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Der Ankelspitz überm Schliersee Tour auf einen unbekannten Logenplatz

Wenn man einen neuen Führer in die Hand nimmt, dessen Titel zum Blättern einlädt, dann ist es oft so, dass man ihn schon nach einem Blick auf das Inhaltsverzeichnis wieder aus der Hand legt. Einladende Fotos täuschen darüber hinweg, dass wieder nur die altbekannten Bergtouren aufgewärmt und ein weiteres Mal beschrieben werden. Anders ist das bei einem Buch von Peter Lechner und Sandra Rauch: „Logenplätze zwischen Bad Reichenhall und Kochelsee“.

Von: Andreas Pehl

Stand: 30.11.2019

Tour auf einen unbekannten Logenplatz | Bild: BR; Andreas Pehl

Eine lohnende Tour, solange noch nicht zu viel Schnee liegt, ist der Ankelspitz bei Neuhaus am Schliersee, auch wenn es wie heute neblig ist.

Hoch über dem Schliersee

Die „Fernsicht“ reicht gute dreihundert Meter weit, unter uns ist schemenhaft das Ufer des Schliersees zu erkennen. Bei klarer Sicht würde man direkt auf den Wendelstein sehen. Zusammen mit Buchautor Peter Lechner stehe ich auf dem Ankelspitz, einem kleinen Logenplatz über dem Tal und genieße den Blick steil hinunter, auch wenn der heute nur verschwommen ist. Aber es muss ja nicht immer der „Gipfel weißblau“ sein, manchmal müssen auch einfach ein Weg und ein schöner Ort reichen.

Erste Schneereste machen den steilen Weg rutschig

Auf dem Ankelspitz ist man in einer knappen Stunde. 250 Höhenmeter geht es steil nach oben, die Anstrengung lohnt sich, zumal der Ankelspitz ein recht wenig begangener Gipfel ist – zu Unrecht, findet Peter Lechner. Er sucht und erkundet zusammen mit Sandra Rauch solche Logenplätze zwischen Bad Reichenhall und Kochelsee, um längere Autofahrten zu vemeiden und neue Ziele nahe vor der Haustüre zu finden. Bei jeder Bergtour hält er mit einem guten Orientierungssinn und Gespür für die alten Steige die Augen offen und entdeckt dabei das ein oder andere Gipfelkreuz, das in vielen Karten nicht eingezeichnet ist. Auf diese Weise hat er für sich auch den 1122 Meter hohen Ankelspitz über Schiersee entdeckt. Manche dieser Wege bleiben vielleicht auch besser weiter unbekannt und ungenannt. Aber die meisten Geheimtipps sind in Zeiten von Instagram und Facebook sowieso keine Geheimtipps mehr.

Wir steigen wieder hinunter ins Tal.

Abseits der Hütten und Seilbahnen bleibt immer noch genug Platz für Berggenießer, und zwar zu jeder Jahreszeit und bei fast jedem Wetter. Häufig lassen sich die Touren zu den Logenplätzen zu einer größeren Runde erweitern. Heute ist das für uns aber nichts, denn die schlechte Sicht und erste Schneefelder machen den Weiterweg zu riskant. Ansonsten ließe sich auf einem recht ausgesetzten Pfad dann noch der Brecherspitz anschließen, aber nicht in dieser Jahreszeit. Der Nebel ist dichter geworden, der Talblick komplett im weißen Dunst verschwunden und trotzdem erfüllt die kleine Tour auf den Ankelspitz mit tiefer Zufriedenheit. Nach einer Tasse warmem Tee ist es Zeit für den Abstieg. Dafür sollte man besser Stöcke dabeihaben, denn auch ohne Schnee rutscht man leicht aus auf Laub und feuchter Erde.

Karte: Der Ankelspitz

Interaktive Karte - es werden keine Daten von Google Maps geladen.

Karte: Der Ankelspitz


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