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Kommunikation und Sprache Schulz von Thun: Die 4 Seiten einer Nachricht

Von: Maria Geipel

Stand: 31.05.2017

Hier beantworten wir folgende Fragen:

  • Was besagt das Kommunikationsmodell von Friedemann Schulz von Thun?
  • Wie lassen sich Missverständnisse mithilfe des Modells erklären?

Mann: "Gegenüber hat ein neues Restaurant eröffnet."
Frau: "Sag doch gleich, dass dir mein Essen nicht schmeckt."

Die Frau schließt aus der Äußerung des Mannes, dass er sie für eine schlechte Köchin hält und stattdessen lieber woanders essen möchte. Vielleicht wollte er seine Frau aber auch zum Essen einladen, um mit ihr einen netten Abend zu verbringen?

Situationen, in denen man sich miss- oder falsch verstanden fühlt, kennt jeder. Doch warum verläuft die Kommunikation manchmal nicht so, wie man es sich vorher gedacht hat?

Was schon Paul Watzlawick in seinem 2. Axiom angedeutet hat ("Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungs-Aspekt."), wird im Kommunikationsmodell von Friedemann von Schulz von Thun weiter ausdifferenziert.

Das Nachrichten-Quadrat

Nachrichten-Quadrat

Hinter jeder Nachricht verstecken sich vier Aspekte, die wir mehr oder weniger bewusst senden beziehungsweise empfangen. Schulz von Thun nennt das "Nachrichten-Quadrat":

Sachinhalt

Worüber wird informiert? Was ist der Inhalt?
Die Nachricht enthält eine wertfreie Sachinformation.

Selbstkundgabe

Wie präsentiert sich der Sender? Was gibt er von sich preis?
In der Nachricht verbergen sich Informationen über den Sender (z. B. seine Laune, seine Pläne, seine Charakterzüge).

Beziehungshinweis

Hier könnte das Beziehungsohr offen sein. (Friedemann Schulz von Thun: Miteinander reden. Störungen und Klärungen. Reinbek 2004. S. 25.)

Was hält der Sender vom Empfänger? In welcher Beziehung stehen sie zueinander?
Die Nachricht umfasst Informationen zum Verhältnis zwischen dem Sender und dem Empfänger. Bestimmte Formulierungen, Gestik und Mimik, aber auch paraverbale Kommunikationsmittel transportieren, wie der Sender zum Empfänger steht.

Appell

Was soll der Empfänger tun?
Mit einer Nachricht soll Einfluss ausgeübt werden. Sie hat also auch die Funktion, den Empfänger zu bestimmten Handlungen oder Gedanken zu veranlassen.

Perspektiven

Das Nachrichten-Quadrat kann aus zwei Perspektiven betrachtet werden. Aus Sicht des Senders: Er "spricht" mit vier "Schnäbeln". Aus Sicht des Empfängers: Er "hört" mit vier "Ohren".

Das Gesendete muss aber nicht immer mit dem Empfangenen übereinstimmen. Beim Dekodieren ist der Empfänger der Nachricht auf sich allein gestellt. Wie die Reaktion bzw. das Gespräch verläuft, ist davon abhängig, welches Ohr momentan am besten empfängt.

"[D]as Ergebnis der Dekodierung hängt ab von seinen [gemeint ist der Empfänger, Anm. d. A.] Erwartungen, Befürchtungen, Vorerfahrungen – kurzum: von seiner ganzen Person. So mag es geschehen, dass manche Botschaft überhaupt nicht ankommt (etwa wenn der Empfänger den 'mürrischen Unterton' nicht mitkriegt); oder daß er mehr 'hineinliest' in die Nachricht, als der Sender hineinstecken wollte (etwa wenn der Empfänger einen 'Vorwurf' auf der Beziehungsseite heraushört, den der Sender nicht erheben wollte)."

(Friedemann Schulz von Thun: Miteinander reden. Störungen und Klärungen. Reinbek 2004. S. 61.)

Typische Fehler

1.

Die vier Aspekte einer Nachricht nur für einen Kommunikationspartner zu betrachten

2.

Zu denken, dass in einer Nachricht nur ein Aspekt enthalten ist

3.

Zu denken, dass Gesendetes und Empfangenes immer übereinstimmen

Spickzettel

Die Aspekte einer Nachricht

  • Jede Nachricht beinhaltet vier Aspekte, die aus der Perspektive des Senders und aus der des Empfängers betrachtet werden können.
  • Die vier Aspekte können beim Senden und Empfangen unterschiedlich stark zum Tragen kommen.

4-Ohren-Modell

Es hilft, die Kommunikation zwischen Sender und Empfänger zu analysieren und mögliche Ursachen für Kommunikationsstörungen zu identifizieren.

Die vier Seiten einer Nachricht

  • Sachinhalt
  • Selbstkundgabe
  • Beziehungshinweis
  • Appell

Weiterführende Literatur

Friedemann Schulz von Thun: Miteinander reden. Störungen und Klärungen. Reinbek 2004.