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Lebensgemeinschaft Wald (1) Pflanzen und Tiere im Wald

Deutschland ist ein Waldland. Ein Drittel der Gesamtfläche unseres Landes decken Wälder. Aber wer weiß schon, welche überraschende Vielfalt an Pflanzen und Tieren in dieser so oft verklärten, deutschen Seelenlandschaft lebt?

Stand: 10.03.2020

Hier erfährst du u. a. Details über:

  • die Tiere des Waldes und ihre Stellung im Ökosystem,
  • die heimischen Nadel- und Laubbäume,
  • typische Vertreter der Strauch-, und Krautschicht,
  • die ökologische Bedeutung der Waldameisen,
  • die Bodenlebewesen und ihre Aufgabe im Wald.

Zur Lebensgemeinschaft Wald gehören nicht nur Pflanzen, sondern auch Tiere. Ein ständiger Bewohner unserer Wälder ist das Reh. Während die weiblichen Rehe, die Geißen, manche sagen auch Ricken zu ihnen, keinen Kopfschmuck tragen, imponiert der Rehbock mit seinem Gehörn. Der Rothirsch ist unser größtes und wehrhaftestes Waldtier. Sein Geweih nimmt mit seinem Alter an Größe zu. Jedes Jahr im Februar wirft er seinen Kopfschmuck ab, anschließend wächst dieser aber wieder nach. Weibliche Tiere tragen kein Geweih. Lieblingsnahrung der Hirsche sind Gräser und Waldfrüchte, und die Rinde der Bäume. Hirsche sind tagsüber aktiv.

Das Wildschwein hat sich in vielen Waldregionen stark vermehrt. Wildschweine leben in der Rotte. Meistens gehören dazu die Schwestern einer Familie mit ihrem Nachwuchs, den Frischlingen. Die männlichen Schweine bleiben bis zur Paarungszeit im Frühjahr unter sich. Im Waldboden suchen sie nach Würmern, Bucheckern und Eicheln.

Eicheln sind auch die Leibspeise der Eichelhäher. Für den Winter legt der Eichelhäher sich Vorräte an. Weil er aber nicht alle seine Verstecke wiederfindet, sät er so Eichen aus. Auch die Eichhörnchen sorgen vor und verstecken Eicheln im Boden. Wenn sie Hunger haben, graben sie diese wieder aus.

Meterhohe Hügel weisen auf die Wohnstätten der Waldameisen hin. In einem Ameisenhügel, lebt ein ganzer Staat der Roten Waldameise, ihm gehören mehrere Königinnen und Tausende von Arbeiterinnen an. Waldameisen gelten als die Polizei des Waldes. Sie vertilgen die Larven der Forstschädlinge und stehen unter Naturschutz.

Die ersten Bäume entstanden vor rund 300 Millionen Jahren. Damals, im Karbon - der Steinkohlezeit - wuchsen die bekannten riesigen Wälder mit den Bärlapp-, Farn- und Schachtelhalmbäumen in einem günstigen feuchten und tropischen Klima. Der Name "Steinkohlezeit" weist darauf hin, dass dies die Zeit der Speicherung des in verschiedenen Verbindungen in Pflanzen vorkommenden Kohlenstoffs ist, dessen Umwandlungs- und Endprodukte wir heute verfeuern und wieder freisetzen. Nachdem das Klima trockener wurde, gingen die Bärlapp-, Farn- und Schachtelhalmbäume zurück und es entstanden vor 270 Millionen Jahren unsere Nadelbäume. Über 200 Millionen Jahre beherrschten dann die Nadelbäume das Landschaftsbild. In dieser Zeit entwickelte sich auch eine Baumart, die als erdgeschichtliches Relikt bis heute überlebt hat: Der Ginkgo. Der Ginkgobaum ist eine Übergangsart zwischen den Nadel- und Laubbaumarten.

Eis- und Warmzeiten im Wechsel

Vor rund 100 Millionen Jahren entwickelten sich die Laubbäume und wurden zum vorherrschenden Wald. Vor etwa 1 Million Jahren begann sich das Klima auf der nördlichen Halbkugel stark abzukühlen. Die Eiszeiten kamen. Von 600000 bis 12000 v. Chr. wechselten vier Eiszeiten mit wärmeren Zwischenzeiten ab. Nach der Zunahme der Temperatur und dem Rückzug der großen Inlandvereisungen eroberte wieder die Vegetation die Flächen zurück. Allerdings waren viele Pflanzenarten ausgestorben und eine Rückwanderung war durch die Alpen erschwert. Die Folge war eine viel artenärmere Flora als vor der Eiszeit. In diese tundrenartige Flora wanderten zunächst so genannte Pionierbaumarten, wie z.B. die Birken und die Kiefern ein. Dann folgten mit zunehmender Temperatur Haselstrauch und Eichen. Von 5.500 bis 2.500 v. Chr. dehnten sich die Mischwälder aus Eichen, Linden, Ulmen und Eschen aus. Dann wurde das Klima wieder etwas kühler und feucht, was dazu führte, dass die Eichen sich auf die Ebenen zurückgezogen haben. In Bayern wären heute die Buchen die am weitesten verbreiteten Bäume, würde der Mensch nicht in den Wald eingreifen

Anteile der Baumarten in Deutschland:

Fichte und sonst. Nadelbäume 35%
Buche und sonst. Laubbäume 25%
Kiefer und Lärche 31% Eiche 9%
(Daten der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald)

Die Fichte nimmt flächenmäßig den größten Anteil in Deutschland ein. In Bayern ist sie mit einer Verbreitung auf 44 Prozent der Waldfläche die häufigste Baumart. Fichten besitzen einen langen, geraden Stamm mit schuppiger, in jungen Jahren rötlicher Rinde. Ihre hängenden Zapfen fallen nach der Reife als Ganzes ab. Fichten werden zwischen 30 und 45 m, im Einzelfall sogar bis zu 60 m hoch. In Wirtschaftswäldern werden Fichten in einem Alter von 80 bis 130 Jahren genutzt. Die Fichte wächst relativ schnell. Als wichtigster Holzlieferant der heimischen Forstwirtschaft und wegen ihrer hohen Erträge gilt sie als der "Brotbaum" der Waldbesitzer. Auf staunassen Böden wurzelt die Fichte relativ flach und ist dann durch Sturmwurf gefährdet Auch Borkenkäfer befallen bevorzugt die Fichten.

Das Fichtenholz ist vergleichsweise weich. Im Verhältnis zu seinem relativ geringen Gewicht besitzt Fichtenholz aber dennoch sehr gute Festigkeitseigenschaften und ist deshalb das wichtigste Bau- und Konstruktionsholz.

Auf den ersten Blick sieht die Tanne der Fichte relativ ähnlich. Die Zapfen der Tanne stehen jedoch aufrecht auf den Zweigen und zerfallen noch am Baum in einzelne Samenschuppen. Die Zapfen der Fichte dagegen hängen und fallen als ganze Zapfen ab. Tannennadeln sind flacher und weicher als die der Fichte und auf der Unterseite hell gestreift. Auffällig an der Tanne ist Ihre im Alter abgeflachte Krone. Sie wird auch als "Storchennestkrone" bezeichnet. Tannen erreichen Höhen von 30 bis 50 m, im Einzelfall sogar über 60 m. Mit 500 bis 600 Jahren können sie ein beachtliches Alter erreichen. Auf günstigen Standorten zeigen Tannen ausgezeichnete Wuchsleistungen und liefern, ähnlich der Fichte, ein gefragtes, vielseitig verwendbares Holz. Tannenholz ist, ähnlich dem Fichtenholz, relativ weich. Die Tanne wird der Fichte immer dann vorgezogen, wenn deren Harzgehalt stören würde, wie z.B. im Saunabau. Trotz ihres geringen Anteils von derzeit circa 2 Prozent an der Gesamtwaldfläche ist die Tanne eine sehr wichtige Baumart in Bayerns Wäldern. Im Gegensatz zu anderen Baumarten können Tannen lange Zeit im Schatten anderer Bäume wachsen. Sie sind deshalb besonders gut zum Aufbau vielschichtiger und stabiler Mischwälder geeignet. Die Tanne ist ein Pfahlwurzler, sie kann damit auch schwere Böden tiefgründig erschließen und ist daher auf solchen Standorten von großer ökologischer Bedeutung. Gegenüber Stürmen ist sie wesentlich "standhafter" als die flachwurzelnde Fichte.

Die Kiefer - auch Föhre genannt - ist in Bayern nach der Fichte der zweithäufigste Waldbaum, ihr Anteil an der Gesamtwaldfläche beträgt rund 19 Prozent. Die Kiefer stellt nur geringe Nährstoffansprüche und wächst auch auf trockenen Sandböden. Sogar auf Sanddünen kommt sie von Natur aus vor. In der Vergangenheit wurde sie vorzugsweise verwendet, um große Kahlflächen nach Windwurf oder Insektenfraß zu bepflanzen. Von Natur aus fände die Kiefer nur auf nährstoffarmen, trockenen oder nassen Extremstandorten einen Lebensraum. Auf den "besseren" Standorten würde sie von Buche und Fichte verdrängt werden. Typisch für ältere heimische Waldkiefern ist der Gegensatz zwischen der tiefrissigen, plattigen Rinde im unteren und der fein abblätternden, glänzenden "Spiegelrinde" im oberen Stammbereich. Alte Kiefern haben meist eine abgerundete, schirmförmig ausgebreitete Krone. Auf guten Böden werden Kiefern bis zu 45 Meter hoch.

Das Holz der Kiefer ist mittelschwer, mäßig hart und besitzt entsprechend gute Festigkeits- und Elastizitätseigenschaften. Kiefernholz ist gleichermaßen geschätzt als Ausstattungsholz (für Möbel etc.) sowie als Bauholz, insbesondere im Außenbereich (z.B. als Fensterholz).

Die Buche ist mit einem Anteil von etwa 12 Prozent an der Waldfläche die häufigste Laubbaumart Bayerns. Ohne den steuernden Einfluss des Menschen auf die Wälder wäre der größte Teil Bayerns von Buchen- oder Buchen-Mischwäldern bedeckt. Deshalb und weil sie mit ihren Wurzeln und mit ihrem Laub den Boden auflockern und verbessern kann, wird sie auch als "Mutter des Waldes" bezeichnet. Bekannt sind ihre auch für den Menschen genießbaren Früchte, die Bucheckern.

Buchen haben Stämme mit glatter, grau schimmernder Rinde und bilden weit ausladende Kronen aus. Auf guten Standorten werden Buchen bis zu 50 m hoch, ihr Höchstalter liegt bei etwa 300 Jahren. Für die naturnahe Forstwirtschaft ist die Buche eine wichtige Baumart. Bei gezielter Pflege und in Mischung mit anderen Baumarten sind besonders vielfältige und vielschichtige Bestände möglich. Wertvolle Buchenstämme, wie sie zur Herstellung von Schäl- oder Messerfurnieren gebraucht werden, haben in der Regel einen Mittendurchmesser (Durchmesser in der Mitte des Stammes) von 40 cm und darüber. Die Buche liefert ein schweres, hartes Holz mit sehr guten Festigkeitseigenschaften und hoher Abriebfestigkeit. Es wird vielseitig von der Papierherstellung bis zum Möbelbau eingesetzt. Gedämpft lässt es sich auch gut biegen und wird daher zum Beispiel für Bürostühle gerne verwendet. Zudem ist das Holz der Buche ein hervorragendes Brennholz.

Eichen

Stieleiche (Quercus robur) und Traubeneiche (Quercus petraea) sind die heute über Deutschland verbreiteten heimischen Arten der Eiche. Allerdings stellen sie mit rund sieben Prozent einen nur geringen Anteil am Wald dar. Wegen ihrer ähnlichen Lebensgewohnheiten und ihres Aussehens spricht man bei uns landläufig von "der Eiche". Die Artunterscheidung in Stieleiche und Traubeneiche erklärt sich aus dem Fruchtansatz. Die Eicheln sitzen einmal an langen Stielen, zum anderen am Zweig traubenartig gehäuft.

In Mitteleuropa treten beide Eichenarten gemeinsam auf: Die Stieleiche besiedelt jedoch ein größeres Areal, südlich bis Sizilien und Anatolien, östlich bis zur Steppengrenze. Ihr Schwerpunkt ist der mitteleuropäische, gemäßigt kontinentale Klimabereich. Als typischer Baum der Auengebiete kommt sie an den großen mitteleuropäischen Flüssen Rhein, Donau und Save vor. An vielen Flüssen wurden Auenwälder durch Flussbegradigungen zerstört und damit auch Stieleichenstandorte für immer beseitigt. Das Hauptverbreitungsgebiet der Traubeneiche liegt im tieferen Bergland. Sie wächst im Bereich der deutschen Mittelgebirge bis in die Südalpen.

Beide Eichen sind typische Lichtbaumarten, unterschiedlich ist ihr Anspruch an die Wasserversorgung. Generell braucht die Stieleiche mehr Feuchtigkeit und mehr Nährstoffe als die Traubeneiche. Letztere bevorzugt wärmere Lagen. Auf gut wasserversorgten und nährstoffkräftigen Böden des Tieflandes ist die Stieleiche vergesellschaftet mit Esche, Ahorn und Vogelkirsche. Die früher immer dazugehörende Ulme ist durch einen vom Ulmensplintkäfer übertragenen Pilz selten geworden. Im bodentrockenen, felsigen Hügelland sind der Traubeneiche Hainbuche, Winterlinde und verstärkt die Rotbuche beigemischt. Reine Eichenwälder existieren praktisch nicht mehr. Der Waldumbau in Deutschland zielt auf den Eichenmischwald, der natürlicher Lebensraum vieler Pflanzen- und Tierarten ist.

Das natürliche Alter der Eichen wird mit bis zu 800 Jahren angegeben, wobei auch höhere Alter einzelner Exemplare nicht selten sind. In der Jugend raschwüchsig in der Höhe, können die Eichen im Laufe ihres Lebens einen beachtlichen Umfang erreichen. Etwa mit 80 Jahren kommt es in den Eichenbeständen zu Mastjahren. Darunter versteht man einen überreichen Behang an Eicheln. Stieleichen blühen im April/Mai, Traubeneichen ungefähr zwei Wochen später. Beide windbestäubenden Eichen kreuzen sich leicht miteinander. +

Die Früchte reifen ab Ende September bis Anfang/Ende Oktober. Eichen sind intensive Tiefwurzler mit gutem Bodenaufschlussvermögen. Die sich zunächst ausbildende Pfahlwurzel wandelt sich mit zunehmendem Alter in ein Herzwurzelsystem. Selbst dichte Tonböden können so von der Stieleiche erschlossen werden. Sogar auf Staunässeböden erschließen einzelne Wurzeln den verdichteten Boden und sorgen so für Drainage. Ein guter Helfer für die Mischwaldgestaltung ist der Eichelhäher. Für seine eigene Vorratshaltung versteckt er Eicheln im Waldboden, findet aber nicht alle wieder. Haben diese "Versteckten Eicheln" Mäuse und Wildschweine auf deren Nahrungssuche überlebt, keimen sie und wachsen heran zu Eichen.

Eichenholz gilt als das klassische Holz für den Haus- und Möbelbau. Das gilt für den Außen- wie für den Innenausbau und die Ausstattung mit rustikalem Mobiliar. Im Garten- und Landschaftsbau findet die Eiche wieder eine stärkere Nachfrage. Seit der Antike wurde die Eiche für Handels-, Kriegs-, und Entdeckerschiffe verwendet. Auch heutige Segelboote und Yachten sind vielfach aus Eichenholz.

Seinen Namen hat der Rothirsch von seiner Färbung im Sommer. Von Juni bis September ist er rotbraun. Zwei Drittel des Jahres ist sein Haar jedoch bräunlich-grau. In der Jägersprache sind "Hirsche" die männlichen und "Tiere" die weiblichen Tiere. Die Jungen heißen Kälber. Alle zusammen nennt der Jäger "Rotwild".

Systematische Einteilung:

Klasse Säugetiere (Mammalia)
Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Familie: Hirsche (Cervidae)
Unterfamilie: Echte Hirsche (Cervinae)
Gattung: Hirsch (Cervus) Art: Rothirsch (Cervus elaphus)

Die Art ist nur entfernt verwandt mit dem Reh. Das Reh ist nicht die Frau vom Hirsch, wie manche glauben, sondern eine andere Tierart! Im besten Alter bringt ein Hirsch bis zu 200 kg auf die Waage (so viel wie zehn Rehe!), ein weibliches Tier die Hälfte. Mit etwa fünf Jahren ist Rotwild erwachsen. Seine Lebenserwartung liegt bei 20 Jahren, wenn es nicht einer Krankheit oder dem Jäger zum Opfer fällt. Natürliche Feinde hat gesundes, erwachsenes Rotwild nicht.

Das Geweih des Hirsches ist ein Statussymbol, Werkzeug, Waffe und Objekt der Begierde zugleich. Das erste Geweih bildet sich mit etwa elf Monaten. Es sind Spieße, die von Mai bis September wachsen und von einer pelzigen Haut umgeben sind, dem Bast. Hier werden die Aufbaustoffe - hauptsächlich Kalk - in der Blutbahn herantransportiert. Im folgenden Jahr fallen die beiden Spieße ab. Dann entsteht jedes Jahr innerhalb von hundert Tagen ein neues Geweih. Der Hirsch braucht es vor allem für drei Wochen im Herbst während der Brunft, der Paarungszeit; denn dann muss er dem anderen Geschlecht imponieren oder neidische Rivalen in die Flucht schlagen. Die Vorfahren des Rothirsches besaßen im Oberkiefer lange, scharfe Eckzähne. Im Laufe von Jahrmillionen haben sie sich zu kurzen Stumpen zurückgebildet. Heute tragen die Menschen diese als Schmuck zum Trachtengewand. Manche Leute glauben an geheimnisvolle medizinische Kräfte, die in den Bastgeweihen stecken. In China dient Hirschhorn pulverisiert als Aphrodisiakum.

Im Rudel haben die Mütter das Sagen. "Kahlwild" nennen die Jäger die Mütter und ihren Nachwuchs, weil sie kahle Köpfe haben, nämlich kein Geweih tragen. Im Kahlwildrudel sind alle miteinander in direkter Linie verwandt, also Mütter und Töchter. Die jungen Hirsche verlassen die Familienverbände spätestens als Zweijährige, ziehen weit umher und leben einzeln oder in Junggesellentrupps.

Im August nimmt bei den Hirschen das männliche Hormon Testosteron zu. Sie schlagen die Basthaut von den Geweihstangen, fangen untereinander Streitigkeiten an und machen sich auf die Wanderung zu den Kahlwildrudeln. Rudelführer wird jeweils der Stärkste. Mit dröhnendem Brunftgeschrei halten die Leithirsche andere Hirsche von ihrem Harem fern und imponieren den weiblichen Tieren.

Rehe

Das Reh ist die kleinste und häufigste Hirschart unseres Kontinents. Es fehlt auf den Mittelmeerinseln, dem Peloponnes und auf Irland.

Systematische Einteilung:

Klasse Säugetiere (Mammalia)
Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Familie: Hirsche (Cervidae)
Unterfamilie Trughirsche (Capreolinae)
Gattung: Reh (Capreolus)


Das Reh unterliegt dem Jagdrecht und wird dort dem Schalenwild zugeordnet. Männliche Tiere (Böcke) tragen ein Geweih (in der Jägersprache „Gehörn“ genannt), das jährlich in der Zeit von Oktober bis November abfällt, aber unter einer schützenden und nährenden Basthaut sofort neu zu wachsen beginnt. Die Basthaut stirbt nach Abschluss der Geweihbildung ab und wird dann vom Bock durch Reiben ("Fegen") an Büschen und jungen Bäumen von der verbleibenden Knochenmasse entfernt.

Das Fell ist im Sommer kräftig rotbraun, im Winter graubraun oder dunkelbraun. Das Fell der Rehkitze ist rotbraun und weist eine weiße Punktierung auf dem Rücken und auf den Flanken auf. Rehe bevorzugen Bereiche mit ausreichender Deckung und Äsungsvielfalt, wie abwechslungsreiche Waldrandzonen. Diesem Lebensraum entspricht auch der Körperbau. Er ist für das leichte Einschlüpfen und das lautlose Bewegen im Buschwerk sehr gut geeignet. Das Reh ist sehr anpassungsfähig und deshalb ein erfolgreicher Kulturfolger. Die in den sechziger Jahren vor allem in Süddeutschland entstandenen fast baum- und strauchlosen Ackerflächen hat es schnell mit einer angepassten Lebensweise besiedelt. Nach ihrem individuellen Lebensraum werden Rehe beispielsweise als Waldreh oder Feldreh bezeichnet. Obwohl dies keine unterschiedlichen Rassen sind, zeigen sie Unterschiede in Konstitution, Verhaltensweise und Populationsdynamik. Im Winter vereinigen sich Rehe zu Familienverbänden (in der Jägersprache "Sprünge" genannt).

Die Paarungszeit (Brunft) findet in Mitteleuropa Ende Juli bis Anfang August statt. Bei Rehen kommt es im Gegensatz zu anderen Hirscharten zur Keimruhe. Das befruchtete Ei entwickelt sich erst ab Dezember und führt zur Geburt der Jungtiere (Kitze) im Mai des folgenden Jahres. Das weibliche Reh (Ricke, süddeutsch Geiß) bringt ein, meistens zwei, selten drei Kitze zur Welt, die durch Längsreihen weißer Flecken gekennzeichnet sind. Diese Zeichnung verliert sich im Laufe der Zeit. Etwa eine Woche bleibt das Rehkitz im hohen Gras zurück, während das Muttertier äst und zur Fütterung zurückkehrt. In dieser Zeit sind die Kitze besonders durch Fressfeinde und Landwirte gefährdet, die um diese Jahreszeit das Gras ihrer Wiesen mähen. Rehe werden im Alter von eineinhalb Jahren geschlechtsreif.

Rehe werden in allen europäischen Ländern gejagt. Seit der Ausrottung großer Raubtiere (Wolf, Luchs) in weiten Teilen Europas haben die erwachsenen Tiere dort keine natürlichen Fressfeinde. Trotz erheblicher Jagdstrecken wuchs der Rehwildbestand in den letzten Jahrzehnten erheblich. Während in den 1970er Jahren die Zahl der erlegten Tiere in Deutschland noch zwischen 600.000 bis 700.000 Stück lag, wurden in den letzten Jahren jeweils etwa 1.100.000 Rehe erlegt, das sind über 9500 Tonnen Wildfleisch.

Schwarzkittel (oder Wildschwein)

Auf der Suche nach Würmern und Maden durchwühlt das Wildschwein den Waldboden und schafft so ein gutes Keimbeet für junge Bäume. Im Wald ist es nützlich, es vertilgt eine ganze Menge an Larven und Puppen forstschädlicher Insekten und auch Mäuse. Am besten geht es ihm, wenn es sich in einem Schlammloch "suhlen" kann und wenn es eine Mast gibt, also wenn Buche oder Eiche besonders viele Früchte tragen. Mit Vorliebe fallen Wildschweine auch in Getreide- und Maisfelder ein und verursachen dort erhebliche Schäden zum Missfallen der Landwirte. Wildschweine sind in der Lage, sich unterschiedlichen Lebensräumen anzupassen, sie sind ausgesprochene Allesfresser.

Systematische Einteilung:

Klasse Säugetiere (Mammalia)
Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Familie: Echte Schweine (Suidae)
Art: Wildschwein (Sus scrofa)

Wildschweine leben gesellig in der Rotte. Solche Familienverbände bestehen aus einer Leitbache und ihren Schwestern und Töchtern. Die männlichen Schweine, die Keiler, halten sich nur zur Rauschzeit bei den Rotten auf, in der Zeit zwischen Dezember und Januar. Die Bachen einer Rotte richten ihre Rauschzeit nach jener der Leitbache, d.h. alle werden gleichzeitig rauschig.

In der Regel werden Wildschweine geschlechtsreif, wenn sie zwei Jahre alt sind, manche auch schon früher. Im April werden die Frischlinge ( meistens 3 - 12) geboren. Wenn die Familienverbände zerstört werden, bekommen Wildschweine auch öfter im Jahr Nachwuchs. Die jungen Keiler vom Vorjahr verlassen im Frühjahr die Rotte und bilden eigene "Junggesellenrotten", bis sie dann als zweijährige Einzelgänger werden und sich nur zur Rauschzeit der Bachen einer Rotte anschließen. Zur Fortpflanzung kommen sie allerdings nur, wenn noch kein stärkerer Keiler anwesend ist bzw. der das duldet.

Verantwortlich für die Bestandsexplosion der Wildschweine in den letzten Jahren ist vor allem das reichliche Nahrungsangebot: Ausgedehnte Maisfelder - 300 Prozent Steigerung der Anbaufläche in 50 Jahren -, dauerhaft milde Winter und unvermindert große Mengen von Kastanien, Eicheln oder Bucheckern in den Wäldern. Die Anpassungsfähigkeit der Wildschweine zeigt sich besonders in den Großstädten, z. B. in Berlin. Wildschweine haben sich dort die stadtnahen Wälder als Lebensraum erobert und dringen heute auch in die Vorstädte ein. Gelegentlich führt sie ihr Weg bis in die Innenstadt. Der Bestand an Wildschweinen rund um Berlin wird mittlerweile auf 10.000 Tiere geschätzt. Im unmittelbaren Stadtgebiet fühlen sich nach Schätzungen der Berliner Forstverwaltung rund 4.000 Tiere wohl. Sie dringen in die Gärten und Parks ein und richten dort z. T. beträchtliche Schäden an. Sie durchstöbern auch Mülltonnen nach Essensresten. Die intelligenten Tiere registrieren sehr schnell, dass ihnen in Wohngebieten keine Bejagung droht. Der Berliner Senat hat ein strenges Fütterverbot erlassen, um zu verhindern, dass noch mehr Wildschweine in die Stadt gelockt werden.

Waldameisen gelten als wichtiger Teil des Ökosystems Wald, da sie viele Forstschädlinge, z.B. den Borkenkäfer, fressen. Sie spielen auch eine Rolle bei der Verbreitung von Samen und der Belüftung des Bodens. Sie gelten als die Gesundheitspolizei des Waldes. Tote oder gerade erbeutete Insekten werden Stück für Stück von ihnen "entsorgt". Sie transportieren sie in Teamarbeit zu ihrem Bau. Außerdem "halten" sie sich Blattläuse, die sie wegen ihrer süßen Ausscheidungen "melken".

Systematische Einteilung:

Klasse: Insekten (Insecta)
Ordnung: Hautflügler (Hymenoptera)
Familie: Ameisen (Formicidae)
Gattung: Waldameisen
Art: Rote Waldameise (Formica rufa)

Besonders auffällige Nester errichten die hügelbauenden Waldameisen. Diese Ameisenhügel können eine Ausdehnung von mehreren Metern erreichen und sind oft an Waldrändern oder Lichtungen zu finden. In einem Nest lebt ein Ameisenstaat, der besteht aus mehreren Königinnen und ihren Arbeiterinnen.

Sie besiedeln gut besonnte Stellen am Waldrand von Laubwäldern und Nadelwäldern aller Art. Seltener dringen sie tiefer in das Bestandsinnere vor und meiden auch schattige Fichtenwälder. Die Waldameise ist von Iberien bis zum Baikalsee verbreitet und kommt darüber hinaus auch in Kleinasien sowie im Kaukasus vor.

Lebensweise


Für die Nestgründung wird ein morscher Baumstumpf gesucht und in den folgenden Wochen ein Haufen aus Baumnadeln, kleinen Ästen und Moos zusammengetragen. Überwiegend bestehen die Streukuppen aus Fichtennadeln. Die Haufen können eine Ausdehnung und Höhe von bis zu drei Metern erreichen.

Die Brut wird von den Arbeiterinnen in dem weiträumigen, stockwerkartigen Gang- und Kammersystem des Hügels je nach Wärme- und Feuchtigkeitsbedürfnis herum getragen, damit kein Schimmel entsteht.

Im Ameisenstaat gibt es eine ausgeprägte Arbeitsteilung. Man findet unterschiedliche Formen von Ameisen, die an ihre jeweiligen Aufgaben angepasst sind. Am zahlreichsten sind unfruchtbare Tiere ohne Flügel, die Arbeiterinnen.

Ein Ameisenvolk hat auch einige hundert fruchtbare Weibchen - die Königinnen. Im Juni kann man geflügelte Männchen sehen. Sie paaren sich auf einem Hochzeitsflug mit den angehenden Königinnen. Bei der Begattung erhält die Königin einen Spermienvorrat, der für ihre etwa 20-jährige Lebenszeit reicht. Da die Männchen danach keine wichtige Rolle mehr für den Ameisenstaat spielen, werden sie aus dem Staat vertrieben und sterben nach nicht allzu langer Zeit. Die Königinnen streifen ihre Flügel an vorhandenen Sollbruchstellen ab und kehren in ihr Nest zurück.

Waldameisen und ihre Nester sind in Deutschland nach der Bundesartenschutzverordnung geschützt.

1. Nadelbäume
• Woran kann man die Nadeln einer Fichte erkennen?
• Woran kann man eine Tanne von einer Fichte unterscheiden?
• Wo sitzen auf dem Baum die Früchte der Tanne, der Fichte?
• Woran erkennt man eine Kiefer?

2. Laubbäume
• Woran erkennt man eine Eiche?
• Welche Früchte hat die Eiche?
• Welche Früchte stammen von der Buche?
• Weshalb kann man eine Buche an ihrer Rinde. erkennen?

3. Sträucher am Waldrand
• Wie unterscheidet sich ein Strauch von einem Baum?
• Welchen Standortvorteil haben die Sträucher am Waldrand, im Vergleich zu den Sträuchern im Wald?
• Fallen dir noch andere Sträucher ein, die du an Waldrändern finden kannst?

4. Waldboden
• Welche Tiere findet man im Waldboden?
• Im Wald lebt ein Staat von Insekten? Welche Tiere sind das?
• Welche Funktion haben die Bodentiere im Lebensraum Wald?

5. Wild
• Welches ist das größte Säugetier im Wald?
• Wer trägt bei Reh und Hirsch jeweils das Geweih?
• Vergleiche Reh und Hirsch. Welche Unterschiede fallen dir auf?

Didaktische Hinweise für Lehrer

Der Inhalt eignet sich für den Einsatz in den Fächern PCB und Biologie ab der 9. Jahrgangsstufe.

Lehrplanbezüge für bayerische Schulen

Haupt-/Mittelschule

8 Jgst
8.2.1 Pflanzen und Tiere im Wald
- Tiere des Waldes im Überblick; Pflanzen des Waldes: typische Vertreter der Kraut-, Strauch- und Baumschicht; Bestimmen mit einfachen Bestimmungshilfen
- Insekten im Lebensraum Wald, z.B. Staaten bildende Insekten, Borkenkäfer, Ameisen, Wildbienen

Realschule

6. Jgst.
Biologie
6.5. Lebensgemeinschaft Wald -Erscheinungsformen des Lebensraumes
-Licht-, Wasser-, Temperatur-, Wind-und Bodenverhältnisse
-kennzeichnende Tier- und Pflanzenarten; besondere Anpassungen an den Lebensraum

Gymnasium

6. Jgst. Biologie NT
6.1.1. Wirbeltiere in verschiedenen Lebensräumen


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