alpha Lernen - Wirtschaft & Arbeit


94

Der große Crash Die Wirtschaftskrise von 1929 in Deutschland

24. Oktober 1929: An der New Yorker Börse stürzen die Kurse ab, die Welt taumelt in eine Wirtschaftkrise ungeahnten Ausmaßes. In Europa trifft der große Crash ein ohnehin stark gebeuteltes Land: die Weimarer Republik. Die "Goldenen Zwanziger" sind nun auch in Deutschland vorbei.

Von: Volker Eklkofer & Simon Demmelhuber

Stand: 17.02.2017

Zeitungen zum Schwarzen Freitag | Bild: WDR

Hier lernst du u. a.:

  • wie es zum großen Crash an der Wall Street (24.10.1929) kam;
  • wie sich die US-Wirtschaftskrise zur Weltwirtschaftskrise entwickelte;
  • dass Deutschland nach den USA am heftigsten von der ökonomischen Erschütterung erfasst wurde;
  • die deutsche Abhängigkeit von ausländischem Kapital, Reparationszahlungen an die Sieger des Ersten Weltkriegs und Brünings Deflationspolitik als krisenverschärfend erkennen;
  • verstehen, dass die Reichsregierung 1931 durch massive Intervention eine Bankenkrise verhinderte;
  • dass die Regierung Brüning auf Konjunkturprogramme und Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen verzichtete; ·
  • dass die Wirtschaftskrise zu einer politischen Krise führte und der Aufstieg der NSDAP begann;
  • die Ereignisse der Jahre 1929-32 mit der Weltwirtschaftskrise 2008/09 zu vergleichen.

Die Schlagwörter: "Schwarzer Freitag", Deflationspolitik, Hitlers Aufstieg

Am 24. und 25. Oktober 1929 stürzten an der New Yorker Börse, der Wall Street, die Aktienkurse ins Bodenlose. Innerhalb kurzer Zeit wurden gewaltige Vermögenswerte vernichtet. Panik brach aus. Die Nachricht vom „Schwarzen Freitag“ an der Wall Street ging wie ein Lauffeuer um die Welt. Auch Deutschland konnte sich dem Sog nicht entziehen. Nach den Jahren des Booms in den 20er Jahren wurde die Wirtschaft von ihrer schwersten Krise erfasst.

Brünings Deflationspolitik

Der Reichsregierung unter Leitung des Zentrumspolitikers Heinrich Brüning gelang es nicht, den Niedergang der Wirtschaft zu verhindern. Sie verordnete Deutschland einen strikten Sparkurs. Vergeblich versuchte sie mit einer deflationären Haushaltspolitik die Krise zu entschärfen. Mehr und mehr verlor die Bevölkerung das Vertrauen in die junge Demokratie.

Die Große Depression ermöglicht Hitlers Aufstieg

Kommunisten und Nationalsozialisten machten Stimmung gegen die Weimarer Republik und lieferten sich Saal- und Straßenschlachten. Und während die Regierung Brüning passiv blieb, begann der Siegeszug Adolf Hitlers. Bei den Reichstagswahlen im Juli 1932 wurde die NSDAP mit 37,3 Prozent der Stimmen erstmals stärkste Partei.

Die Geschehenisse im Einzelnen:

Kurssturz an der Wall Street

Nach dem Ersten Weltkrieg gelang der US-Ökonomie der reibungslose Umstieg von der Kriegsauf die Friedensproduktion. Die Regierungen der Präsidenten Warren C. Harding und Calvin D. Coolidge (Motto: "Business is America´s Business") schützten die Wirtschaft mit einer strikt protektionistischen Zollpolitik. Europäische Staaten, die Kredite aus den USA erhalten hatten, wurden so daran gehindert, diese durch Export von Gütern zurückzuerstatten. In den 1920er Jahren erlebten die Vereinigten Staaten von Amerika eine Phase der Hochkonjunktur. Massenproduktion und Massenkonsum wurden zum Inbegriff des modernen Kapitalismus amerikanischer Provenienz. Zwischen 1923 und 1929 stiegen die Gewinne der Unternehmer um 65 Prozent, die Einkommen der Arbeiter und Angestellten um über zehn Prozent. Auto, Kühlschrank und Waschmaschine gehörten bald zum Lebensstandard vieler Bürger. Gerade Angehörige des Mittelstandes ließen sich zum Ratenkauf verleiten und lebten weit über ihre Verhältnisse.

Ab Mitte der 20er Jahre begann es in der US-Exportwirtschaft zu kriseln. Viele europäische Länder waren hoch verschuldet und konnten keine amerikanischen Waren mehr aufnehmen. Trotz der Krisensymptome hielt die Euphorie über das Prosperieren des Landes an. Überall schienen die Geschäfte zu blühen, unzählige Amerikaner glaubten sich daran beteiligen zu können. Kredite für Spekulationsgeschäfte waren leicht zu bekommen. Gegen geringe Anzahlungen kauften Makler für ihre Kunden Aktien, die erst aus den zu erwartenden Gewinnen bezahlt werden sollten. Das rege Interesse an Wertpapieren trieb den Kurs vieler Aktien in die Höhe - weit über ihren tatsächlichen Wert.

Im Oktober 1929 brachen die Kurse schlagartig zusammen. Die Makler forderten nun die volle Bezahlung von ihren Auftraggebern. Es kam zu Panikverkäufen, viele Anleger stießen ihre Papiere zu jedem Preis ab. Am 24. Oktober 1929 kollabierte die New Yorker Börse, der Aktienindex sank von 210 auf 30 Punkte. Unzählige Amerikaner verloren ihr Vermögen, konnten ihre Kredite nicht begleichen und rissen diejenigen mit in die Tiefe, die ihnen Geld geliehen hatten. Im ganzen Land wurden Banken, die ihre eigenen Kredite nicht mehr zurückzahlen konnten, zahlungsunfähig und mussten ihre Schalter schließen.

Fassungslos nahmen die Amerikaner zur Kenntnis, dass die Produktionskraft in den vergangenen Jahren die Konsumkraft weit übertroffen hatte. Es folgte ein drastisches Sinken der Kaufkraft, was sich schnell auf die Produktion auswirkte. So ging die Produktion allein in der Autoindustrie um 20 Prozent zurück und die Zulieferindustrie wurde in den Strudel hineingezogen. Landesweite Massenentlassungen waren die Folge, die "große Depression" war da. Im Land des Laissez-faire-Liberalismus, in dem das Prinzip des freien Unternehmertums als unantastbar galt, kannte man keine Arbeitslosenversicherung. Viele Amerikaner verarmten, die Nachfrage sank ebenso wie Löhne und Preise weiter - ein Teufelskreis. Betroffen vom Preisverfall war auch die Landwirtschaft. 1929/30 standen hunderttausende Farmer vor dem Bankrott. Sie mussten ihre Höfe aufgeben und zogen in die Städte, wo sie das Heer der Arbeitslosen vergrößerten. 1932/33 gab es 16 Millionen Arbeitslose in den USA (25 Prozent aller Arbeitnehmer). Die Industrieproduktion war um 50 Prozent geschrumpft, der Welthandel um 30 Prozent. In Teilen der USA hungerten die Menschen.

Vom Börsenkrach zur Weltwirtschaftskrise

Lawinenartig wuchs sich die Wirtschaftskrise der USA zur Weltwirtschaftskrise aus. Weil die Vereinigten Staaten nun selbst Kapitalmangel hatten, forderten die US-Banken ihre Kredite von den europäischen Ländern zurück. Diese konnten, allen voran Deutschland und Österreich, aus Mangel an finanziellen Reserven nicht zahlen. Statt nun durch eine weltweite Zusammenarbeit der Krise entgegenzuwirken, begannen die einzelnen Staaten, Schutzzollmauern zu errichten und die Ausfuhr durch staatliche Maßnahmen zu fördern, während die Einfuhr gedrosselt wurde. Die Folge: Weltweit kam es zur ökonomischen Katastrophe.

Die "Goldenen Zwanziger" (1924-1928)

In den frühen 1920er Jahren war die Weimarer Republik schweren Zerreißproben ausgesetzt. Stichworte sind: Kapp-Lüttwitz-Putsch (1920), Arbeiteraufstand in Mitteldeutschland (1921), Besetzung des Ruhrgebiets durch französische und belgische Truppen, Inflation, Zusammenbruch der deutschen Währung sowie Hitler-Ludendorff- Putsch (1923).

Ab 1924 verbesserten sich die Beziehungen Deutschlands zu den Siegermächten des Ersten Weltkriegs allmählich. Die Stabilisierung der Mark infolge der Währungsreform vom November 1923 leitete eine Neuregelung der Reparationsleistungen ein. Der 1924 unter maßgeblicher Mitwirkung der USA zustande gekommene Dawes-Plan, der die alliierte Politik der Ultimaten und Sanktionen beendete, ging davon aus, dass nur eine stabile deutsche Wirtschaft in der Lage sei, Reparationen an die Sieger des Ersten Weltkriegs zu zahlen. Deutschland sollte Jahresraten von 1-2,5 Milliarden Goldmark entrichten, erhielt aber eine Anleihe von 800 Millionen und war international wieder kreditwürdig. Die Reichregierung bot deutsche Staatsanleihen an. Kapital, darunter hohe Privatkredite vor allem aus den USA, floss ins Land. Das Detroiter Unternehmen General Motors erwarb beispielsweise 1928 die Rüsselsheimer Adam Opel AG. Fabriken wurden modernisiert, die Wirtschaft fasste wieder Tritt. Das Ganze hatte allerdings einen Haken: Es war ein Aufschwung auf Pump, bezahlt mit amerikanischen Dollars. Deutschlands Auslandsverschuldung wuchs: 1929 betrug sie ca. 25 Milliarden Reichsmark gegen 10 Milliarden Auslandsguthaben.

Um 1926 erreichten Reallöhne, Produktions- und Exportzahlen in Deutschland wieder den Vorkriegsstand. Mit der Verbesserung der wirtschaftlichen Verhältnisse nahmen auch die innenpolitischen Spannungen ab. Die Menschen hatten das Gefühl "Wir sind noch einmal davongekommen" und blickten optimistisch in die Zukunft. Bei Wahlen mussten die Radikalen Verluste hinnehmen, Gewinner waren die Parteien der republikanischen Mitte.

Außenminister Gustav Stresemann suchte die Verständigung mit den Westmächten, um die territorialen Bestimmungen des Versailler Vertrags allmählich abzumildern. Im Vertrag von Locarno (1925) akzeptierte Deutschland die Grenzziehung im Westen. Noch im gleichen Jahr stellte das Reich einen Antrag auf Aufnahme in den Völkerbund. Nach diesen Zugeständnissen zeigte Frankreich Entgegenkommen: Nach der Räumung des Ruhrgebiets verließen die französischen Truppen auch die Zone um Köln. Mit der Sowjetunion wurde 1926 der Berliner Vertrag geschlossen, der die Vereinbarungen von Rapallo aus dem Jahr 1922 untermauerte (Verzicht auf gegenseitige Ansprüche aus dem Weltkrieg, diplomatische Beziehungen, Vertiefung der Wirtschaftskontakte, Handelsvergünstigungen). Am 9. September 1926 wurde Deutschland Mitglied des Völkerbunds. Stresemann betonte in seiner Rede den Verständigungswillen des Reiches. Als Lohn für seine Mühen erhielt er zusammen mit seinem französischen Amtskollegen Aristide Briand 1926 den Friedensnobelpreis. Stresemanns Tod im Oktober 1929 hinterließ eine große Lücke in der deutschen Außenpolitik.

In den "Goldenen Zwanzigern" gelangen auch beachtliche sozialpolitische Reformen. So wurde 1927 das Gesetz über die Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung beschlossen. Damit hatte jeder Arbeitslose das Recht auf Unterstützung.

Deutschland im Würgegriff der Weltwirtschaftskrise

1929 wurde die Reparationsfrage erneut verhandelt. Der Young-Plan sah Forderungen in Höhe von 117 Milliarden Goldmark, verteilt auf die kommenden 60 Jahre vor. Obwohl das Vorhaben wegen der sich anbahnenden ökonomischen Turbulenzen nicht durchgeführt wurde, rief es in Deutschland heftige Proteste rechter Gruppierungen hervor.

Die 1929 von den USA ausgehende Krise beendete die Phase der Konsolidierung. Das meist nur kurzfristig gewährte ausländische Kapital wurde aus Deutschland abgezogen, da die Geberländer selbst unter Kapitalmangel litten.

Statt internationaler Kooperation begannen die betroffenen Staaten ihr Heil im Schutz der eigenen Wirtschaft zu sehen. Frankreich und Großbritannien ließen z. B. den Kurs ihrer Währungen gegenüber dem Dollar verfallen (kompetitive Abwertung), um ihren Waren Exportvorteile zu verschaffen. Deutschland hatten die Siegermächte Maßnahmen wie diese untersagt. So wurde die Reichsmark – Gift für die Exportindustrie - gegenüber dem Ausland zunehmend teurer. Weltweit wurden hohe Schutzzollmauern errichtet, die Ausfuhr durch staatliche Maßnahmen gefördert, die Einfuhren hingegen eingeschränkt. Der Welthandel sank.

Um weiter konkurrenzfähig zu bleiben, versuchte die deutsche Industrie die Löhne zu drücken. Doch der Rückgang der Produktion ließ sich nicht stoppen, viele Betriebe mussten still gelegt werden.

Die arbeitslos gewordenen Menschen – mehr als drei Millionen im Jahr 1930 - fielen als Käufer aus. Dadurch sank der Absatz weiter, die Produktion musste erneut gedrosselt werden, die Arbeitslosenzahl stieg und stieg – bis auf über sechs Millionen im Jahr 1932. Zwar hatte der Reichstag 1927 das Gesetz über die Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung beschlossen, doch die Unterstützung reichte nicht zum Leben. Ganze Familien gerieten in tiefe Not.

Schon wegen der fortlaufenden Reparationszahlungen traf die Krise die Verlierer des Ersten Weltkriegs besonders hart. Gerade die deutsche Wirtschaft war vom US-Kapital abhängig. Als immer mehr amerikanische Anleger ihr Kapital abzogen, gerieten die Banken ins Trudeln, das Geld ging ihnen aus. Im Frühjahr 1931 brach in Österreich die Creditbank zusammen, europaweit wurden Geldhäuser in Mitleidenschaft gezogen.

In Deutschland ging im Sommer 1931 die Darmstädter und Nationalbank (Danat) unter. Als herauskam, dass ihr wichtigster Kunde, das 1884 gegründete Bremer Textilunternehmen Nordwolle (Norddeutsche Wollkämmerei und Kammgarnspinnerei) unter der Leitung von G. Carl Lahusen die Bilanzen gefälscht hatte und zahlungsunfähig war, kam auch für die Danat das Aus.

Ihr Chef Jakob Goldschmidt klagte: "Die Nordwolle ist hin, die Danat-Bank ist hin, die Dresdener Bank ist hin, ich bin hin". Mitte 1931 waren Deutschlands Banken außerstande, sich gegenseitig zu helfen. Versuche, die Bankenkrise zu verschleiern und das Danat-Desaster als bedauerlichen Einzelfall darzustellen, scheiterten. Die Sparer gerieten in Panik, ein unkontrollierbarer Sturm auf die Geldhäuser drohte. Um die Lage zu beruhigen, ließ die Reichsregierung die Banken zunächst für drei Tage schließen und legte anschließend ein Rettungspaket auf: Mit ca. einer Milliarde Reichmarksmark wurden die Banken gestützt, der Staat übernahm u. a. Anteile an der Deutschen Bank und der Dresdner Bank, die mit der Danat-Bank verschmolz.

Reichskanzler Heinrich Brüning versuchte die Wirtschaftskrise mit einem strikten Sparkurs zu bewältigen und den Staatshaushalt zu sanieren. Er senkte die Ausgaben und setzte Lohnsenkungen durch. Zudem hoffte er, durch den Nachweis der deutschen Zahlungsunfähigkeit ein Ende der Reparationszahlungen zu erreichen. Immerhin wurden die Reparationszahlungen Ende Juni 1931 durch ein von US-Präsident Herbert Hoover initiiertes Moratorium für ein Jahr ausgesetzt und dann gänzlich eingestellt. Brüning rettete zwar die deutschen Banken, verzichtete aber auf Konjunkturprogramme und Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen.

Immer mehr Unternehmen gingen Pleite, auch Versicherungen und der Warenhauskonzern Karstadt gerieten in finanzielle Bedrängnis.

Zwischen 1929 und 1933

· ging das Bruttosozialprodukt nahezu ein Drittel zurück;
· sank die Produktion in der Textilindustrie um 7, in der Chemieindustrie um 9, in der Metallverarbeitung um 21, in der Metallerzeugung um 28 und im Baugewerbe um 30 Prozent;
· stieg die Zahl der Arbeitslosen von 2 auf über 6 Millionen.

Die Auflösung der Republik

Das Unvermögen der großen Koalition unter Reichskanzler Hermann Müller (SPD), die Krise in den Griff zu bekommen, führte bei großen Teilen der Bevölkerung zu einer Ablehnung des "Systems von Weimar". Die radikalen Parteien, vor allem KPD und NSDAP, erhielten Zulauf.

Am 30. März 1930 wurde der Zentrumspolitiker Heinrich Brüning von Reichspräsident Hindenburg zum Kanzler berufen, obwohl er über keine parlamentarische Mehrheit verfügte. Als der Reichstag das Sparprogramm Brünings ablehnte, löste Hindenburg auf Anraten Brünings das Parlament auf. Von Neuwahlen versprach sich Brüning eine Erweiterung seiner Machtbasis, doch es kam anders. Bei den Wahlen legten Kommunisten und Nationalsozialisten kräftig zu, die NSDAP errang statt der bisherigen zwölf 107 Mandate.

Da Mehrheitsbeschlüsse im Reichstag nun kaum mehr möglich waren, setzen Brüning und Hindenburg auf eine "Gesetzgebung von oben", d.h. ein antiparlamentarisches Präsidialkabinett regierte mit Notverordnungen nach Art. 48 der Weimarer Verfassung. Damit wurde eine verhängnisvolle Entwicklung eingeleitet, die das Ende der Weimarer Republik beschleunigte. Brüning und seine Nachfolger regierten künftig mit Hilfe der Notverordnungen und entmachteten das Parlament. Während der Reichstag 1930 noch 98 Gesetze auf ordentlichem Wege beschloss, waren es 1931 noch 34, 1932 nur mehr fünf. Die Zahl der Notverordnungen stieg hingegen von fünf im Jahre 1930 auf 44 im Jahre 1931 und auf 60 im Jahre 1932. Das Fatale daran: Die Menschen begannen sich an das Regieren ohne Parlament zu gewöhnen.

Während sich die deutsche Linke erbittert bekämpfte - für die Kommunisten um KP-Chef Ernst Thälmann galten die Sozialdemokraten als verabscheuungswürdige "Sozialfaschisten" - kam auf Seiten der Rechten ein Zweckbündnis zustande. Im Oktober 1931 vereinigten sich NSDAP, Deutschnationale Volkspartei, nationalistische Kampfbünde wie die Frontsoldatenvereinigung Stahlhelm und rechtsorientierte Wirtschafts- und Finanzkreise zur Harzburger Front und forderten den Rücktritt Brünings.

Indessen verschärfte sich die Wirtschaftskrise: Die Zahl der Arbeitslosen stieg bis 1932 auf über sechs Millionen.

Durch geschicktes Taktieren gelang es Adolf Hitler 1931/32 zur Schlüsselfigur der Rechten aufzusteigen. Vertreter von Hochfinanz und Industrie sahen in dem schnauzbärtigen antirepublikanischen und antiparlamentarischen "Trommler" ein nützliches Instrument zur Durchsetzung ihrer Interessen. 1932 erklärte Hitler: "Ich habe mir ein Ziel gesetzt: die dreißig Parteien aus Deutschland hinauszufegen!" Brüning fiel währenddessen bei dem im Frühjahr 1932 wiedergewählten 84-jährigen Reichspräsidenten Hindenburg, der mehr und mehr dem Einfluss einer Beratergruppe um seinen Sohn Oskar erlag, in Ungnade. Immer deutlicher wurde nun die Annährung der Regierungspraxis an das undemokratische System der Kaiserzeit. Obwohl kein Misstrauensvotum gegen Brüning vorlag, ernannte Hindenburg im Mai 1932 den erzkonservativen Franz v. Papen, der dem rechten Zentrumsflügel angehörte, zum Reichskanzler. Papen bildete das so genannte "Kabinett der Barone". Er sorgte für die Absetzung der SPD-Regierung in Preußen (auf dem Wege der Notverordnung) und entwickelte Pläne zu einer "Staatsreform", die eine weitgehende Entmachtung des Parlaments sowie eine Wahlrechtsänderung vorsah.

Bei der Juniwahl 1932 stiegen die Mandate der NSDAP von 107 auf 230, die der KPD von 77 auf 89.

General Kurt von Schleicher, der Reichswehrminister, widersetzte sich einer gewaltsamen Durchführung der "Staatsreform" Papens. Nun ernannte Hindenburg Schleicher zum Reichskanzler. Schleicher, selbst ein konservativer Politiker, wagte den Versuch einer "Sammlungspolitik" aller die Republik befürwortenden Kräfte gegen die immer mächtiger werdende, über eine Massenbasis verfügende NSDAP. Der Kanzler wollte er mit Hilfe der Gewerkschaften regieren und sogar den linken Flügel der NSDAP um Gregor Strasser einbinden. Die NSDAP ließ sich jedoch nicht spalten, Schleichers "Sammlungspolitik" scheiterte. Hindenburg entließ ihn und ernannte am 30. Januar 1933 widerstrebend eine "nationale Regierung" - die Regierung Hitler.

Nach dem Machtantritt tat Hitler das, was Reichkanzler Brüning zuvor vehement abgelehnt hatte. Er bekämpfte die Wirtschaftskrise mit einer antizyklischen Konjunkturpolitik und brachte - durchaus erfolgreich - Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen in Gang.

Diese Fragen/Arbeitsaufträge solltest du beantworten/lösen können

Was muss geschehen, dass man von einer Weltwirtschaftskrise spricht?
Warum traf der Crash von New York Deutschland besonders stark?
Beschreibt die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise in Deutschland!
Erläutert den Zusammenhang zwischen Weltwirtschaftskrise und antidemokratischen Einstellungen in Deutschland!

Am 24. Oktober 1929 stürzten an der New Yorker Börse die Kurse ab, die Welt geriet in eine massive Wirtschaftskrise. 2008/09 wurde die Weltwirtschaft erneut erschüttert. Tragt Informationen zu beiden Krisen zusammen.
Hat sich die Geschichte wiederholt?
Wie bekämpfte die Reichsregierung unter Reichkanzler Heinrich Brüning die Krise?
Welche Maßnahmen ergriff die Bundesregierung unter Angela Merkel?

War es in den frühen 30er Jahren schlimmer, arbeitslos zu sein?

Didaktische Hinweise für Lehrer

Lehrplanbezüge (Bayern)


Hauptschule

GSE
8.6 Demokratie und NS-Diktatur
8.6.1 Die Weimarer Republik
- schwindende Akzeptanz der Republik in allen sozialen Schichten
- Aufstieg der NSDAP

Realschule

Geschichte
9.4 Erfolg und Scheitern der Weimarer Republik
Das Scheitern der Republik
- Weltwirtschaftskrise und ihre Folgen
- Radikalisierung, Präsidialregierung und Verfassung, das Versagen der Parteien

Gymnasium

Geschichte
9.1 Weimarer Republik
- die "Goldenen Zwanziger"
- Ende der Weimarer Republik (1929/30-1933): Weltwirtschaftskrise,
Präsidialkabinette 11.2 Demokratie und Diktatur - Probleme der deutschen Geschichte im 20. Jahrhundert
11.2.1 Die Weimarer Republik – Demokratie ohne Demokraten?


94