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Übers Pfitscherjoch nach Sterzing Alpenüberquerung auf der Tegernsee-Route

Alpenüberquerungen werden immer beliebter. Doch nicht jeder möchte tagelang auf Hütten übernachten oder traut sich hochalpine Strecken zu. Leichtere Varianten sind daher gefragt, zum Beispiel die Route vom Tegernsee via Achensee und Zillertal nach Sterzing. Die sechste der insgesamt sieben Etappen führt vom Schlegeissee in den Zillertaler Alpen über das Pfitscherjoch nach Südtirol und bringt alles mit, um zur Lieblingsetappe zu werden.

Von: Claudia Steiner

Stand: 11.07.2020

Alpenüberquerung auf der Tegernsee-Route | Bild: BR; Claudia Steiner

Wasser, überall Wasser. Die Tour beginnt am Schlegeisspeicher, einem künstlichen Stausee in den Zillertaler Alpen.

Immer am Wasser entlang

Der Wasser des Sees glänzt türkis, daneben tosen Wasserfälle, etwas entfernt plätschern Bäche sanft vor sich hin. Die Tiroler Bergwanderführern Valerie Lindner führt uns die erste Stunde entlang des Zamser Bachs in den sogenannten Zamser Grund und erklärt, dass im Zillertal die Täler oft als „Grund“ bezeichnet werden. Wo sich das Wasser sammelt und irgendwann zu einem Bach oder Fluss wird, spricht man von einem Grund.

Lavitzalm

Der Himmel ist blau, die Sonne scheint, es hat angenehme 20 Grad – ein herrlicher Kontrast zum Vortag, an dem es ohne Unterbrechung geregnet hat und eiskalt war. Langsam wird der Weg steiler. Latschen, Zirben und Almwiesen wechseln sich mit riesigen Felsbrocken ab. Auf 2095 Meter Höhe erreichen wir die Lavitzalm. Hüttenwirtin Monica hat die Alm seit 2018 gepachtet und betreut neben hungrigen Tagesgästen auch noch 140 Stück Jungvieh sowie Ziegen, Schafe und Hühner. Wir setzen uns vor der Almhütte in die Sonne und bestellen Kaiserschmarrn und Holunderschorle. Knödel mit Krautsalat und Buchweizentorte gibt es auch – alles hausgemacht.

Kurz vor der italienischen Grenze

Nach der Rast führt ein steiniger Pfad weiter bergauf und in etwa 30 Minuten zum Grenzübergang nach Italien auf 2246 Meter Höhe. Wanderführerin Valerie zieht eine Flasche Marillenschnaps und kleine Gläser aus ihrem Rucksack: Wir stoßen an auf „Bella Italia“. Früher war der Grenzposten besetzt, vor allem um Schmugglern das Handwerk zu legen, die unter anderem Alkohol von Südtirol nach Österreich gebracht haben, erzählt Valerie. Der Grund für das Schmuggeln lag im Erbrecht. Nach dem Anerbenrecht bekam der älteste Sohn den Hof, die jüngeren Söhne mussten schauen wie sie auskommen. Sie wurden Schmuggler und als Wegkundige später Bergführer

Abstieg kurz nach dem Pfitscherjoch

Mit dem 2276 Meter hohen Pfitscherjoch ist dann der höchste Punkt dieser Alpenüberquerung erreicht. Auf dem Joch pfeift der Wind. Etwas unterhalb des Jochs steht auf Südtiroler Seite das Pfitscherjoch-Haus, die älteste private Schutzhütte Südtirols. Das Haus wird inzwischen in der fünften Generation geführt und lädt nochmal zur Einkehr ein. Dann beginnt der Abstieg ins Pfitschtal, vorbei an kleinen Bergseen, über Almen und Wiesen bis nach St. Jakob und hinaus nach Sterzing. Für die siebentägige Wanderung benötigt man Trittsicherheit und eine gute Kondition, die Wege sind aber überwiegend leicht bis mittelschwer. Das Pfitscherjoch ist übrigens auch ein wichtiger Passübergang für Mountainbiker, die sich auf einer Transalp-Tour befinden. Mehr Informationen zur Alpenüberquerung „Von Tegernsee nach Sterzing“ gibt es zum Beispiel unter www.feuer-eis-touristik.de

Corona-Infiziert auf Alpenüberquerung

Karte: Am Pfitscherjoch

Interaktive Karte - es werden keine Daten von Google Maps geladen.

Karte: Am Pfitscherjoch


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