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Andere mediale Texte Analyse- und Interpretationsschritte

Von: Christian Albrecht

Stand: 31.03.2017

Hier beantworten wir folgende Fragen:

  • Was ist Sinn und Zweck der Filmanalyse und der Filminterpretation?
  • Wie gehe ich bei der Analyse (also dem Erkennen, Benennen und Beschreiben wichtiger Aspekte der visuellen, auditiven und narrativen Ebene) und bei der Interpretation (also der Deutung) eines Filmes vor?

Wenn man mit Freunden ins Kino geht oder sich zu Hause zu einem gemeinsamen Filmabend versammelt, tauscht man sich für gewöhnlich danach über persönliche Eindrücke, über offene Fragen, Irritationen oder hervorgerufene Gefühle aus. Wir rekapitulieren den Inhalt, diskutieren über die Schauspieler, die dargestellten Figuren und über die Handlung. Vielleicht staunen wir über besonders gelungene und schmunzeln über besonders misslungene Szenen. Vielleicht reden wir auch über die Aussage des Films, über dessen gesellschaftliche oder filmgeschichtliche Bedeutung. Wenn wir all dies machen, befinden wir uns im Prinzip schon mitten in einer Filmanalyse.

Der Unterschied zwischen einem persönlichen Austausch und einer wissenschaftlicheren Filmanalyse ist, dass der unmittelbar an das Filmerlebnis anschließende Austausch noch sehr subjektiv und emotional ist, dass sich unser Urteil oft auf eine einmalige, flüchtige Filmwahrnehmung stützt. Anstelle einer Filmanalyse mündet ein solcher Austausch also eher in einer persönlichen, subjektiven Kritik des Films. Die wissenschaftliche Beschäftigung mit Film aber begnügt sich damit nicht, sie möchte darüber hinausgehen.

Filmanalyse und -interpretation

Was die Aufgabe einer Filmanalyse ist, fasst der österreichische Literatur- und Filmwissenschaftler Arno Rußegger folgendermaßen zusammen:

"Filmanalyse dient einer rationalen Vergewisserung des im alltäglichen Normalfall flüchtig und emotional bleibenden Filmerlebnisses, einer Sensibilisierung der eigenen Wahrnehmungsfähigkeit, der Geschmacksbildung, der Steigerung des Spaßes und Genusses bei der Rezeption von gut gemachten Filmen und schließlich einer besseren Einschätzung von medialen Prozessen im Allgemeinen."

(Arno Rußegger: Nulla dies sine kinema. Eine kleine Einführung in die Filmanalyse in sechs Abschnitten, In: Informationen zur Deutschdidaktik (ide), H. 4, 2003, S. 18)

Die Interpretation dagegen

"versucht die Frage zu beantworten: Welche Bedeutung und welchen Sinn nehme ich wahr und erkenne ich als Leser oder Leserin (bzw. als Zuschauer und Zuschauerin) dieses Textes (bzw. Filmes)?"

(Peter Rusterholz: Formen 'textimmanenter' Analyse. In: Heinz Ludwig Arnold/ Heinrich Detering (Hrsg.): Grundzüge der Literaturwissenschaft, München 1999, S. 365-385.)

Wie man bei einer Filmanalyse und -interpretation vorgehen kann, ist ganz unterschiedlich. Einen Königsweg gibt es (genauso wie bei der Literatur) nicht, da das Vorgehen immer von der Fragestellung und dem Interesse abhängt, mit dem man an den Film herantritt. Für unsere Zwecke kann jedoch folgendes grobe (und bei weitem nicht unveränderliche) Vorgehen empfohlen werden:

Schritt 1: Der erste Eindruck

Reflektieren über den ersten Eindruck, den der Film hinterlassen hat. Welche Eindrücke, Fragen, Irritationen, Gefühle etc. hat der Film geweckt? Welche Szenen sind mir besonders im Gedächtnis geblieben?

Schritt 2: Die inhaltliche Analyse

Worum geht es in dem Film?
Was ist die Story? Wie ist der Plot aufgebaut? Welche Figuren bestimmen die Handlung? Welchem Genre ist der Film zuzuordnen?

Schritt 3: Die zentrale Frage

Die inhaltliche und formale Analyse von Bild-, Ton- und narrativer Ebene - und das bezogen auf die zentrale Fragestellung, die der Film aufwirft.

Schritt 4: Die Aussage des Films

Was ist die Aussage des Films? Welche Intention verfolgt der Film? Welche Bedeutung und welchen Sinn nehme ich wahr?

Schritt 5: Die Bewertung des Films

Welche Erkenntnis habe ich bezüglich der Fragestellung gewonnen? Wie gelungen scheint mir die Umsetzung? Wie nachvollziehbar ist die Intention des Films?

Je nach Fragestellung kann als zusätzlicher Schritt noch die Berücksichtigung des Kontextes wichtig sein (z. B. das historische, gesellschaftliche, soziale Umfeld, in dem der Film entstanden ist, die typische Handschrift des Regisseurs, die Stellung des Films in dessen Œuvre oder die Rezeptionsgeschichte des Films).

Typische Fehler

1.

Sich nur auf die (durchaus aufwendige) Beschreibung der visuellen und der auditiven Ebene zu beschränken, ohne deren Wirkung zu berücksichtigen

2.

Sich auf ein reines Aufzählen filmsprachlicher Mittel zu beschränken, statt ihre Wirkung oder Funktion zu analysieren

Spickzettel

1.

Filmanalyse ist immer interessengeleitet. Jeder Film benötigt einen eigenen Ansatz und ein individuelles Vorgehen.

2.

Jeder neue Analyseansatz hat Auswirkungen auf das Filmverständnis und kann so wieder zu neuen Analysen führen, die wiederum neue Erkenntnisse mit sich bringen.

3.

Reflexion des ersten Eindrucks des Films.

4.

Inhaltliche Analyse des Films.

5.

Analyse der visuellen, auditiven und narrativen Ebene.

6.

Berücksichtigung des Kontextes des Films.

7.

Interpretation des Films.

8.

Bewertung des Films.