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Journalistische Textsorten Meldung, Nachricht, Bericht

Von: Redaktion alpha Lernen, Prof. Dr. Juliane Köster (Fachberatung)

Stand: 23.10.2017

Hier beantworten wir folgende Fragen:

  • Welche journalistischen Textformen informieren aus objektiver Perspektive?
  • Wodurch unterscheiden sich Meldung, Nachricht und Bericht?

Meldung, Nachricht und Bericht

Meldung, Nachricht und Bericht gehören zum Texttyp der journalistischen Informationstexte. Diese Texte bewerten also nicht und äußern keine Meinung. Vielmehr sind sie tatsachenbetont und leben vom sogenannten Nachrichtenwert. Ihre Funktion besteht darin, den Leserinnen und Lesern Wissen über Ereignisse zu vermitteln, die für diese sowohl neu als auch informativ sind.

Auf den ersten Blick unterscheiden sie sich in ihrer Länge:

  • Eine Meldung ist kurz, sie besteht nur aus wenigen Zeilen.
  • Die Nachricht füllt etwa eine Zeitungsspalte.
  • Der Bericht bietet zusätzliche Hintergrundinformationen und kann mehrere Spalten lang sein.

Fließende Übergänge

In der journalistischen Praxis sind übrigens die Übergänge zwischen den Textsorten Meldung, Nachricht und Bericht oft fließend. Die Charakteristika der einzelnen Textsorten zu kennen, das gehört jedoch zu den handwerklichen Grundlagen für jegliche journalistische Arbeit.

Und auch für die Analyse journalistischer Texte ist es wichtig, über die Merkmale der einzelnen Textsorten Bescheid zu wissen, denn nur mit diesem Wissen lassen sich Mischformen oder auch das bewusste Spiel mit Merkmalen von Textsorten (z. B. in literarischen Texten) erkennen.

Die Meldung

Die Meldung bringt die zentrale Information in wenigen Zeilen, manchmal sogar in einem einzigen Satz.

Die Meldung ist die kürzeste Textform, sie beantwortet die zentralen W-Fragen:

  • WER ist beteiligt?
  • WAS ist geschehen?
  • WANN ist es geschehen?
  • WO ist es geschehen?

Und möglichst die näheren Umstände:

  • WIE ist es geschehen?

Meldungen werden von Nachrichten- und Presseagenturen angeboten, z. B. von der Deutschen Presseagentur (dpa) oder vom Informationsdienst Wissenschaft (idw). Die Agenturen stufen die Meldungen nach Dringlichkeit (Priorität) ein.

Die Nachricht

Die Nachricht ist einer der wichtigsten Informationstexte aus objektiver Perspektive.

Eine Nachricht ist ausführlicher als eine Meldung, sie muss alle sieben der sogenannten W-Fragen beantworten:

  • WER ist betroffen?
  • WAS ist geschehen?
  • WANN ist es passiert?
  • WO ist es geschehen?
  • WIE ist es geschehen? (Welche Folgen?)
  • WARUM?
  • WOHER stammt die Information?

Das zentrale Kennzeichen der Nachricht ist ihre Prägnanz. Das heißt: Sie ist konzentriert und komprimiert. Sie verzichtet auf Weitschweifigkeit und Kommentare. Der Text soll informativ, leicht verständlich und einprägsam sein.

Die Nachricht beansprucht sehr hohe Objektivität der Darstellung. Deshalb muss der Autor sorgfältig recherchieren und seine Informationsquellen exakt bezeichnen.

Der Aufbau einer Nachricht

Die Überschrift (im Fachjargon "die Head") soll Aufmerksamkeit wecken, der Vorspann (im Fachjargon "das Lead") zum Lesen motivieren.

Das Lead vermittelt kurz und knapp die wichtigsten Informationen. Head und Lead zusammen sollen den Leser so neugierig machen, dass er den darauf folgenden Text liest.

Die Nachricht lebt vom hierarchischen Aufbau: Das Wichtigste zuerst. Dann das Zweitwichtigste und danach – in absteigender Gewichtung – weitere Informationen.

Der Bericht

Was unterscheidet den Bericht von der Nachricht? Der Bericht reichert die Nachricht mit Informationen an, die an die Beantwortung der W-Fragen anschließen. Er ergänzt die Nachricht um zusätzliche Elemente wie konkrete Einzelheiten und Hintergründe.

Die Journalistin oder der Journalist geht zum Beispiel an den Ort des Geschehens, unterhält sich mit Betroffenen und gewinnt so noch mehr Hintergrundwissen. Werden dann im Text direkte und indirekte Rede im Wechsel verwendet, macht dies einen Bericht dynamischer und lebendiger.

Auch erste Einordnungen sind meist Bestandteil des Berichts: Handelt es sich um einen Vorfall in einer Reihe ähnlicher Geschehnisse, die sich häufen und die Bevölkerung beunruhigen, oder ist der Inhalt des Berichts ein nie dagewesenes Ereignis, das völlig neue Fragen aufwirft?

Dabei bleibt der Text immer objektiv und gibt nicht die Meinung der Autorin oder des Autors wieder.

Fazit: Der Bericht lässt die Fakten verständlicher werden.

Der Aufbau eines Berichts

Wie die Nachricht beginnt auch der Bericht mit Head und Lead. Das Wichtigste kommt an den Anfang, und selbstverständlich beantwortet auch der Bericht die sieben W-Fragen, ergänzt um zusätzliche Elemente wie konkrete Einzelheiten, Hintergründe, Einordnungen.

Einstieg und der Schluss bilden den Rahmen des Berichts und machen ihn zu einem stimmigen Ganzen. Dies kann z. B. ein situativer Einstieg sein, der am Schluss wieder aufgegriffen wird.

Total objektiv – geht das überhaupt?

Laut Definition sollen Meldung, Nachricht und Bericht immer objektiv sein, also nur Fakten enthalten und nicht die Meinung des Autors wiedergeben.

Durch die Auswahl der Informationen und Zitate sowie deren Reihenfolge und Nuancen kommen jedoch immer auch subjektive Entscheidungen mit ins Spiel.

Seriöser Journalismus nennt die Quellen der verwendeten Informationen und thematisiert z. B. auch, warum bestimmte Fragen zum Zeitpunkt der Berichterstattung nicht beantwortet werden können.

Orientierung in der Nachrichtenflut

Die Nachrichtenflut im Internet fordert alle heraus – Journalistinnen und Journalisten, die für die Verbreitung korrekter Informationen auf verlässliche Quellen angewiesen sind, und das Publikum, das die journalistischen Produkte konsumiert.

Martin Bernstein, Polizeireporter bei der "Süddeutschen Zeitung"

Die Aufgabe der Medien ist es, den Menschen eine Orientierung zu bieten, einen "Wegweiser durch den Nachrichtendschungel", wie Martin Bernstein von der "Süddeutschen Zeitung" es ausdrückt. In "Zeiten, wo jeder glaubt, 140 Zeichen auf Twitter wären bereits eine Nachricht", sei es umso wichtiger "zu sagen, warum ist diese Meldung, diese Geschichte, diese Nachricht wichtig? Wie kannst du sie in dein Leben einbauen? Ist es relevant?"

Typische Fehler

1.

Seriosität und Herkunft von Nachrichten nicht zu hinterfragen

2.

Soziale Medien (engl. Social Media) als sichere Nachrichtenquelle zu betrachten

3.

Quellenangaben für unwichtig zu halten

Spickzettel

Informationstexte aus objektiver Perspektive

  • Die Meldung,
  • die Nachricht,
  • der Bericht.

W-Fragen zur Meldung

  • WER ist beteiligt?
  • WAS ist geschehen?
  • WANN ist es geschehen?
  • WO ist es geschehen?

Und möglichst auch:

  • WIE ist es geschehen?

W-Fragen zu Nachricht und Bericht

Sieben W-Fragen:

  • WER ist betroffen?
  • WAS ist geschehen?
  • WANN ist es passiert?
  • WO ist es geschehen?
  • WIE ist es geschehen? (Welche Folgen?)
  • WARUM?
  • WOHER stammt die Information?

Aufbau von Nachricht und Bericht

  • Die "Head" (Überschrift) → weckt Aufmerksamkeit.
  • Das "Lead" (Vorspann) → motiviert zum Weiterlesen.
  • Der Text

Nachricht vs. Bericht

  • Nachricht und Bericht sind wichtige Informationstexte aus objektiver Perspektive.
  • Der Bericht ergänzt die Nachricht um zusätzliche Elemente wie konkrete Einzelheiten, Hintergründe und Einordnungen.