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Anden-Berggötter und Regenbogen-Berge Der Ausangate-Trek in Peru

„Apu“ - so nennen viele Peruaner die höchsten Gipfel der Anden. „Apu“ bedeutet so viel wie Gott. Im Berg selbst sehen die Bewohner der Kordilleren-Täler etwas Göttliches. Der Berg gibt Leben und verspricht den Menschen Schutz. Ein Weg zu den Berggöttern ist der „Camino del Apu Ausangate“, eine fünftägige Wanderung von Hütte zu Hütte, oder besser gesagt ein Lodge-Trekking in der Cordillera Vilcanota bei Cusco.

Von: Folkert Lenz

Stand: 14.12.2018

Muschelhörner, Anden-Berggötter und Regenbogen-Berge | Bild: BR; Folkert Lenz

Auf dem Ausangate-Trek bleibt einem bisweilen die Luft weg - nicht nur, weil die Tour über mehrere 5000 Meter hohe Pässe führt, sondern auch wegen der atemberaubenden und farbenfrohen Landschaft.

Ladehemmung: Nicht immer tutet es so richtig auf Marios Muschelhorn.

Eigentlich begrüßt Hüttenwirt Mario seine Gäste, indem er zum Empfang sein kopfgroßes, weißes Muschelhorn bläst. Doch statt satten Tutens kommt diesmal nur eine Art Krächzen heraus – Ladehemmung, da muss selbst Mario lachen! Ist es die dünne Anden-Luft hier oben, die Mario zu schaffen macht? Wohl kaum, denn die Höhe von 4800 Metern ist der Indigena-Mann von Kindesbeinen an gewohnt. Seine Hochgebirgs-Lodge „Huampococha“ steht neben einem azurblauen See, in dem schwarze Enten herumschwimmen. Eingerahmt wird das Ganze von rötlich schimmernden Sandstein-Gipfeln. Zottelige Alpacas, eine Lama-Art, grasen auf den Hochweiden rund um den Lehmbau.

Einsamer Guide: Daniel Bustamante vor den Eisgipfeln des Ausangate

Der „Camino del Apu Ausangate“ – führt an den Fuß des 6000er-Gipfels Ausangate. Fünf Tage sind wir mit Bergführer Daniel Bustamante unterwegs in der Wildnis der peruanischen Anden, die hier in der Cordillera Vilcanota ungewöhnlich grün erscheinen. Der höchste Punkt des 43 Kilometer langen Treks ist ein 5100 Meter hoher Pass. Mächtige Gletscher, deren grau-weiße Arme sich immer wieder hinunter in die gelblich-grüne Graslandschaft schieben, sind zum Greifen nahe in der glasklaren, dünnen Luft. Pferde begleiten die Wandergruppe, die sich auf winzigen Bergwegen und Lama-Trampelpfaden durch die XXL-Landschaft bewegt. Junge Frauen und Männer sind als grellbunte Tupfer auf den Weiden erkennbar, weil sie als Hirten ihre farbenfrohen Trachten auch bei der Arbeit tragen.

Alpakas: Allgegenwärtige Begleiter auf dem Ausangate-Trek

Nach stundenlangem Dahinschreiten erscheint es auch dem europäischen Wanderer einleuchtend, dass die Landschaft hier beseelt sein muss. Die Berge selbst sind lebendig, sie sind Götter. Der „Apu“ ist die Seele des Berges, er hat Persönlichkeit und Kraft, wie zum Beispiel Apu Ausangate, der als Schöpfer des Lebens gilt und als eine Art Seelenwächter. Es sind nicht nur die Bewohner der Bergdörfer, die so denken, auch modern erscheinenden Peruanern gelten die schneebedeckten Gipfel bis heute als Götter. Alte Legenden aus der Zeit der Inkas ranken sich darum, wie das Leben wohl in die Welt gekommen ist. Daniel zeigt auf eine Pacarina, einen winzigen Tümpel am Wegesrand. Ölig und tiefschwarz dümpelt das Wasser in der Felswanne, weißlockige Algenreste in der Lache sehen aus wie Wollreste und scheinen der Beweis zu sein: Hier kommen die kleinen Lamas her! Pacarinas gelten nicht nur als Ursprungsort der Lamas, sondern auch der Inkas. Bäche, Quellen und Höhlen sind heilige Orte der Wiedergeburt.

Berg-Natur-Wunder: Mineralien sind für die quietschebunten Sandstein-Streifen verantwortlich

Mit Farben geizt die Landschaft nicht: weiß, blau, ocker, braun, gelb, rosa oder violett. Bunter und bunter werden die Felsen oberhalb des Ausangate-Treks und je näher man dem Yauricunca-Gipfel kommt, dem legendären Regenbogen-Berg, der sich dann als streifenförmiges Farbenfeuerwerk in 5000 Meter Höhe entpuppt. Die Sedimente stellen die Verdichtung verschiedener Schichten mit verschiedenen Mineralien dar. Die grau-grüne Farbe zum Beispiel stammt von Kupferoxid, das Rot kommt von Eisen, die gelben Schichten bestehen aus altem Schlamm. In 50 Schattierungen von Rot versinkt man hinter dem Pass am Yauricunca und kann den Blick kaum lösen von dem farbenfrohen alpinen Naturwunder am Ende der Etappe.

Der Apu


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