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Sachtexte Sprachliche Mittel in informierenden Texten

Von: Prof. Dr. Juliane Köster

Stand: 15.09.2016

Hier beantworten wir folgende Fragen:

  • Was tut der Autor, um seine Absicht zu verwirklichen?
  • Welche sprachlichen Mittel muss ich für die Sachtextanalyse kennen und nutzen?
  • Wie kann ich ihre Funktion erkennen?

Sprachliche Mittel verwirklichen und unterstützen die Absicht der Autorin oder des Autors. Hier eine Auswahl:

  • Zitate
  • Bildliche Ausdrücke/sprachliche Bilder
  • Konkretisierungen
  • Aufzählung
  • Einblick in Gedanken und Gefühle einer Person
  • Verallgemeinerungen
  • Abstraktion

Sprachliche Mittel und ihre Funktion

In unserem Beispieltext, dem Feature von Daniela Kuhr "Identitätsdiebstahl. Die unsichtbare Dritte" (Süddeutsche Zeitung vom 21. Juli 2014), zoomt die Autorin auf Herrn Siebert. Sie erzählt seine Geschichte, indem sie seinen Fall - als einen von vielen - aus der Nähe betrachtet. Damit diese Geschichte glaubwürdig wirkt und die Leserinnen und Leser berührt, nutzt sie die folgenden sprachlichen Mittel:

Zitat

Die Autorin zitiert Siebert, das heißt, sie lässt ihn selbst zu Wort kommen:
"Siebert wusste nicht, wie ihm geschah. Er hatte keine Erklärung für den Brief. 'Mein Lebtag habe ich noch keine Schulden gemacht, die ich nicht pünktlich zurückgezahlt hätte.'"
Durch Zitate erreicht die Autorin Glaubwürdigkeit.

Sprachliche Bilder

Sie verwendet sprachliche Bilder:
"Als nach ein paar Tagen endlich sein Online-Zugang für eine Schufa-Auskunft eingerichtet war, traute er seinen Augen nicht."
Durch sprachliche Bilder oder bildhafte Ausdrücke erreicht sie Anschaulichkeit.

Details

Sie geht ins konkrete Detail:
"Als er bei der dortigen Hotline anrief, erfuhr er, dass er, Peter Siebert, geboren am 23.02.1976, vor vielen Monaten diverse Sommerkleider und BHs bestellt haben sollte, die er nie bezahlt habe."
Auch durch die Details erreicht die Autorin Anschaulichkeit.

Aufzählung

Sie zählt häufig mehrere Einzelheiten in einer Aneinanderreihung auf:
"Siebert drohten somit weitere negative Schufa-Einträge. Er wandte sich an die Polizei. Die bat ihn, Kopien der Bestellungen, Rechnungen, Mahnungen zusammenzustellen, damit sie ermitteln könne."
Durch konkrete Details erreicht die Autorin eine Verstärkung des gewünschten Effekts. Hier veranschaulicht sie die Fülle von Dokumenten, mit denen Peter Siebert konfrontiert war.

Einblick in Gedanken und Gefühle einer Person

Sie gibt Einblick in Gefühle und Gedanken Sieberts, bietet also eine Innensicht:
"Was ihn die ganze Zeit über so sehr wurmte und oft um den Schlaf brachte, war der Gedanke, 'dass ich gar nichts gemacht hatte, völlig unbeteiligt war - und doch auf einmal meine Unschuld beweisen musste'."
Hiermit will die Autorin Nachvollziehbarkeit und Einfühlung erreichen.

Wiederholung

Sie wiederholt eine zentrale Folge des Identitätsdiebstahls und erreicht damit eine Verstärkung:
"Von einem Moment auf den nächsten war er auf sich allein gestellt, umgeben nur noch von Misstrauen. Seine Bank misstraute ihm, die Polizei misstraute ihm, Anwälte misstrauten ihm.“

Verallgemeinerung

Die Autorin setzt aber auch den Weitwinkel ein und erweitert so die Perspektive. Sie verallgemeinert:
"Der Fall des Paketzustellers aus Bayern zeigt, was für verheerende Folgen es haben kann, wenn ein Fremder sich der Identität bemächtigt. Er zeigt vor allem aber auch, wie leicht das ist."

Abstraktion

Sie sieht ab von Sieberts persönlicher Geschichte, abstrahiert von ihr:
"Da müssen nicht erst Schutzmechanismen versagen, nein, viel schlimmer: Es gibt gar keine. Und das heißt nichts anderes als: Was Peter Siebert passiert ist, kann jedem passieren." Die Abstraktion dient der Verallgemeinerung.

Weitere sprachliche Mittel

In Prüfungsaufgaben geht es bei der Analyse von Sachtexten auch darum, die sprachlichen Besonderheiten zu ermitteln und ihre Funktion im Text zu bestimmen. Das ist nicht immer einfach, denn jeder Text bietet unterschiedliche sprachliche Mittel. Es kommt also darauf an, die jeweils relevanten sprachlichen Mittel zu erkennen.

Sprachliche Bilder

  • Metapher (gr. Übertragung): Sie besteht aus zwei Elementen: dem Bildspender und dem Bildempfänger. Merkmale des Bildspenders werden auf den Bildempfänger übertragen: "Der Zahn der Zeit nagt am Kölner Dom." Bildempfänger ist die Zeit. Sie wird durch den Bildspender "nagender Zahn" als zerstörerisch dargestellt.
  • Vergleich, Gleichnis: Verdeutlichung eines Sachverhaltes durch Heranziehung eines analogen Sachverhaltes aus einem anderen Bereich: "John Maynard steht wie ein Fels in der Brandung".  
  • Personifikation:  Ausstattung nichtmenschlicher Wesen oder abstrakter Begriffe mit menschlichen Eigenschaften oder Handlungsweisen: "Die Sonne lacht."
  • Verlebendigung: Ausstattung nichtlebender Wesen oder abstrakter Begriffe mit Eigenschaften oder Handlungsweisen von Lebewesen: "Der Gletscher ernährt den Fluss."
  • Symbol: Sinnbild, das über sich hinaus auf etwas Allgemeines verweist, z. B. "Taube" für Frieden, "Herz" für Liebe, "Ring" für Treue, "Kreuz" für Tod oder christlichen Glauben

Bewertungen (z. B. durch sprachliche Bilder)

Wenn z. B. Rentner als die "silbergraue Marktmacht", als "die Silbernen" oder als "Silver Surfer" bezeichnet werden, dann wird in der Metapher das Konzept "Silber", d. h. "weiß, glänzend und wertvoll" auf das Konzept "Ältere" übertragen.
(aus: Carolin Krüger: Das sprachliche Feld des Alter(n)s in der deutschen Gegenwartssprache. In: Bettina Lindorfer (Hrsg.): Alter(n) in der Stadt: sprach- und literaturwissenschaftliche Beiträge aus Romanistik und Germanistik, Taucha, 2012, S. 75-99; S. 97)

Kontrastierungen/ Gegenüberstellungen

  • Antithetik: d. h. Gegenüberstellung von Begriffen oder Inhalten: "Was dieser heute baut, reißt jener morgen ein." (Andreas Gryphius: Es ist alles eitel).
  • Chiasmus: symmetrische Überkreuzstellung einander entsprechender Satzglieder: "Eng ist die Welt und das Gehirn ist weit." (Friedrich Schiller: Wallensteins Tod)
  • Oxymoron: Verbindung zweier Bereiche, die sich ausschließen: "stummer Schrei"

Reihungen zur Intensivierung der Aussage

  • Anapher: Wiederholung desselben Wortes oder derselben Wortgruppe am Anfang mehrerer aufeinander folgender Satzteile oder Sätze: "Musik während der Dauerwelle beim Friseur, Musik, wenn der Zahnarzt zum Bohrer greift, Musik in nahezu allen Restaurants." (Rüdiger Liedtke: Die Vertreibung der Stille)
  • Akkumulation/Häufung: Reihung von Begriffen zu einem Oberbegriff.: "Der Radiowecker eröffnet den Tag, Musik ertönt beim Aufstehen, Rasieren, Frühstücken.“ (Rüdiger Liedtke: Die Vertreibung der Stille)
  • Klimax: Steigerung (häufig dreigliedrig): "Er sei mein Freund, mein Engel, mein Gott" (Schiller: Die Räuber), "Heute back' ich, morgen brau' ich, übermorgen hol' ich der Königin ihr Kind" (Brüder Grimm: Rumpelstilzchen)

Euphemismus

Beschönigung: "Anglerlatein" statt "Lüge", "beratungsresistent" statt "stur" oder "dickköpfig"

Rhetorische Frage

Frage, auf die man keine Antwort erwartet. Oft ist sie eine Form der indirekten Behauptung: "Wer ist schon ohne Fehler?" Das heißt: "Niemand ist ohne Fehler."

Übertreibung (= Hyperbel)

"todmüde zur Arbeit gehen", "ein Meer von Tränen vergießen"

Typische Fehler

1.

Nicht zwischen relevanten und unwichtigen sprachlichen Mitteln zu unterscheiden

2.

Keine Funktionsbestimmung der sprachlichen  Mittel vorzunehmen

Spickzettel

Sprachliche Mittel

  • Sprachliche Mittel sollen die Absicht des Autors/der Autorin unterstützen.
  • Sprachliche Mittel können die Vorstellung anregen, Gefühle auslösen, verallgemeinern, bewerten etc.

Wichtige sprachliche Mittel in Features und Reportagen

  • Zitate
  • Aufzählung
  • Häufung
  • Innensicht
  • Verallgemeinerung
  • Abstraktion
  • Gegenüberstellung/Kontrastierung
  • Bildlicher Ausdruck/sprachliches Bild (Metapher, Vergleich)
  • Redensarten
  • Beispiele