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Das große Leid Die Folgen für die Bevölkerung

Extreme Belastungen durch Hunger und Krankheiten, Abgaben der ohnehin schon knappen Lebensmitteln an vorbeiziehenden Soldaten führten bei der Bevölkerung zu großem Leid.

Stand: 18.01.2017

Zeitzeugen | Bild: BR

Finanzielle Lasten durch Abgaben und Steuern

Albrecht von Wallenstein führte das System der Kontribution ein, um die Finanzierung der Soldaten nicht auf Kosten des Reichskasse, sondern durch die Bewohner aufzufangen. So mussten die Gebiete, die seine Armee durchquerten, die finanziellen Lasten tragen. Die Bewohner mussten die Soldaten bezahlen und versorgen. Je länger der Krieg dauerte, um so brutaler wurden die Ausbeutungen und die Plünderungen.

Körperliche Gewalt durch vorbeiziehende Soldaten

Sold und Verpflegung aus der Bevölkerung herauszupressen, führte zu einer immer stärken Belastung der Menschen. Die durchziehenden Soldaten zerstörten durch Raub und Brand sämtlichen Besitz der Landbewohner und entzogen ihnen die Nahrungsgrundlage. Vor allem Frauen, Kinder und ältere Menschen litten zunehmend an Unterernährung, die häufig zum Tod führte. Flucht in eine nahe gelegene Stadt nutzte meist nur wenig, denn dort herrschten oft Seuchen.

Die Auswirkungen in Deutschland

Die Regionen in Deutschland waren vom Krieg unterschiedlich hart betroffen. An den Auswirkungen des Krieges hatten vor allem Südwestdeutschland beiderseits des Oberrheins, Württemberg, die Pfalz, Franken, Hessen, Thüringen, das Gebiet an der mittleren Elbe mit Magdeburg, Brandenburg und Pommern zu leiden. Zu den Schongebieten gehörten das westliche Niederdeutschland und die Alpenländer.

Die Menschen und das Kriegselend

Das Kriegselend wurde von der Mehrzahl der Menschen als ein von Gott gesendetes und als ein nur mit dessen Hilfe zu überwindendes Schicksal verstanden. Die Mehrheit sah das Kriegselend als Folge menschlicher Verfehlungen oder himmlischer Ratschlüsse. An der göttlichen Lenkung der Welt wurde zumeist nicht gezweifelt. Denn wenn das Leben auf Erden schon so fürchterlich war, dann musste doch wenigstens im Himmel eine belohnung für den Menschen warten.

Doch trotz der Demut, mit der die Menschen ihr Schicksal hinnahmen, war der Großteil der Bevölkerung vom Kriegsgeschehen aufgewühlt und erschüttert. Das beweisen volkstümliche und geistliche Lieder, zu lesen in der Lyrik (Andreas Gryphius u.a.) oder im Roman (Hans Jakob von Grimmelshausen u. a.). Auch Chroniken und Lebensbeschreibungen geben darüber Auskunft.

Tränen des Vaterlandes (1636) von Andreas Gryhius

Wir sind doch nunmehr ganz, ja mehr denn ganz verheeret!
Der frechen Völker Schar, die rasende Posaun
Das vom Blut fette Schwert, die donnernde Karthaun
Hat aller Schweiß, und Fleiß, und Vorrat aufgezehret.

Die Türme stehn in Glut, die Kirch' ist umgekehret.
Das Rathaus liegt im Graus, die Starken sind zerhaun,
Die Jungfern sind geschänd't, und wo wir hin nur schaun
Ist Feuer, Pest, und Tod, der Herz und Geist durchfähret.

Hier durch die Schanz und Stadt rinnt allzeit frisches Blut.
Dreimal sind schon sechs Jahr, als unser Ströme Flut
Von Leichen fast verstopft, sich langsam fort gedrungen.

Doch schweig ich noch von dem, was ärger als der Tod,
Was grimmer denn die Pest, und Glut und Hungersnot,
Daß auch der Seelen Schatz so vielen abgezwungen.


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