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Ganz schön allein in den bayerischen Voralpen Solo am Beigenstein bei Lenggries

Die bekannten Ausflugsziele und klingenden Berggipfel ziehen an schönen Tagen und besonders jetzt sehr viele Menschen an. Da wird es nicht nur schwer, die Abstandsregeln einzuhalten, auch der Stressfaktor steigt an, vor allem, wenn man schon bei der Anreise in der zähfließenden Blechkolonne dahinrollt und doch möglichst viel Erlebnis haben möchte. Vielleicht ist es für den ein oder anderen eine Lösung, einmal abseits der bekannten Touren unterwegs zu sein und zum Beispiel den topographisch oft unbenannten Beigenstein bei Lenggries anzupeilen.

Von: Andreas Pehl

Stand: 23.05.2020

Ganz schön allein in den bayerischen Voralpen | Bild: BR; Andreas Pehl

Gurgelnd rauscht die Isar über die Steine. Bis auf ein junges Pärchen und mich ist niemand mehr hier auf der Kiesbank, um die letzten Strahlen der Abendsonne zu genießen.

Am Schwarzenbach entlang.

Das Rauschen übertönt fast alles hier. Nur gegen ein Geräusch hat der Fluss keine Chance - gegen die Autokolonne, die aus der Jachenau und dem oberen Isartal in Richtung München rauscht. So manch‘ ein Drängler ist dabei, der nicht einmal auf der Straße den Abstand einhält. Wie diese Menschen wohl ihren freien Tag erlebt haben? Gestresst vom Abstand-Halten am Berg, im Biergarten und jetzt auf der Straße?

Bergparadies in Richtung Benediktenwand

Vielleicht ist das nicht immer vermeidbar, aber mein Berg – der Beigenstein - hat mir heute dabei geholfen, tiefenentspannt hier an der Isar zu liegen, nach fast 30 Kilometern Strecke und tausend Höhenmetern mit dem Rad und zu Fuß. Der Gipfel liegt etwas versteckt im Schatten von Brauneck und Benediktenwand und ist nicht so ganz einfach zu erreichen. Ein Radl sollte man schon dabeihaben, wenigstens um die ersten Kilometer auf der Teerstraße bequem zu bewältigen, die sich durch Wälder und über saftige Wiesen das Schwarzenbachtal hinaufzieht. Nur ein paar Digital- und Analog-Radler sind hier unterwegs, und wenn die Forststraße in Richtung der Krottenalmen beginnt, dann tut man sich schwer, überhaupt noch jemanden anzutreffen oder an Abstand nur zu denken.

Auf die Gipfelwiese – der Blick reicht vom Achensee

Rechts ragen über der Almfläche das Brauneck und die Achselköpfe in den Himmel, links die Felswand des Beigensteins. Fast weglos führt ein Steig zum Gipfel. Einsam ist es hier oben, während aus der Steilwand der Achselköpfe die Unterhaltungen all derer deutlich zu hören sind, die mit vielen anderen versuchen, Abstand am Brauneck zu halten. Die Brauneck-Bergstation ist vom Gipfel des Beigensteins aus fast zum Greifen nahe, die vielen Besucher sind gut zu erkennen. Aber hier oben liege ich alleine am Gipfelkreuz, über mir schweben bunte Gleitschirmflieger durchs Himmelsblau, vor mir reicht das Panorama vom Rofan über die Karwendelkette in Richtung Mittenwald. Dann aber gibt es einen Moment, in dem mir jemand bedenklich nahekommt – nein, kein Wanderer, eine Steinbockherde schaut neugierig bis auf 50 Meter bei mir vorbei und zieht dann stoisch weiter.

Nach ausgiebiger Gipfelrast geht es dann schnell bergab, bald ist man wieder beim Radl, und mit der Bahn geht es dann ganz ohne gestresste Abstands-Drängler entspannt retour – vor allem, wenn man in Lenggries noch eingekehrt ist und mit einem der späten Züge zurückfahren kann.

Karte: Der Beigenstein

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Karte: Der Beigenstein


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