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Reaktion auf ein Lawinenunglück in der steirischen Rax 125 Jahre Österreichische Bergrettung

Es war sicher nicht das erste alpin-touristische Unglück: Am 8. März 1896 wurden bei einem Lawinenabgang am Reißtalersteig an der steirischen Rax drei bekannte Wiener Bergsteiger verschüttet. Weil sich die Bergungsaktion damals sehr schwierig gestaltete, war schnell klar, dass eine professionelle Bergrettung nötig ist. Die Idee für den Österreichischen Bergrettungsdienst war geboren. Ein Anlass, um an den Original-Schauplätzen in der Hoch-Steiermark die 125jährige Geschichte der österreichischen Bergretter nachzuzeichnen.

Von: Folkert Lenz

Stand: 06.03.2021

125 Jahre Österreichische Bergrettung | Bild: BR; Folkert Lenz

Steigeisen sind diesmal nötig beim Aufstieg zur Rax. Heukuppe heißt der höchste Punkt.

In den Abbrüchen der Raxmäuer (links) fanden 1896 gleich drei Wiener Alpinisten den Lawinentod.

Obwohl der verschneite Rücken über den waldreichen Tälern gerade mal die Zweitausender-Marke reißt, wähnt man sich doch im Hochgebirge. Rax und Schneealm gehören zu den Nördlichen Kalkalpen und besitzen hochalpinen Charakter, sagt Andreas Steininger, der Chef vom Naturpark Mürztaler Oberland. Er kennt auch das Drama, das sich hier in den Felsabstürzen der Raxenmäuer vor 125 Jahren abgespielt hat. Drei Wiener gerieten auf dem Reißtalersteig am 8.März 1896 in eine Lawine. Bemerktwurde das allerdings erst, als die drei von ihrer Bergfahrt nicht heimkehrten. Der Bruder eines der drei Vermissten trieb die Suche in den folgenden Tagen voran, berichtet der Alpinhistoriker und Leiter des WinterSportMuseums in Mürzzuschlag Hannes Nothnagl, wobei erst einmal Leute für eine Rettungsaktion zusammentrommelt werden mussten, darunter viele naturkundige Bauern. Lebendig fand der Suchtrupp die drei Alpinisten an der Rax nicht mehr. Aber das Unglück hat dazu geführt, dass schon zwei Monate später in Wien das „Alpine Rettungscomitee“ gegründet wurde. Mit dem aufkommenden Alpinismus und Fremdenverkehr war es nötig, eine professionelle Rettungsorganisation aufzustellen.

Es ist verständlich, dass es gerade die Wiener waren, die sich um den Aufbau der Rettungseinheiten kümmerten. Denn unter den Adligen und den gutbetuchten Bürgern in Wien, aber auch in Graz galt es Ende des vorvergangenen Jahrhunderts als richtig „hipp“, Gipfel zu erstürmen. Der „Alpine Rettungsausschuß Wien“ – wie er wenig später hieß – war somit der Vorläufer der heutigen österreichischen Bergrettung. Eine der sieben Ortstellen wurde im Hotel Post in Mürzzuschlag beim Toni Schruf eingerichtet.

Vor 125 Jahren war es am Stuhleck-Gipfel in den Fischbacher Alpen noch einsam. Heute nicht mehr.

Schon gleich im Frühwinter 1896 mussten die frischgebackenen Rettungsdienstler von Mürzzuschlag dann erneut ausrücken, und zwar zum nahen Stuhleck. Das „Dach“ der Fischbacher Alpen misst gerade mal 1782 Meter, hat Mittelgebirgscharakter und ist nicht viel mehr als ein baumfreier Rücken, der aus den Mürztal-Wäldern herausragt. Doch er hat es in sich, warnt Bergführer Andreas Steininger, weil hier oben oft der Sturm tobt und es bis heute immer wieder Bergrettungseinsätze gibt. Inzwischen weisen dicke Holzstangen den Tourengehern auch im Nebel den Weg zum Gipfel. Vor 125 Jahren hätten sich zwei Burschen auf Schneeschuhtour solche Markierungen wohl gewünscht als sie in einen Schneesturm geraten sind. Während der eine den Weg zurück ins Tal fand, verlor der andere die Orientierung und stürzte in Richtung Retteneck ab.

Heute packen beim Bergrettungsdienst fast 13.000 Ehrenamtliche mit an und rücken rund 9.000 Mal pro Jahr österreichweit aus. Die Wurzeln der Österreichischen Bergrettung aber liegen in der Steiermark.


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