alpha Lernen - Religion & Ethik


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"Out", aber weiterhin gefährlich Suchtfaktor Zigarette

Die Raucherquote bei Jugendlichen sinkt. Doch für Jubelarien ist es zu früh. Der "blaue Dunst" hat sich noch lange nicht verzogen. Noch immer greifen zu viele zu früh zur Zigarette. Was ist dran am und was ist drin im Nikotin, warum macht es süchtig?

Von: Simon Demmelhuber & Volker Eklkofer

Stand: 27.03.2017

Eine junge Frau raucht eine Zigarette | Bild: BR

Hier lernst du u. a.:

  • die Ursachen, Gefahren und Folgen des Rauchens kennen,
  • wie Sucht entsteht,
  • die Kriterien, ab wann jemand süchtig ist,
  • Suchtmechanismen erkennen und Zusammenhänge zum eigenen Leben herstellen zu können.

Die gute Nachricht zuerst: Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren rauchen laut Erhebung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in den letzten zehn Jahren deutlich weniger: 2001 lag die Raucherquote hier noch bei 27,5 Prozent, 2011 betrug sie 7,9 Prozent und 2015 lag sie sogar (laut der Drogenaffinitätsstudie der BZgA von 2015) nur noch bei 9,6 Prozent– der bisher niedrigste Wert. Umgekehrt greifen immer weniger Jugendliche überhaupt zur Zigarette.

Die Gefahr bleibt bestehen - Sucht hat mit Suchen zu tun

Trotzdem birgt der "blaue Dunst" ein erhebliches Suchtpotenzial. .Eine Psychologin erklärt, warum Jugendliche überhaupt rauchen: "Um ihre Sehnsucht nach Liebe, Geborgenheit und einem schönen erlebnisreichen Leben zu stillen, brauchen manche das Vehikel der Sucht. Sie übersehen dabei, dass Sucht nur Ersatz und nicht das Echte ist. "

Das Problem geht alle an

Wegsehen ist keine Lösung. Suchtexzesse ziehen stets persönliche wie auch familiäre Tragödien nach sich und treffen das gesamte Umfeld eines Opfers. Sucht ist daher kein privates, sondern ein öffentliches, ein gesellschaftliches Problem. Auch deshalb, weil die Suchtfolgeerkrankungen gravierende volkswirtschaftliche Schäden verursachen, die zum Handeln drängen.

Das Verlangen entsteht im Kopf

Aber was ist eigentlich Sucht? Wie entsteht sie?

Sucht, darin sind sich die Experten mittlerweile einig, ist ein Zusammenwirken biologischer, psychischer und sozialer Komponenten. Ein wesentlicher Faktor ist die Verhaltenssteuerung durch ein hochkomplexes Motivations- und Belohnungssystem in den vorderen Hirnabschnitten. Als eigentlicher Motor des Suchtkreislaufs gilt der Botenstoff Dopamin. Rauschmittel und Drogen wie Nikotin, Alkohol oder Heroin erhöhen den Dopaminspiegel im Gehirn. Die vermehrte Ausschüttung wird als beglückend, ja euphorisierend empfunden und setzt einen Teufelskreis in Gang. Das schleichend "umprogrammierte" Belohnungszentrum verlangt nach möglichst häufigen Wiederholungen des drogeninduzierten Glückserlebnisses, braucht aber immer höhere Dosen in immer kürzerer Folge, um das erstrebte Gefühl zu erreichen. Bleibt die Drogenzufuhr aus, sinkt der Dopaminspiegel und löst körperliche, schmerzhafte Entzugserscheinungen aus.

Erlernte Abhängigkeit

Neuste Forschungen erhärten zudem die Vermutung, dass die Abhängigkeit von Drogen maßgeblich durch Lernprozesse gesteuert wird. Umfangreiche Versuchsreihen zeigten, dass bereits Bilder bzw. Werbebotschaften ein körperliches Verlangen nach Alkohol, Nikotin oder anderen Substanzen auslösen und im Hirn abspeichern.

Zahlen und Fakten zum Tabakkonsum in Deutschland

Jährlich sterben in Deutschland etwa 110.000 Menschen an den direkten Folgen des Rauchens. Zusätzlich ist von etwa 3.300 Todesfällen durch Passivrauchen auszugehen. Durchschnittlich verlieren starke Raucher über zehn Jahre ihrer Lebenserwartung. Mehr als die Hälfte aller regelmäßigen Raucher stirbt vorzeitig. Rauchen ist das größte vermeidbare Gesundheitsrisiko unserer Zeit und wesentliche Ursache für vorzeitige Sterblichkeit. Für die Gesundheitspolitik ist es daher ein vorrangiges Anliegen, den Tabakkonsum zu verringern, was in den vergangenen Jahren mit verschiedenen Präventionsmaßnahmen verfolgt wurde. Auch in der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung ist die Reduzierung der Raucherquote als prioritäres Präventionsziel aufgeführt.

Nach den Daten des Statistischen Bundesamts (Destatis) gab in Deutschland 2013 jede vierte Person ab 15 Jahren an, zu rauchen (25 %). Während die Zahl bei den Männern seit 1995 um 7 Prozent gesunken ist, ist sie bei den Frauen nahezu unverändert geblieben (nur minus zwei Prozent).

Ebenso rückläufig ist die Zahl der jugendlichen Raucher. 2015 rauchten nur 7,8 Prozent der 12 bis 17-Jährigen (s.o.). Das von der Bundesregierung anvisierte Ziel, die Raucherquote bei den Jugendlichen bis 2015 unter 12 Prozent zu drücken, wurde damit leicht erreicht.

Die Bundesregierung wie auch die Bundesländer haben in den letzten Jahren eine Reihe von Maßnahmen zur Verhaltens- und Verhältnisprävention eingeleitet, wie die "rauchfrei"- Kampagne und Regelungen zum Jugend und Nichtraucherschutz.

Diese Maßnahmen haben in ihrer Gesamtheit deutliche Erfolge gezeigt. Rauchen liegt bei den meisten Jugendlichen heute nicht mehr im Trend. Damit sie weiterhin erst gar nicht mit dem Rauchen beginnen, müssen die bisherigen Anstrengungen in der Tabakprävention im gleichen Umfang fortgesetzt werden. Des Weiteren muss die Prävention die Gruppe der jungen Erwachsenen mehr in den Blick nehmen, um die Raucherzahlen auch unter den Erwachsenen nachhaltig zu senken.

Blauer Dunst und Lungenkrebs

Tabakrauch ist ein komplexes Giftgemisch aus über 4800 Substanzen, die überwiegend erst beim Verbrennen des Tabaks entstehen. Mindestens 250 dieser Substanzen sind giftig oder krebserzeugend (kanzerogen). Da bereits geringste Mengen Tabakrauch krebserzeugend sind, gibt es keine Menge, die unschädlich wäre.

Suchterzeugende Wirkung

Der für den Tabakkonsum entscheidende Inhaltsstoff des Tabaks ist das tabakspezifische Alkaloid Nikotin. Es wirkt entspannend bei Nervosität und regt bei Müdigkeit an und – der entscheidende Punkt – es macht abhängig. Rund 50 bis 60 Prozent der regelmäßigen Raucher sind nikotinabhängig.

Zusatzstoffe für Tabakerzeugnisse

Die Tabakindustrie setzt ihren Produkten bis zu 600 Zusatzstoffe zu – offiziell, um dem Tabakrauch die Schärfe zu nehmen und seinen Geschmack zu verbessern. Sie erhöhen aber auch das Suchtpotential, erleichtern Jugendlichen den Einstieg ins Rauchen und können sich bei der Verbrennung in giftige und krebserzeugende Substanzen umwandeln.

So erhöht beispielsweise der Zusatz von Ammoniumverbindungen, die in der Glutzone Ammoniak freisetzen, über eine Veränderung des pHWerts die Menge an freiem Nikotin im Tabakrauch. Dadurch ist das Nikotin besser verfügbar, wird im Atemtrakt schneller aufgenommen, erreicht das Gehirn rascher und wirkt auch deutlich intensiver.

Rauchen und Passivrauchen

Rauchen ist neben mangelnder Bewegung und ungesunder Ernährung einer der wichtigsten Risikofaktoren für chronische, nicht übertragbare Krankheiten wie Herz-Kreislauferkrankungen, chronische Atemwegserkrankungen, Krebs und Typ 2 Diabetes. In Deutschland sterben jedes Jahr 110 000 bis 140 000 Menschen an den Folgen des Rauchens.

Rauchen schädigt nahezu jedes Organ des Körpers. Besonders stark betroffen sind die Atemwege und das Herz-Kreislaufsystem: Rauchen verursacht bis zu 90 Prozent aller Lungenkrebsfälle und ist die bedeutendste Ursache für die Entwicklung chronischer Lungenerkrankungen. Raucher haben außerdem ein mehr als doppelt so hohes Risiko wie Nichtraucher, an einer Herz- Kreislaufkrankheit zu erkranken. Zudem haben Raucher ein doppelt so hohes Risiko für Schlaganfälle wie Nichtraucher.

Daneben erzeugt das Rauchen zahlreiche weitere Krebsarten und schädigt die Augen, die Zähne, den Verdauungstrakt, das Skelett, die Geschlechtsorgane und die Fruchtbarkeit.

Rauchen verkürzt das Leben um durchschnittlich 10 Jahre. Mehr als die Hälfte aller regelmäßigen Raucher stirbt vorzeitig an den Folgen ihres Tabakkonsums. Die Hälfte dieser tabakbedingten Todesfälle ereignet sich bereits im mittleren Lebensalter zwischen 35 und 69 Jahren. Nur 58 Prozent der Raucher erreichen das siebzigste Lebensjahr und sogar nur 26 Prozent das achtzigste Lebensjahr, demgegenüber werden 81 Prozent der Nichtraucher 70 Jahre und 59 Prozent 80 Jahre alt.

Atemwegs- und Lungenerkrankungen

Die Atemwege und die Lunge werden durch das Rauchen massiv geschädigt. So sind rund 85 Prozent der Lungenkrebsfälle eine Folge des Rauchens. Auch die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (engl. chronic obstructive pulmonary disease, Abk. COPD) entsteht fast ausschließlich durch Rauchen. Unter dem Begriff COPD werden mehrere Krankheiten zusammengefasst, die alle dieselben Symptome zeigen: Husten, vermehrter Auswurf und Atemnot. Die Beschwerden nehmen im Krankheitsverlauf an Häufigkeit und Stärke zu, und ab einem bestimmten Stadium sind die krankhaften Veränderungen des Lungengewebes nicht mehr heilbar.

Überproportional gefährdet sind vor allem rauchende Frauen: Sie haben ein drei bis viermal größeres Risiko, an einer COPD zu erkranken, als rauchende Männer.

Krebserkrankungen

Krebs ist in Deutschland nach Herz-Kreislauferkrankungen die häufigste Todesursache. Rauchen ist der größte einzelne und vermeidbare Risikofaktor für die Krebsentstehung.

Krebserzeugende Stoffe im Tabakrauch

Tabakrauch enthält über 70 Substanzen, die von führenden nationalen und internationalen Organisationen und Expertengremien als krebserzeugend oder mit hoher Wahrscheinlichkeit als krebserzeugend eingestuft wurden. Die krebserzeugenden Substanzen können das Erbgut (DNA) schädigen. Infolge der DNA-Schäden können die Zellen entarten und zu Krebszellen werden.

Ein deutlicher Zusammenhang zwischen Rauchen und Krebs besteht bei:

• Lungenkrebs,
• Krebs im Mund-, Nasen- und Rachenraum,
• Kehlkopfkrebs,
• Krebs der Leber, Bauchspeicheldrüse, Niere und Harnblase sowie bei Brust- und Gebärmutterhalskrebs
• bestimmten Formen der Leukämie.

Besonders problematisch ist der Lungenkrebs. Diese Krebsart ist nur sehr schwer behandelbar: 90 Prozent der Patienten sterben innerhalb weniger Jahre, nachdem die Krankheit festgestellt wurde. Bis zu 90 Prozent der Todesfälle infolge von Lungenkrebs lassen sich auf das Rauchen zurückführen.

Herz-Kreislauf-System

Raucher haben ein um 65 Prozent höheres Risiko für einen Herzinfarkt als Nichtraucher.Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems – Bluthochdruck, Herzinsuffizienz, Herzinfarkt, Krankheiten der Blutgefäße in Körper und Gehirn sowie Schlaganfall – gehören zu den häufigsten Todesursachen. Die wichtigsten vermeidbaren Ursachen für Herz-Kreislaufkrankheiten sind mangelnde Bewegung, eine ungesunde Ernährung und vor allem das Rauchen.

Mundgesundheit

Rauchen ist ein bedeutender Risikofaktor für Erkrankungen des Zahnhalteapparates, führt darüber auch zu Zahnausfall und verursacht Krebs im Mund- und Rachenraum. Rauchen verschlechtert die Durchblutung im Mundraum. Besonders tückisch ist dabei, dass Rauchen das Zahnfleischbluten unterdrückt, welches ein typisches Zeichen einer Parodontitis und ein Warnhinweis für die Erkrankung ist. Die Betroffenen merken dadurch lange Zeit nichts von den destruktiven Vorgängen.

Mehr als 70 Prozent der Zahnarztpatienten mit dieser chronisch verlaufenden Parodontalerkrankung sind Raucher, denn Raucher haben gegenüber Nichtrauchern ein etwa fünf- bis sechsfach höheres Risiko für diese Erkrankung. Dabei ist das Erkrankungsrisiko umso höher, je mehr und je länger geraucht wird: Starke Raucher, die über 20 Jahre lang mehr als 20 Zigaretten pro Tag rauchen, haben sogar ein 20-fach höheres Erkrankungsrisiko.

Raucher haben im Vergleich zu Nichtrauchern deutlich mehr erkrankte und tiefere Zahnfleischtaschen, einen größeren den Zahn umgebenden Knochen- und Bindegewebsverlust und höheren Zahnverlust. Der Behandlungserfolg einer zahnärztlichen Parodontitistherapie ist bei Rauchern im Vergleich zu Nichtrauchern deutlich schlechter, sodass die meisten Behandlungsmisserfolge bei Rauchern auftreten.

Raucher haben ein deutlich höheres Risiko für Krebs der Mundhöhle, des Kehlkopfes, des Rachens und der Speiseröhre als Nichtraucher. Bis zu 90 Prozent der Tumore an Organen, die direkt mit dem Tabakrauch in Verbindung kommen, entstehen nur durch das Rauchen. So haben rauchende Männer im Vergleich zu Nichtrauchern ein 27-fach erhöhtes Risiko für Mundhöhlenkrebs und rauchende Frauen ein rund 5- fach erhöhtes Risiko. Das Risiko für Kehlkopfkrebs ist bei rauchenden Männern rund 10-fach und bei rauchenden Frauen rund 18-fach erhöht. Alkohol erhöht das Krebsrisiko noch mehr: Die meisten Fälle von Kehlkopfkrebs entstehen durch den gleichzeitigen´Konsum von Tabak und Alkohol. Krebserkrankungen der Mundhöhle und des Rachens sind gefährlich: Sie sind bei Männern die sechsthäufigste Krebstodesursache.

Hautschäden und Wundheilung Tabakrauch schadet der Haut gleich mehrfach: Er beschleunigt die Hautalterung, beeinträchtigt die Wundheilung und fördert die Entstehung verschiedener Hautkrankheiten.

Rauchen lässt die Haut vorzeitig altern und beschleunigt die Faltenbildung. Je länger geraucht wird, umso schneller altert die Haut – bei Frauen sogar noch mehr als bei Männern. So ist die Haut von Rauchern, die 20 Zigaretten pro Tag konsumieren, bereits im mittleren Lebensalter um zehn Jahre mehr gealtert als bei Nichtrauchern.

Rauchen fördert die Entstehung verschiedener Hautkrankheiten, darunter auch bösartiger Tumore. Mit dem Tabakrauch gelangen zahllose giftige Substanzen in den Körper, die auch die Gesundheit der Haut beeinträchtigen können. Daher haben Raucher ein erhöhtes Risiko für verschiedene Hautkrankheiten.

Akne und Schuppenflechte

So leiden Raucher wesentlich häufiger als Nichtraucher an Akne: 41 Prozent der Raucher haben Akne, aber nur 25 Prozent der Nichtraucher. Dabei ist die Akne umso stärker, je mehr geraucht wird. Für eine besondere Form der Akne, die Akne inversa, ist das Rauchen sogar höchstwahrscheinlich ein entscheidender Auslöser.

Auch an der Schuppenflechte (Psoriasis) erkranken Raucher häufiger als Nichtraucher. Raucher leiden auch häufiger als Nichtraucher am palmoplantaren Ekzem (Pustulosis palmoplantaris), bei dem an Händen und Füßen Pusteln entstehen, die später abschuppen. Raucher mit palmoplantarem Ekzem sprechen auch besonders schlecht auf eine Behandlung an.

Das Rauchen unterdrückt möglicherweise das Immunsystem und fördert so die Entstehung von hochgradig bösartigem schwarzen Hautkrebs (malignes Melanom), von epithelialen Tumoren der Haut und der angrenzenden Schleimhäute sowie von Infektionen mit dem Humanen-Papilloma- Virus (HPV), die meist gutartig verlaufen und Warzen bilden; aber sie können auch Gebärmutterhalskrebs verursachen.

Quelle: Die Informationen fußen auf verschiedenen Publikationen des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg.

Tabakkonsum und Abhängigkeitsentwicklung bei Jugendlichen

"Abhängigkeitsentwicklung, Wirkung und Randbedingungen des Tabakkonsum von Jugendlichen"

Verfasser: Wolfgang Hannöver, Jochen René Thyrian und Ulrich John. Quelle "Fünftes Bayerisches Forum Suchtprävention der Landeszentrale für Gesundheit in Bayern e.V.

Nikotin ist durch seine Struktur in der Lage, an entsprechenden neuronalen Rezeptoren (nikotinerge Rezeptoren) anzudocken. Nikotinerge Rezeptoren finden sich im wesentlichen im Limbischen System, dem “Belohnungszentrum” des Gehirns. Dort ruft das Nikotin eine positive Gestimmtheit hervor. Diese durch das Nikotin hervorgerufene positive Stimmung wirkt im Sinne einer klassischen Konditionierung, d.h. die Zigarette oder der Geschmack des Tabakrauchs allein lösen nach einer Weile diese physiologische Reaktion aus. Durch weitere Generalisierung auf bestimmte Hinweisreize im Zusammenhang mit dem Tabakrauchen (zeiträumliche Nähe zu bestimmten Situationen oder Tätigkeiten) entstehen weitere Koppelungen zwischen den erlebten positiven Reaktionen und dem Tabakkonsum, d.h. nicht allein der Anblick einer Zigarette oder der Geschmack des Tabakrauchs, sondern die Situation, in der oft geraucht wurde, etwa nach einer Mahlzeit, reicht aus, um diese Reaktion hervorzurufen.

Durch den zunehmenden Konsum erhöht sich Anzahl der nikotinergen Rezeptoren im Hirn, so dass größere Mengen nötig sind, um diesen Effekt hervorzurufen. Dies führt zu einer Gewöhnung (Habituation) des Organismus an das Nikotin und die positive Wirkung des Nikotins bleibt aus. In der Folge stellen sich Entzugssymptome ein, wenn die nikotinergen Rezeptoren nicht ausreichend versorgt werden. Durch die neue Zufuhr von Nikotin vermindert sich die Entzugssymptomatik und eine vermeintliche Besserung des Befindens stellt sich ein. Die aus dem Rauchen resultierende positive Gestimmtheit entstammt jedoch im Wesentlichen der Reduktion der Entzugssymptome.

Nikotin ist ein hochpotentes Nervengift. Alleine der Nikotingehalt einer Zigarre kann einen männlichen Erwachsenen vergiften. Jedoch keine Konsumform des Tabaks (Schnupfen, Kauen oder Rauchen), verabreicht dem Körper Nikotin in so hohen Dosen. In den aufgenommenen Mengen wirkt Nikotin auf den Organismus mit einer Erhöhung der Aufmerksamkeitsleistung, der Gedächtnisleistung und der psychomotorischen Leistungsfähigkeit. Weiterhin nehmen unter Nikotin die Stresstoleranz und die Muskelentspannung zu. Ferner wirkt Nikotin appetitzügelnd.

Prädiktoren für den Einstieg und aufrechterhaltende Faktoren

Eine Vielzahl von empirischen Untersuchungen beschäftigt sich mit der Frage, was dazu führt, dass Jugendliche mit dem Rauchen anfangen und warum sie dabei bleiben. Über diese Vielzahl von Untersuchungen hat sich ein Bündel von sechs Faktoren für den Einstieg in das Tabakrauchen und dessen Aufrechterhaltung stabil gezeigt. Für den Einstieg sind dies:

1. Verhalten von Eltern und Erwachsenen im engeren sozialen Umfeld: dies ist der wichtigste Prädiktor für einen Einstig in das Tabakrauchen. Familien, in denen Eltern und andere Erwachsene aus dem engen Umfeld nicht rauchen, bringen weniger Raucher hervor, als Familien, in denen geraucht wird.
2. Alter: je jünger Personen mit dem Rauchen beginnen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie weiterhin Rauchen. 3. Schichtzugehörigkeit: das Tabakrauchen ist in den unteren sozialen Schichten verbreiteter als in den höheren. Entsprechend nehmen auch mehr Kinder und Jugendliche aus den unteren sozialen Schichten das Rauchen auf.
4. Unvollständige Familiensituation: Kinder und Jugendliche, die ohne einen der beiden Elternteile aufwachsen, beginnen häufiger mit dem Rauchen als Kinder aus vollständigen Familien.
5. Mangelnde Zuwendung: Kinder, die nicht im ausreichendem Maß Zuwendung durch ihre primären Bindungspersonen oder andere Personen bekommen, beginnen ebenfalls öfter mit dem Rauchen.
6. Familiäre Schwierigkeiten: Kinder, die familiäre Konfliktsituationen (z.B. Ehekrise oder Scheidung) erleben, beginnen häufiger mit dem Rauchen, als Kinder, bei denen dies nicht der Fall ist.

Je früher eine Raucherkarriere beginnt, desto schwieriger ist der Ausstieg

Für die Aufrechterhaltung des Rauchverhaltens gibt es im Wesentlichen drei Faktoren, die sich über eine Vielzahl von Studien hinweg stabil gezeigt haben. Diese überschneiden sich zum Teil mit den vorgenannten Faktoren. Für das Aufrechterhalten des Rauchens sind dies:

1. Das Verhalten von Erwachsenen im engeren sozialen Umfeld: ebenso wie bei der Aufnahme des Rauchverhaltens spielt auch bei der Aufrechterhaltung das Verhalten der Erwachsenen in der nächsten sozialen Umgebung eine entscheidende Rolle. In sozialen Situationen, in denen geraucht und Rauchen als akzeptiertes Verhalten wahrgenommen wird, fällt der Ausstieg deutlich schwerer.
2. Alter: je früher der Einstieg in das Tabakrauchen vonstatten ging, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Rauchverhalten auch weiterhin aufrechterhalten wird.
3. Soziale Schicht: Angehörige der unteren sozialen Schichten beginnen nicht nur häufiger mit dem Rauchen, sie behalten es auch häufiger bei.

Sucht und Suchtprävention

"Die Förderung von Lebenskompetenz als zentrale Aufgabe der Suchtprävention"

Ein Interview mit Elisabeth Seifert, Geschäftsführerin der Aktion Jugendschutz, Landesarbeitsstelle Bayern e.V.. Einer ihrer Arbeitsschwerpunkte ist die Suchtprävention. Dazu entwickelt Aktion Jugendschutz u.a. praxisorientierte Materialien zur Suchtprävention, die sich für den Einsatz in Jugendarbeit, Jugendhilfe und Schule eignen. Als ehemalige Fachreferentin verfügt Elisabeth Seifert über langjährige praktische Erfahrungen bei der Umsetzung suchtpräventiver Ansätze.

Politik und Gesellschaft setzen bei der Bekämpfung der Suchtproblematik gerne auf die Wirkung einer möglichst drastischen Abschreckung durch warnende Bilder und Beispiele. Was Sie von diesem Konzept?

Elisabeth Seifert: Ehrlich gesagt, gar nichts. Aufgrund unserer Erfahrung hat sich gezeigt, dass Abschreckung im Bereich der Suchtprävention nicht funktioniert. Denn erstens bewirkt Abschreckung allenfalls eine kurzfristige Verhaltens- und Einstellungsveränderung. Man kann diesen Effekt übrigens sehr gut an einem Beispiel aus dem Alltagsbereich erläutern: Jeder, der mit hoher Geschwindigkeit auf der Autobahn fährt und an einem Unfall vorbei kommt, geht zunächst automatisch runter vom Gas. Schon nach kurzer Zeit ist dieses Erlebnis vergessen, man fährt wieder genau so schnell wie vorher.

Ein zweiter Grund sind oftmals lebensferne Risikoprognosen. Ein gutes Beispiel dafür ist die Abbildung einer Raucherlunge oder eines Herointoten auf der Bahnhofstoilette. Solche drastischen Darstellungen haben mit der Alltagswelt des Betrachters wenig zu tun. Das ist viel zu weit weg von der Realität. Gerade Jugendliche strotzen vor Kraft und Gesundheit, da ist das Raucherbein oder die Raucherlunge eines Sechzigjährigen so weit weg von der eigenen erlebten Realität, dass sie solche Konsequenzen nicht mit sich in Verbindung bringen. Ein dritter Grund ist in bester Absicht überzogene Gefahrendarstellung. Da Jugendliche im Allgemeinen sehr gut über Drogen informiert sind, macht man sich durch solche Übertreibungen einfach nur absolut unglaubwürdig.

Suchtprävention funktioniert also nur, wenn sie an der konkreten Lebenssituation des Gegenübers andockt? Der pädagogische Zeigefinger bewirkt da wohl eher das Gegenteil?

Ja. Nehmen Sie alleine nur das Thema Rauchen. Ein Jugendlicher fühlt sich nicht durch das Thema Herzinfarkt angesprochen. Dafür wird er schon sehr viel eher hellhörig, wenn fürchten muss, beim Küssen schlecht aus dem Mund zu riechen oder gelbe Nikotinfinger zu bekommen.

Hat die Drogenaufklärung alter Schule damit ausgedient?

Ich denke, sie hat nicht ausgedient, denn Information hat nach wie vor einen Stellenwert. Letztendlich aber geht es beim Thema Sucht und Drogen nie allein darum, über Wirkungsweisen zu sprechen. Wichtiger ist das Gespräch über die Funktionen von Sucht: Was steckt dahinter, um welche Suche geht es, wofür stehen bestimmte Substanzen, was will der Konsument damit vermeiden, was will er für sich gewinnen.

Welche alternativen Konzepte haben sich bewährt? Was haltes Sie für sinnvoll, um wirksam gegen die Drogengefahr vorzugehen?

Es gibt einige Kriterien, anhand derer wir festmachen können, wann Suchtprävention wirksam ist. Zuerst muss Suchtprävention möglichst frühzeitig anfangen, am besten bereits im Kindergarten und danach die gesamte Schulzeit begleiten. Dann darf sie keine Einmalveranstaltung bleiben, sie muss kontinuierlich sein. Drittens hat es sich als sinnvoll erwiesen, mit der Methode der Lebenskompetenzförderung zu arbeiten. Darunter verstehen wir die u.a. Stärkung der Konfliktfähigkeit, der Kommunikationsfähigkeit, der Selbstsicherheit und des Umgangs mit Gefühlen. Auf einen kurzen Nenner gebracht geht es dabei um Kompetenzen, die helfen, anstehende persönliche und soziale Lebensprobleme besser zu bewältigen. Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe von Programmen, die auf diesem Konzept der Lebenskompetenz basieren und speziell auch im schulischen Bereich ansetzen.

Ist diese Stärkung der Lebenskompetenz angesichts überfüllter Klassen und gedrängter Lehrpläne ein realistischer Ansatz oder wird die Schule dadurch nicht hoffnungslos überfordert?

Ich denke, dass wir alle einen Beitrag zur Suchprävention leisten können. Man kann diese Aufgabe natürlich nicht der Schule alleine überlassen, das Elternhaus ist genau so gefordert. Ebenso müssen Freizeiteinrichtungen für Jugendliche Angebote zur Suchtprävention machen. Aber auch die Schule kann einen wichtigen Beitrag leisten, selbst wenn strukturelle Rahmenbedingungen oft schwierig sind. Bewährt haben sich z.B. der Einsatz von Schülermultiplikatoren, die Erarbeitung von Suchtvereinbarungen in der Schule oder die Durchführung von Programmen wie ALF, Erwachsen werden u.a.

Bleibt es in der Suchtprävention bei gut gemeinten aber letztlich hilflosen Versuchen, oder gibt es tatsächliche Erfolge?

Gerade angesichts der hohen Zahlen von Nikotin- oder Alkoholsüchtigen die wir in unserer Gesellschaft haben, ist es umso wichtiger, präventive Angebote zu machen. Ohne Prävention würden diese Zahlen unweigerlich in die Höhe schnellen. Zudem bestätigen Forschungsergebnisse zur Suchtprävention bestätigen die Wirksamkeit. Notwendig sind dazu aber die Berücksichtigung von Kriterien wie Geschlechtsspezifik, Ursachenorientierung, Langfristigkeit.

Suchtprävention ist also keine Alibimaßnahme sondern ein Modell mit Erfolgschancen?

Ja, auf alle Fälle. Entscheidend ist dabei jedoch, dass Suchtprävention immer mit konkreten kommunikativen Angeboten verknüpft sein muss, die bezogen auf die Schule sowohl Eltern als auch Lehrkräfte und Schülerinnen bzw. Schüler einbindet. Natürlich spielen auch strukturelle Rahmenbedingungen wie rauchfreie Räume oder gesellschaftliche Rahmenbedingungen wie Werbeverbote oder die Preisgestaltung von Suchtmitteln eine Rolle.

Damit solche kommunikativen Angebote wirksam werden, muss man aber zunächst erst einmal die Schülerinnen und Schüler erreichen. Wie stellt man das an?

An erster Stelle steht immer die Neugier der Lehrerinnen und Lehrer auf die Lebenswelt oder die Erfahrungen von Jugendlichen. Dabei geht es nicht darum, sich bei den Jugendlichen anzubiedern und in eine pseudolockere, flapsige Jugendsprache zu verfallen. Was zählt, ist tatsächlich ein echtes, glaubhaftes Interesse an der konkreten Situation und den konkreten Erfahrungen des jeweiligen Gegenübers.

Welche konkreten Hilfestellungen kann die Aktion Jugendschutz anbieten?

Wir stellen einen breit gefächerten Materialdienst zur Verfügung, der abgerufen werden kann. Dazu zählen insbesondere zielgruppen- und bedürfnisorientierte Anregungen zur methodischen Unterstützung für die Arbeit mit Jugendlichen. Unser Leitgedanke ist dabei immer, die Jugendlichen zu einer aktiven, selbstreflexiven Auseinandersetzung mit der Thematik. Aufgrund ihrer aktionsorientierten Ausrichtung können diese Hilfestellungen gut in den Unterricht integriert werden. Sucht-Beratungen im konkreten Einzelfall können wir dagegen aus personellen Gründen nicht anbieten. Bei solchen Anfragen vermitteln wir aber zuständige örtliche Beratungsstellen.

Sucht und Abhängigkeit - was ist das eigentlich?

Drogen, Alkohol, Arbeit, Sex, Internet, Glücksund Ballerspiele und, und, und. Es scheint, als hätte die Sucht weite Teile der Gesellschaft im Griff und als gebe es nichts, das nicht süchtig machen könnte. Aber was ist eigentlich Sucht, wie entsteht sie und warum ist es so schwer, aus der Abhängigkeitsspirale auszusteigen?

Sucht – ein multikausales Debakel

Suchterkrankungen sind ein multikausales Phänomen, das aus dem Zusammenwirken biologischer, psychischer und sozialer Komponenten entsteht. Was die Abhängigkeit von unterschiedlichsten Suchtstoffen auslöst und welche Mechanismen dabei wirksam werden, ist erst in Anfangszügen erforscht. Neben anderen Stellen versucht das „Interdisziplinäre Zentrum für Suchtforschung“ der Psychiatrischen Universitätsklinik Würzburg die Wissens- und Methodenlücken zu schließen.

Wann spricht man von Abhängigkeit?

Ausgehend von den Ergebnissen interdisziplinärer Untersuchungen haben die Würzburger Forscher einen Kriterienkatalog entwickelt, der dabei hilft, Suchtverhalten zu diagnostizieren.

Als maßgebliche Indikatoren gelten:

• das unwiderstehliches Verlangen nach einer Substanz
• der zunehmende Kontrollverlust über die Dosis
• körperliche Entzugssyndrome bei einer Reduzierung der Substanzufuhr
• eine Toleranzentwicklung (steigender Dosisbedarf um dieselbe Wirkung zu erzielen)
• ein anhaltender Konsum trotz eindeutig schädlicher Folgen
• die Einengung des Verhaltens auf den Substanzgebrauch (andere Interessen treten in den Hintergrund).
Von Abhängigkeit spricht die Suchtforschung bereits dann, wenn drei dieser Kriterien über ein Jahr hinweg auf eine Person zutreffen.

Sucht entsteht im Kopf

Im Vordergrund der konzertierten Forschung steht die Verhaltenssteuerung durch ein hochkomplexes Motivations- und Belohnungssystem in den vorderen Hirnabschnitten und im Nucleus accumbens, einer Kernstruktur des unteren Vorderhirns. Als wesentlicher Akteur des Belohnungssystems und eigentlicher Motor des Suchtreislaufs konnte der Botenstoff Dopamin identifiziert werden. Rauschmittel und Drogen wie Nikotin, Alkohol oder Heroin erhöhen den Dopaminspiegel im Gehirn. Die vermehrte Ausschüttung wird als beglückend, ja euphorisierend empfunden und setzt einen Teufelskreis in Gang. Das schleichend „umprogrammierte“ Belohnungszentrum verlangt nach möglichst häufigen Wiederholungen des drogeninduzierten Glückserlebnisses, braucht aber immer höhere Dosen in immer kürzerer Folge, um das erstrebte Gefühl zu erreichen. Bleibt die Drogenzufuhr aus, sinkt der Dopaminspiegel und löst körperliche, schmerzhafte Entzugserscheinungen aus.

Die Suche nach dem verlorenen Glück

Eine wesentliche Rolle spielt dabei die Ausbildung des so genannten Suchtgedächtnisses. Dabei koppelt das Gehirn Sucht auslösende Reize, wie etwa den Anblick oder Geruch eines Suchtmittels mit der Erfahrung eines erhöhten Dopaminspiegels. Weil das Suchtgedächtnis dazu beiträgt, erlernte Glücksziele immer erstrebenswerter erscheinen zu lassen, steigt der Zwang, eine Droge einzunehmen oder ein bestimmtes Verhalten zu zeigen.

Ein weiterer Faktor sind physiologische Veränderungen im Gehirn, die das Suchtverhalten als echte Krankheit qualifizieren. Eine Reihe von Studien konnte belegen, dass der vordere Gehirnbereich (präfrontaler Cortex) bei Alkoholikern weniger durchblutet ist als bei nicht süchtigen Menschen.

Toleranzentwicklung steigert die Sucht

Bislang noch unzureichend geklärt ist die Frage, welche Mechanismen die Suchtentstehung sowie das Phänomen der Rückfälligkeit auslösen. Um die Zusammenhänge besser zu verstehen, haben Neurogenetiker untersucht, wie sich Alkoholtoleranz entwickelt und welche Rolle die genetische Veranlagung dabei spielt. Die Ergebnisse legen den Schluss nahe, dass sich die Neuronen des Gehirns durch die ständige Zufuhr Sucht auslösender Substanzen verändern und dabei eine zunehmende Toleranz entwickeln. Am Ende dieses schleichenden Prozesses ist eine "normale" Hirnfunktion nur noch unter Alkohol möglich, weshalb die zugeführten Dosen ständig steigen. Darüber hinaus konnten Wissenschaftler zahlreiche Hinweise dafür sammeln, dass die Wahrscheinlichkeit einer Sucherkrankung auch genetisch gesteuert ist.

Erlernte Abhängigkeit

Eine weitere Forschungsgruppe versuchte zu klären, welche Rolle Umweltreize bei der Suchtentwicklung und –stabilisierung spielen. Die Untersuchungen erhärten die Vermutung, dass die Abhängigkeit von Drogen wie Nikotin und Alkohol maßgeblich durch Lernprozesse gesteuert wird. Umfangreiche Versuchsreihen, die Lidschlussreflexe als Indikator für die emotionale Akzeptanz oder Ablehnung suchtbezogener Reize nutzen, zeigten, dass bereits Bilder bzw. Werbebotschaften ein körperliches Verlangen nach Nikotin auslösen und im Gehirn abspeichern.

Sucht ist stets Krankheit

Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) wurde bereits 1947 gegründet, um allen in der Suchtkrankenhilfe bundesweit tätigen Verbänden und gemeinnützigen Vereinen eine Plattform zu geben. In mehreren Positionspapieren und Informationsbroschüren kreist die DHS das Wesen der Abhängigkeit aus mehreren Blickwinkeln ein.

Was ist Sucht?

• Sucht ist in erster Linie ein psychisches Problem, mit in der Regel bald auftretenden sekundären, körperlichen und sozialen Folgen.
• Sucht ist gekennzeichnet durch den fortschreitenden Verlust freier Verhandlungsfähigkeit und Kontrolle über das eigene Verhalten. Sucht liegt dann vor, wenn eine prozesshafte Abfolge in sich gebundener Handlungen kritisch geprüfte, sorgfältige und folgerichtig gesteuerte Handlungsabläufe ersetzt. Sucht ist stets Krankheit.
• Sucht ist ein unabweisbares Verlangen nach einem bestimmten Erlebniszustand. Diesem Verlangen werden die Kräfte des Verstandes untergeordnet. Es beeinträchtigt die freie Entfaltung einer Persönlichkeit und zerstört die sozialen Bindungen und die sozialen Chancen des Individuums.
• Sucht zeigt sich als latente Suchthaltung und als manifestes süchtiges Verhalten. Süchtiges Verhalten mit Krankheitswert liegt vor, wenn dieses nicht mehr angesichts einer Fluchtoder Unwohlsituation eintritt, sondern zu einem eigendynamischen, zwanghaften Verhalten wird, das sich selbst organisiert hat und sich rücksichtslos beständig zu verwirklichen sucht. Suchthaltungen als Folgen von mangelndem Selbstvertrauen und Minderwertigkeitsgefühlen, von Verantwortungsscheu und Problemangst werden meist in Kindheit und Jugend erlernt.

Die Flucht in die Sucht

Ursachen entstehender Suchthaltungen können darin liegen, dass Heranwachsenden wenig Möglichkeiten eingeräumt werden, ihre Identität in Auseinandersetzung mit ihrer Umwelt zu entwickeln, weil ihnen von Eltern, Lehrern und Ausbildern zuviel erspart und abgenommen oder zuviel zugemutet worden ist. Vorbildwirkungen sowie bewusste und unbewusste Identifikationswünsche von Kindern und Jugendlichen gegenüber Erwachsenen können außerdem eine große Rolle bei der Entstehung von Suchthaltungen spielen. Wenn sich die Tendenzen zu Ausweichverhalten und Ersatzhandlungen dauerhaft verfestigen, kann aus Suchthaltungen manifest süchtiges Verhalten werden – besonders bei außergewöhnlichen Belastungen und Konflikten wie z.B. Schulversagen, Außenseiterstellung in der Schulklasse, Bruch mit Freund oder Freundin.

Was ist Sucht? Die vier Kriterien der WHO:

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Sucht 1957 folgendermaßen definiert: Sucht ist "ein Zustand periodischer oder chronischer Vergiftung, hervorgerufen durch den wiederholten Gebrauch einer natürlichen oder synthetischen Droge und gekennzeichnet durch vier Kriterien:

1. Ein unbezwingbares Verlangen zur Einnahme und Beschaffung des Mittels,
2. eine Tendenz zur Dosissteigerung (Toleranzerhöhung),
3. die psychische und meist auch physische Abhängigkeit von der Wirkung der Droge,
4. die Schädlichkeit für den einzelnen und/oder die Gesellschaft."

Diese Fragen/Arbeitsaufträge solltest du beantworten/bearbeiten können:

  • Notiere dir Gründe, warum Jugendliche süchtig werden können!
  • Wie wird ein Rauchverbot in der Schule durchgesetzt?
  • Warum ist es für Lehrer und Direktoren einer Schule so wichtig, dass ein Rauchverbot eingehalten wird?
  • Beschreibe die Wünsche der Schüler aus einer Raucherclique!
  • Nenne die Gründe, warum Schüler zur Zigarette greifen!
  • Warum können sie oft nicht mit dem Rauchen aufhören?
  • Was genau ist Sucht? Notiere dir einige Schlagwörter!
  • Welche Mechanismen/erwartungen spielen bei der Sucht eine Rolle?
  • Eine Schülerin berichtet von ihrer Suchterfahrung und sagt, warum sie weiter raucht, obwohl sie eigentlich aufhören möchte. Kannst du ihre Argumente nachvollziehen? Wie lange hält die Befriedigung durch eine Zigarette an? Was passiert, wenn das momentane Wohlgefühl abklingt? Kannst du ihr einen Rat geben, wie sie es schaffen könnte, damit aufzuhören?

Didaktische Hinweise für Lehrer

Der Inhalt ist für den Einsatz im Religions-, Ethik-, PCB- und Biologieunterricht ab der 7. Jahrgangsstufe geeignet. Lernziele

Lehrplanbezüge (Bayern)

Haupt-/Mittelschule
7. Jgst.
Evangelische Religionslehre
7.1 So möchte ich sein - Leitbilder für das Leben (Traumwelten, Musik, Idole, Drogen)

8. Jgst.
Evangelische Religionslehre
8.2.2 Auf dem Markt der Sinnangebote (Sinnsuche, Flucht in die Sucht, Folgen, Beratungsangebote)
Katholische Religionslehre
8.1 Sehnsucht nach Leben - Sinn suchen ((Verfehlte Sinnsuche, Flucht in die Sucht, Gegenmodelle)
8.1.1 Die Sehnsucht ist groß - was Jugendlichen wichtig ist
8.1.2 Achtung Sackgasse! - Wenn aus Sehnsucht Sucht wird ((Suchtgefahren und ihre Folgen)
Ethik
8.1 Im Leben Sinn erkennen - dem Leben Sinn geben (Sehnsucht nach sinnerfülltem Leben, Wege in Abhängigkeiten und Gegenmodelle)
8.1.2 Abwege der Sinnsuche (Suchtursachen, Gesundheitsschäden; Beratungsmöglichkeiten)
PCB
8.3 Richtige Lebensführung
8.3.3 Genussmittel und Drogen - Genussmittel und Drogen; Ursachen und Folgen von Sucht - Wirkung von Rauschmitteln, Suchtprävention als Entwicklung von Lebenskompetenzen

Realschule
7. Jgst. Biologie
7.4 Menschliche Sexualität und Entwicklung - Wirkungen von Medikamenten, Genuss- und Rauschmitteln
8. Jgst.
Ethik
8.1 Erwachsen werden: Jugendliche zwischen Versagen und Bewähren
- Versuche Jugendlicher, der Realität zu entfliehen, und damit verbundene Gefahren, z. B. Phantasien, Spiele, Medien, Okkultismus, Jugendsekten, Drogen
9. Jgst.
Evangelische Religionslehre
9.1 Jesus Christus: Perspektive für das Leben – Hoffnung darüber hinaus Verantwortlich mit eigenem und fremdem Leben umgehen (Gesundheit, Sucht)
Katholische Religionslehre
9.1 Sehnsucht nach Sinn und Halt - Sinnsuche heute: Sehnsucht nach Glück, Unendlichkeit, Heil einerseits und Angst vor Enttäuschung und Sackgassen andererseits aufspüren (z. B. in neuen religiösen bzw. pseudoreligiösen Gruppierungen der Gegenwart, in Drogen-, Konsumrausch)

Gymnasium
7. Jgst.
Ethik
7.1 Erwachsen werden Gefährdungen der persönlichen Freiheit durch äußere Einflüsse (z. B. Werbung und Medien, Drogen und andere Suchtmittel; Gruppenzwang); Bedeutung der Peergroup
Evangelische Religionslehre
7.4 Wunschträume, Ängste, Gebet Auswirkungen von Träumen und Ängsten auf die Lebensgestaltung, wie z. B. Wirklichkeitsverdrängung durch Tagträume, Machtphantasien, Computerspiele, Aberglauben, Drogen
Katholische Religionslehre
7.1 "Ich bin doch kein Kind mehr!" – Fragen des Jugendalters
- Fremdbestimmungen aufdecken: Vereinnahmung, z. B. durch Werbung, Cliquen; Gefährdungen durch unerfüllte Sehn-Süchte, z. B. Essstörungen; Abhängigkeit von Alltagsdrogen, z. B. Rauchen
8. Jgst.
Ethik
8.1 Wege zur Sinnfindung im Alltag
- Ursachen einer verfehlten Sinnorientierung und ihre Folgen (z. B. Suizidabsichten, Flucht in Alkohol und Drogen, Anfälligkeit für totalitäre Welterklärungen)
9. Jgst Biologie
9.2 Suchtgefahren und Gesundheit


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