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Sachtexte Worum geht es bei der Sachtextanalyse?

Von: Prof. Dr. Juliane Köster

Stand: 04.04.2017

Hier beantworten wir folgende Fragen:

  • Wie wird ein Ausgangstext analysiert?
  • Wie schreibt man einen Zieltext?

Der Text, der gelesen wird, heißt Ausgangstext. Der Text, den man dann schreibt, heißt Zieltext.

Lesen des Ausgangstextes

Um was für einen Text handelt es sich?

  • Wo wurde er publiziert? In einer Zeitung, einem Magazin oder einem Fachbuch?
  • Will der Text in erster Linie informieren? Will er von einer Sache überzeugen oder will er die Leser zu etwas auffordern?
  • Um welches Thema geht es?

Wenn wir das geklärt und notiert haben, kümmern wir uns um den Inhalt im Einzelnen.

  • Wir fragen uns: Was sagt die Autorin/der Autor?
  • Wir notieren uns die Antworten.

Bei Informationstexten müssen wir W-Fragen stellen: Was? Wann? Wie? Wo? Wie? Warum? Woher?

Bei appellativen Texten, also z. B. bei Kommentaren und politischen Reden, fragen wir nach der Position des Autors: Was vertritt er? Wofür setzt er sich ein? Außerdem fragen wir nach den Argumenten, mit denen er die eigene Position vertritt.

Beim Lesen des Ausgangstextes geht es nicht nur darum, was die Autorin oder der Autor sagt. Es geht auch darum, was der Autor tut, wenn er etwas sagt.
Es macht einen Unterschied, ob er

  • etwas feststellt,
  • etwas fragt oder
  • etwas kritisiert,
  • ob er eine Schlussfolgerung zieht,
  • ein Beispiel gibt oder
  • einen Lösungsvorschlag macht.

Wer so liest, analysiert den Text bereits.

Verfassen des Zieltextes

Der Zieltext ist keine fotografische Abbildung des Ausgangstextes. Sonst könnten wir ihn ja einfach abschreiben oder fotokopieren.  Er darf auch keine Nacherzählung des Ausgangstextes sein.

Beim Schreiben des Zieltextes müssen wir eine Vogelperspektive einnehmen.

Der Zieltext ist wie eine Luftaufnahme von einer Stadt. Aus der Höhe wird das Textganze in seinen Teilen und seiner Struktur erkennbar. Während man sich beim Lesen des Textes sozusagen durch die lebendige Stadt bewegt, nimmt die Sachtextanalyse die Vogelperspektive ein: Der Blick richtet sich aufs Ganze. Es wird deutlich, aus welchen Bestandteilen der Text besteht und wie diese zusammenhängen.

Der Zieltext wird so gegliedert, wie wir beim Lesen des Ausgangstextes vorgegangen sind. Der Zieltext unterscheidet sich vom Ausgangstext durch folgende Merkmale:

  • Durch Distanz: Sie entsteht dadurch, dass wir den Text wie von oben betrachten und über den Text Auskunft geben.
  • Durch geringere Textlänge: Informationen werden zusammengefasst, auf Einzelheiten wird verzichtet.
  • Durch eigene Formulierungen: Damit der Text kürzer wird und damit klar wird, dass wir über einen Text schreiben, müssen wir uns vom Wortlaut und dem Satzbau des Ausgangstextes lösen.
  • Durch Beschreibungssprache: Damit das gelingt, müssen wir benennen können, was die Autorin oder der Autor tut.

Textfunktionen

Mit dem Begriff Sachtext werden sowohl journalistische Texte als auch Gebrauchstexte bezeichnet. Es werden verschiedene Textfunktionen unterschieden.

  1. Informationsfunktion
  2. Appellfunktion
  3. Verpflichtungsfunktion
  4. Deklarationsfunktion
  5. Kontaktfunktion

Beispiele für Sachtexte und ihre kommunikative Funktion

  • Bericht, Nachricht, wissenschaftliche Publikation: einen Sachverhalt darstellen (Information)
  • Rede, Wahlprogramm, Kommentar, Anleitung: zu einem bestimmten Verhalten auffordern (Appel)
  • Vertrag, Garantieschein: sich verpflichten, versprechen (Verpflichtung)
  • Urkunde, Vollmacht: etwas bewirken (Berechtigung, Deklarieren einer neuen Realität)
  • Ansichtskarte, Gratulations- oder Kondolenzschreiben: Herstellung bzw. Erhaltung des persönlichen Kontakts (Kontaktfunktion)

Weitere Formen des Sachtextes sind die Glosse, die Reportage, das Interview und die Kritik. Häufig werden mit einem Sachtext mehrere Absichten gleichzeitig verfolgt; ein solcher Text wird als Mischtext bezeichnet. Ein auf die wesentlichen Aspekte verkürzter Text wird als Kurzfassung bezeichnet, bei künstlerischen Werken als Inhaltsangabe.

(vgl.: Klaus Brinker: Linguistische Textanalyse: Eine Einführung in Grundbegriffe und Methoden, Berlin 1997)

Typische Fehler

1.

Zu nah an der Textvorlage zu bleiben; Wörter einfach nur durch Synonyme zu ersetzen

2.

Auszulassen, was man nicht verstanden hat

3.

Zu bewerten statt wiederzugeben

Spickzettel

Zentrale Fragen

  • Um was geht es? (= Thema und Funktion)
  • Was sagt die Autorin/der Autor?
  • Was tut die Autorin/der Autor?

Verfassen des Zieltextes

  • Wiedergeben ist nicht nacherzählen. Es geht ums Textverstehen und darum, das Verstandene aufzuschreiben.
  • Vogelperspektive einnehmen