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Abtauchen mit Rucksack und Mikroskop Auf Larven-Suche in der Isel

Mit 56 Kilometer Länge ist die Isel kein besonders langer Fluss, dafür aber außergewöhnlich, denn sie ist der letzte frei fließende Gletscherfluss im Nationalpark Hohe Tauern. Hoch oben am Umbalkees nimmt die Isel ihren Lauf bis hinunter nach Lienz, wo sie dann in die Drau mündet. Seit diesem Sommer kann man dem kompletten Fluss auf dem neuen Isel-Trail in fünf Etappen folgen und durchwandert dabei einen einzigartigen Lebensraum für seltene Tier- und Pflanzenarten.

Von: Ulrike Nikola

Stand: 20.07.2019

Abtauchen mit Rucksack und Mikroskop – Alpenflüsse im Bayern-2-Rucksackradio | Bild: BR; Ulrike Nikola

An den spektakulären Isel-Katarakten, auch bekannt als Umbalfälle, kann man mit Nationalpark-Rangern auch auf Larvensuche gehen und sozusagen mit Rucksack und Mikroskop „abtauchen“.

Eingang zum Umbaltal

Über das glattgeschliffene grüne Schiefergestein tost die weiße Gischt hinab ins Tal. Die Umbalfälle führen ein faszinierendes und lautes Schauspiel auf, bei dem das Gletscherwasser durch die engen Spalten nur so wirbelt, sprudelt und schäumt. Hier erlebt man wirklich die Kraft des Gletschers und sieht auch sehr schön die Kolke, also die Gletschertöpfe, die vor ungefähr 5000 Jahren von der Isel hier eingeschliffen wurden. Anna Brugger, eine junge Rangerin im Nationalpark Hohe Tauern, begleitet interessierte Wanderer entlang des Natur-Wasserschaupfades mit Informationen zu Flora und Fauna und zur Entstehung und Geschichte der Isel. Weil das Umbalkees immer in Bewegung ist und sich am Fels reibt, entsteht feinster Sand, den die Isel als Gletscherbach dann vor allem im Sommer mit sich führt, als so genannte „Gletschermilch“, die das Wasser eben „milchig“ trüb werden lässt.

Wanderweg entlang der Isel

Fast 2000 Höhenmeter legt die Isel vom Gletscher zurück bis sie schließlich in die Drau mündet. Naturschützer haben den Bau eines Kraftwerks und Eingriffe in den Flusslauf immer wieder erfolgreich verhindert, so dass dieser Gletscherbach nie energiewirtschaftlich genutzt wurde und wird. Er wurde also nie aufgestaut, es gibt keinen Schwallbetrieb, der die Flussdynamik ganz enorm beeinflussen würde, und es gibt auch keine Ausleitungen – eine Seltenheit in Mitteleuropa. So ist auch eine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt erhalten geblieben – mit Tamarisken und dem Engelsüß-Farn, dessen zuckersüße Wurzeln essbar sind. An den Fichten und Lärchen wachsen Flechten, die anzeigen, dass die Luft hier besonders rein und vor allem feucht ist. Der Wasserfall wirbelt ständig eine feine Gischt ans Ufer, die vor allem auch der Baumbart liebt - eine Symbiose zwischen einer grünlichen Alge und einem weißen Pilz. Weil diese Flechte ungleich älter wird als der Baum selbst, überwuchert sie oft den Baum, schadet ihm aber nicht.

Umfallfälle oder Isel Katarakte

Nicht nur am Ufer der Isel sucht Anna Brugger nach versteckten Schätzen der Natur, sondern auch im Fluss selber. Die Nationalpark-Rangerin dreht Steine um, unter denen sich kleinste Lebewesen verstecken: verschiedene Steinfliegenlarven. Sie verbringen einen großen Teil ihres Lebens im Wasser unterhalb der Steine – ein Beispiel ist die Eintagsfliege, die zwei bis drei Jahre als Larve im Wasser lebt und nur wenige Stunden, maximal einen Tag – wie der Name schon sagt – als Fliege existiert. Was für ein vertanes Leben, könnte man denken, doch diese Larven sind eine wichtige Nahrungsquelle für die Wasseramseln und ein Beispiel dafür, wie wichtig es ist, die Kreisläufe in der Natur nicht zu stören. Dass auch wir Menschen ein Teil dieser Schöpfung sind, verdeutlichen meditative Texte entlang des Natur-Wasserpfades. Da heißt es dann zum Beispiel: „Lass los die Sorgen des Alltags, spüre den Fluss in dir“.

Wasserschaupfad

1985 gingen Im Umbaltal mehrere Lawinen ab, die Isel schob eine gewaltige Welle mit Baumstämmen und Felsbrocken ins Tal und riss auch die Hütte auf der Islitzer Alm. Das zeigt, wie zerstörerisch die Kraft des Wassers sein kann. Die Islitzer Almhütte ist längst wieder neu aufgebaut worden und lädt zur Rast und Einkehr ein. Sonntags gibt es oft Wildgerichte, denn Hüttenwirt Johannes Berger sorgt selber mit der Jagd für das heimische Fleisch, das seine Schwestern frisch zubereiten. Vom Steinbock gibt es Filet vom Grill mit Sauce und Rösti. Die Gams kommt in den Holzherdofen und als Braten mit Semmelknödeln und Rotkraut serviert.

Um die Isel, den letzten und einzigen naturbelassenen Gletscherfluss der Alpen, zu erkunden, kann man einen Tagesausflug zu den Umbalfällen unternehmen oder eine Zwei-Tages-Wanderung bis zur Quelle mit Übernachtung auf der Clarahütte. Länger dauert die fünf- bis siebentägige Tour entlang des gesamten Flusslaufs bis zur Mündung in die Drau.

Karte: Die Umbalfällen

Interaktive Karte - es werden keine Daten von Google Maps geladen.

Karte: Die Umbalfällen


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