark sagt, die Schneebruch–Gefahr sei in einem gesunden Mischwald gering. Durch die verschiedenen Baumarten habe man keine homogene Kronendecke. Da könne der Schnee besser abgleiten.

Historische Bobbahn versinkt im Schnee

Historischer Bob

Der Forstweg führt  an der alten Bobbahn von Garmisch–Partenkirchen vorbei, die unter einer dicken Schneedecke versinkt. Der Wanderweg zieht sich entlang der historischen Trasse. Tafeln erinnern an legendäre Rennen. In einer Seiltrasse steht ein alter blauer Rennbob. Das Bobfahrer-Museum ist coronabedingt geschlossen.

Winterruhe für Wildtiere überlebenswichtig

Der Waldbesitzer Josef Sailer hat beobachtet, dass eine Fuß- oder Schneeschuh-Spur quer durch den Winterwald Nachahmer anlockt.  Viele laufen oft einfach einer Spur nach und wissen gar nicht, was sie dadurch anrichten können. Wenn Tiere in der Winterruhe aufgeschreckt werden, müssen sie für eine Flucht viel Energie aufbringen. Das kann lebensbedrohlich sein. Sailer hofft, dass man den Lebensraum von Wildtieren, aber auch Standorte von vielen Pflanzen respektiert.


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