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Kommunikation und Sprache Paul Watzlawicks 5 Axiome

Von: Maria Geipel

Stand: 30.06.2017

Hier beantworten wir folgende Fragen:

  • Wie lauten die 5 Axiome von Paul Watzlawick?
  • Was sagen die Axiome über das Zustandekommen von Kommunikationsstörungen aus?

Paul Watzlawick und seine Kollegen Janet H. Beavin und Don D. Jackson haben 5 Axiome, also 5 Grundsätze, der Kommunikation formuliert. Er möchte damit zeigen, wie eng unsere sprachliche Kommunikation mit Beziehungen und Emotionen verbunden ist.

1. Axiom

Man kann nicht nicht kommunizieren

Das klingt erst einmal unlogisch. Doch jedes Verhalten, das an den Tag gelegt wird, sendet eine Botschaft an die Umgebung. Selbst wenn ein Mensch im Bus auf den Boden starrt und nicht spricht, vermittelt er eine Botschaft – er kommuniziert mit seinen Mitmenschen. Er gibt zu verstehen, dass er kein Interesse hat, mit jemandem in Kontakt zu treten.

2. Axiom

Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt, derart, dass letzterer den ersteren bestimmt.

Einfach gesagt: Eine Nachricht hat eine Inhalts- und immer auch eine Beziehungsseite.

Wenn wir mit Menschen in Kontakt treten, dann übermitteln wir Informationen, also Inhalte. Doch das ist noch nicht alles: In jeder Äußerung kommt auch zum Ausdruck, wie Sender und Empfänger zueinander stehen. Sind sie sich wohlgesinnt oder herrschen Spannungen vor? Entscheidend ist, wie die Information übermittelt wird (z. B. mit rollenden Augen, in ironischem Tonfall). Gestik und Mimik oder auch der Tonfall geben dem Gegenüber viele Zusatzinformationen – zum Beispiel, ob der Redner sein Gegenüber sympathisch findet oder eher nicht.

Aber nicht nur der Sender, sondern auch der Empfänger ist maßgeblich am Verlauf der Kommunikation beteiligt. Denn seine Einstellungen und Gefühle arbeiten wie eine Art Brille, durch die der Inhalt wahrgenommen wird. Bei einem sympathischen Lehrer oder einer sympathischen Lehrerin ist man zum Beispiel offener gegenüber dem Inhalt als bei einem unsympathischen, auch wenn er oder sie fachlich mindestens ebenso kompetent ist. Eine Kommunikation, die frei von Beziehungsaspekten ist und nur Informationen transportiert, gibt es nicht.

3. Axiom

Die Natur einer Beziehung ist durch die Interpunktion der Kommunikationsabläufe seitens der Partner bedingt.

Einfach gesagt: Kommunikation beruht auf einem Wechselspiel aus Aktion und Reaktion.

Interpunktion meint hier nicht Zeichensetzung (also z. B. Komma oder Punkt). Kommunikation besteht immer aus einer Ursache, dem Reiz, und ihrer Wirkung. Jemand tut etwas, das Gegenüber reagiert darauf. Das kann auch eskalieren und zu einem Hin und Her von gegenseitigen Vorwürfen werden.

Was ist zuerst da: der wütende Lehrer oder die lustlosen Schülerinnen und Schüler?

Schimpft die Mutter ihren Sohn, weil er mit den Augen rollt? Oder rollt der Sohn mit den Augen, weil seine Mutter schimpft? Beide begründen ihr eigenes Handeln durch das Verhalten des anderen. Dabei empfindet jeder seine Version als wahr, auch wenn dies objektiv nicht der Fall ist. Dadurch können Konflikte entstehen.

Watzlawick nennt diese Form der Auseinandersetzung auch den "Teufelskreis der Kommunikation". Ihn zu durchbrechen, gelingt nur durch eine offene, nach vorn gerichtete Kommunikation ohne Vorwürfe. Statt zu fragen, wer angefangen hat, sollte die Überlegung im Mittelpunkt stehen, was an der gegenwärtigen Situation geändert werden kann.

4. Axiom

Menschliche Kommunikation bedient sich analoger und digitaler Modalitäten.

Einfach gesagt: Es kann digital (ohne Interpretationsspielraum) und analog (mit Interpretationsspielraum) kommuniziert werden.

Achtung: Hier geht es nicht um analog und digital, wie wir das heute verstehen, also um Kommunikation per Papier oder Computer.

Unterscheidung analog und digital

Paul Watzlawick

Watzlawick versteht unter analoger Kommunikation alle nichtsprachlichen Elemente, also auch Mimik oder Gestik. Das Bild einer Katze kommt einer echten Katze sehr nahe – wir erkennen die Ähnlichkeit, eine Analogie.

Wenn digital kommuniziert wird, ist die Bedeutung der übermittelten Zeichen eindeutig. Es gibt bei der Entschlüsselung der Botschaft kaum Spielraum. Der digitalen Kommunikation kann die objektive Inhaltsebene zugeordnet werden und diese Inhalte werden verbal übermittelt. Sowohl die Sprache als auch die Schrift sind damit nach Watzlawick "digitale" Techniken. Um sie zu verstehen, muss man eine gemeinsame Sprache haben.

Wenn analog kommuniziert wird, besteht nur eine Ähnlichkeitsbeziehung und die kann zu Missverständnissen führen. Zeigt der Kuss auf die Stirn, dass das Gegenüber gemocht wird, oder signalisiert er einen gewünschten Abschied? Das, was digital kommuniziert wird, muss allerdings nicht mit den analogen Botschaften übereinstimmen (z. B. Lächeln bei der Übermittlung einer traurigen Nachricht).

5. Axiom

Zwischenmenschliche Kommunikationsabläufe sind entweder symmetrisch oder komplementär, je nachdem, ob die Beziehung zwischen den Partnern auf Gleichheit oder Unterschiedlichkeit beruht.

Einfach gesagt: Die Kommunikation kann symmetrisch (Gleichheit der Partner) oder komplementär (Unterschiedlichkeit der Partner) sein.

Bei einer symmetrischen Kommunikation befinden sich die Kommunikationspartner auf Augenhöhe. Die Kommunikation ist durch Gleichheit geprägt (z. B. Vertragsverhandlung unter Geschäftspartnern).

Die komplementäre Kommunikation wird dagegen von Hierarchien oder Unterschieden (z. B. im Bildungsgrad oder in der beruflichen Position) bestimmt. Das heißt jedoch nicht, dass ein Partner automatisch übergeordnet und der andere Partner untergeordnet sein muss. Sie können sich auch gemäß ihren Unterschieden ergänzen und zusammenarbeiten.

Welches Verhältnis zwischen den Kommunikationspartnern vorherrscht, muss keineswegs durch deren "offiziellen" sozialen Status bestimmt sein. Auch kann das Verhältnis wechseln: Der Chef besucht abends den Sportkurs, der von seiner Mitarbeiterin gestaltet wird.

Typische Fehler

1.

Bei Missverständnissen nach dem einen Schuldigen zu suchen, anstatt sich um Lösungen zu bemühen

2.

Zu denken, dass man auch ohne Beziehungsaspekt kommunizieren kann

3.

Zu glauben, dass das Gesendete immer so verstanden wird, wie es auch beabsichtigt war

4

Sich die eigenen Einstellungen und Erwartungen bezüglich der Kommunikationssituation nicht bewusst zu machen

Spickzettel

Allgemeines

  • Watzlawick stellt 5 Axiome, wahre Grundgesetze, der menschlichen Kommunikation auf.
  • Die Art der para- und nonverbalen Kommunikation gibt Aufschluss über die Beziehungsseite.
  • Empathie, also Einfühlungsvermögen, hilft, Missverständnisse zu vermeiden oder auszuräumen.
  • Neben den Kommunikationsmitteln wirken sich auch die Rahmenbedingungen der jeweiligen Situation auf den Kommunikationsprozess aus.

1. Axiom

Es ist unmöglich, nicht zu kommunizieren.

2. Axiom

Die Beziehungsseite der Kommunikation bestimmt, wie der Inhalt gesendet und empfangen wird.

3. Axiom

Kommunikation beruht auf einem Wechselspiel aus Aktion und Reaktion.

4. Axiom

Es kann digital (ohne Interpretationsspielraum) und analog (mit Interpretationsspielraum) kommuniziert werden.

5. Axiom

Die Kommunikation kann symmetrisch (Gleichheit der Partner) oder komplementär (Unterschiedlichkeit der Partner) sein.

Weiterführende Literatur

Paul Watzlawick, Janet H. Beavin, Don D. Jackson: Menschliche Kommunikation. Formen Störungen Paradoxien. 12. Aufl., Bern 2011.
Paul Watzlawick: Anleitung zum Unglücklichsein, Piper Verlag München 1983.