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Journalistische Textsorten Interview

Von: Redaktion alpha Lernen, Prof. Dr. Juliane Köster (Fachberatung)

Stand: 23.10.2017

Hier beantworten wir folgende Fragen:

  • Was unterscheidet das Interview von anderen Informationstexten?
  • Was muss beim Interview beachtet werden?
  • Welche Rolle spielt die Verschriftlichung?

Das Interview als dialogische Textform

Das Interview gilt als schwierige journalistische Disziplin. Denn anders als Feature und Reportage ist es eine dialogische Textform. Verglichen mit den monologischen Textformen bietet es authentische Information, da die Experten selbst zu Wort kommen.

Das Interview gehört zu den subjektiv gefärbten Informationstexten.

Es wird durch die Interviewerin/den Interviewer gesteuert: Sie/er eröffnet das Gespräch, bestimmt das Thema und die Fragerichtung.

Drei Arten von Interviews

Formal werden im Journalismus drei Arten von Interviews unterschieden, das sind:

  • Das Sachinterview oder Sachverhaltsinterview: Hier vermittelt eine Expertin/ein Experte Informationen und Fakten zu einem Sachverhalt.
  • Das Meinungsinterview: Eine meist prominente Person wird nach ihrem Urteil über ein Ereignis oder einen Sachverhalt befragt. Das Meinungsinterview bietet Argumente für oder gegen eine bestimmte Position.
  • Das Personeninterview: Es liefert ein Portrait der befragten Person auf der Basis ihrer Antworten.

In der Praxis sind Interviews häufig Mischformen. Es kommt also darauf an, ob mehr eine Sache/ein Problem dargestellt werden soll oder ob es vor allem um die Skizzierung der Person selbst geht. Diese Zielstellung muss vorab geklärt sein.

Vorbereitung auf das Interview

Die Interviewerin/der Interviewer muss sich sehr genau auf das Thema vorbereiten. Gute inhaltliche Vorbereitung ermöglicht

  • gezielte Fragen,
  • eine präzise Einordnung der Antworten,
  • schnelle, kompetente und professionelle Reaktionauf unerwartete Aussagen.

Fragestrategien

Zielgerichtete Fragen sind die Grundlage eines professionellen Interviews. Ohne gekonnten Einsatz von Fragetechniken wird das Interview eher zu einem lockeren Gespräch, in dem lediglich Gedanken ausgetauscht werden.

Während des Gesprächs muss sich der Interviewer aber gleichzeitig stark zurücknehmen, um dem Gesprächspartner Raum zu geben. Das stellt hohe Anforderungen an die Gesprächsführung und setzt kluge Fragestrategien voraus.

Um die Fragerichtung zu bestimmen, gibt es unterschiedliche Frageformen. Hier eine Auswahl:

Einschätzungsfragen

Sie zielen auf eine Meinung oder Beurteilung eines bestimmten Sachverhalts.

Zum Beispiel:
"Was glauben Sie, wer die nächste Wahl gewinnt?"

Provokationsfragen

Die Gesprächspartnerin/der Gesprächspartner wird bewusst herausgefordert.

Zum Beispiel:
Zitieren einer polarisierenden Meinung, verbunden mit einer Frage, die das Gegenüber "aus der Reserve lockt". "Finden Sie das auch?", "Sollte also…?"

Konkretisierungsfragen

Sie dienen dazu, einen Sachverhalt zu hinterfragen und zu präzisieren.

Zum Beispiel:
"Können Sie mir das an einem Beispiel erklären?"

Der wechselnde Einsatz verschiedener Frageformen macht das Interview dynamisch und lebendig.

Aufbau und "Gestalt"

Beispiel für Aufbau und "Gestalt" eines Interviews

Wie wird das das Interview zu einem stimmigen Ganzen? Wie bekommt es eine gute "Gestalt"?

Dieser "Schneemann" verbildlicht, wie ein Interview von unten nach oben aufgebaut werden kann.

Verschriftlichung

Das Interview ist auch deshalb eine sehr anspruchsvolle Textform, weil es die Gesprächssituation authentisch und wahrheitsgemäß abbilden muss. Nachfragen oder ein Widerspruch können nicht einfach hinterher noch eingefügt werden. Es kommt darauf an, in der Situation und gut vorbereitet sein und professionell zu reagieren.

Das Transkript eines Interviews, also eine Niederschrift im Wortlaut, ist in der Regel deutlich länger als der veröffentlichte Text. Hier gilt es, gekonnt zu kürzen, ohne den Inhalt des Gesagten zu verfälschen. Der Inhalt des Gesprächs muss in eine Form gebracht werden, die sich flüssig lesen lässt. Das Texttempo sollte variieren, das heißt, längere und kürzere Textpassagen sollten möglichst im Wechsel eingesetzt werden. Dies trägt dazu bei, dass das Interview authentisch wirkt; zudem wird Monotonie vermieden.

Typische Fehler

1.

Zu glauben, dass die Verschriftlichung genauso ist wie der Gesprächsverlauf.

2.

Zu glauben, dass Interviews spontan geführt werden und keine Vorbereitung brauchen.

Spickzettel

Definition Interview

  • Subjektiv gefärbter Informationstext
  • Dialogische Textform (anders als z. B. Feature und Reportage, die monologische Textformen sind)
  • Authentische Information, da die Experten selbst zu Wort kommen.

Drei Arten von Interviews

  • Das Sachinterview oder Sachverhaltsinterview: Expertin/Experte liefert Informationen und Fakten zu einem Sachverhalt.
  • Das Meinungsinterview: Person (meist prominent) wird nach ihrem Urteil über ein Ereignis oder einen Sachverhalt befragt (Argumente pro und contra).
  • Das Personeninterview: Portrait der befragten Person auf der Basis ihrer Antworten.

Mischformen?

  • Interviews sind häufig Mischformen aus Sach- und Meinungsinterview.

Fragetypen

Fragetypen (Auswahl):

  • Einschätzungsfragen: Sie zielen auf eine Meinung oder Beurteilung eines bestimmten Sachverhalts.
  • Provokationsfragen: Die Gesprächspartnerin/der Gesprächspartner wird bewusst herausgefordert.
  • Konkretisierungsfragen: Sie dienen dazu, einen Sachverhalt zu hinterfragen und zu präzisieren.