alpha Lernen - Biologie


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Fortsetzung folgt Alarm bei den Erdmännchen

Die Erdmännchenkolonie des Magdeburger Zoos ist stark gewachsen. Daher mussten die Tiere 2012 in ein größeres Gehege umziehen. Das war gar nicht so einfach. Erdmännchen mögen keine Veränderungen und Transportbehälter schon gar nicht. Da mussten die Tierpfleger richtig tief in ihre Trickkiste greifen.

Von: V. Eklkofer & S. Demmelhuber

Stand: 22.03.2017

Erdmännchen | Bild: BR

Hier lernst du u. a.:

  • Erdmännchen als Vertreter der Säugetiere kennen;
  • spezifische Merkmale und Verhaltensweisen;
  • über Bedingungen und Probleme einer artgerechten Tierhaltung im Zoo nachzudenken;
  • den Erdmännchenumzug im Magdeburger Zoo als Bemühen um einen artgerechten und respektvollen Umgang mit Zootieren zu verstehen.

Es war eng geworden im Erdmännchengehege des Magdeburger Zoos. Die Kolonie war auf zwölf Tiere angewachsen und damit zu groß geworden. Obwohl Erdmännchen ein ausgeprägtes Sozialverhalten zeigen, kommen sie mit beschränktem Raum und hoher Populationsdichte nicht gut zurecht. Sie werden aggressiv, streiten um das Futter und grenzen einzelne Individuen aus.

Um Zank oder gegenseitigen Verletzungen vorzubeugen, mussten sie 2012 in ein größeres und modernes Gehege übersiedeln. Aber so ein Umzug im Zoo ist alles andere als einfach. Zumindest dann, wenn man die Tiere möglichst schonend und stressfrei versetzen möchte.

Worauf es beim Umzug ankam - eine Rückschau auf das Jahr 2012:

Die Tierpflegerinnen Petra Oppermann und Annette Schober betreuen die Gruppe und fühlen sich nicht nur für das leibliche, sondern auch für das seelische Wohl ihrer Schützlinge verantwortlich. Dass es schwierig wird, ist den beiden Pflegerinnen klar: Die ängstlichen Erdmännchen reagieren äußerst empfindlich auf Veränderungen und sind entsprechend nervös, wenn überraschende Ereignisse oder unbekannte Gegenstände ihren gewohnten Alltag durcheinander bringen.

Damit die Umzugskisten keine Panik auslösen, stellen Petra Oppermann und Annette Schober die Transportbehälter zunächst mit offenen Türen ins Gehege. So können sich die Erdmännchen in aller Ruhe an die Fremdkörper in ihrem Revier gewöhnen.

Fressgier und Plan B

Als ahnten sie, was ihnen bevorsteht, meiden die klugen Tiere die Kisten. Auch als die Pflegerinnen Mehlwürmer, die absolute Lieblingsspeise der Erdmännchen, als Köder auslegen, bleiben die meisten skeptisch. Jetzt ist Geduld gefragt. Doch auch nach mehreren Stunden haben sich erst fünf Tiere in die Transportbehälter locken lassen, der Rest der Gruppe ist misstrauisch geworden und macht einen großen Bogen um die Falle.

Da kommt Anette Schober auf eine Idee: Sie legt den Kistenboden mit einer künstlichen Grasmatte aus, deren Flor mit einer Extraportion Futter gespickt ist. Aber auch jetzt ist der Erfolg mager. Nur zwei Erdmännchen lassen sich durch das Kunstgras übertölpeln. Die anderen haben den Braten gerochen und gehen argwöhnisch auf Distanz. Nun hilft nur noch "Plan B": Die Pflegerinnen locken die letzten Verweigerer in den Innenkäfig, um sie dort per Hand einzufangen.

Den Stress aufs Minimum reduzieren

Das wäre geschafft! Einen ganzen Tag hat es gedauert, die scheuen Räuber in die Transportkisten zu verfrachten. Jetzt stellt sich nur noch die Frage, wie die Zwangsumsiedler das 400 Quadratmeter große Neugehege annehmen. Um die Strapazen zu vermindern, haben sie die ersten Tage "Hausarrest". Bevor sie das Freigelände erkunden dürfen, sollen sie sich erst einmal im neuen Wohnzimmer einleben und alles erkunden. Richtig entspannt sind die Tiere zuerst noch nicht. Alles ist fremd, alles riecht anders, schmeckt anders. Doch allmählich werden sie wieder munter und fangen an, ihr neues Zuhause zu inspizieren. Zwei Wochen wird es vermutlich dauern, bis sie nicht mehr fremdeln und die ungewohnte Umgebung endgültig angenommen haben.

Umgezogen aber noch nicht ganz daheim

Nach einigen Tagen ist der Hausarrest aufgehoben. Nun sollen die Erdmännchen die ganze Anlage in Besitz nehmen. Alle Anzeichen sprechen dafür, dass sie den Umzug gut überstanden haben. Ihr Appetit ist ungebrochen, sie sind quicklebendig und haben ihre Duftspuren hinterlassen. Das freut Pflegerin Petra Oppermann besonders: "Sie haben schon überall markiert, in allen Ecken sind schon ihre Häufchen. Das ist schon mal ein gutes Zeichen, die Verdauung klappt, und es sieht insgesamt gut aus."

Die Mühen haben sich gelohnt!

Damit sich die Erdmännchen auch im Außengehege schnell heimisch fühlen, haben die Pflegerinnen aus dem alten Gehege alle Wurzeln und Baumstämme mit umgezogen. Die an ihnen haftenden, vertrauten Gerüche sollen zusätzlich bei der Eingewöhnung helfen. Die ersten Schritte in die neue Freiheit fallen noch ein bisschen zögerlich und tastend aus. Aber die anfängliche Zurückhaltung legt sich schnell.

Schon kurz nach der Freilassung toben die Erdmännchen herum, als hätten sie schon immer hier gelebt. Doch nicht nur die Tiere sind glücklich. Auch Petra Oppermann zieht ein zufriedenes Resümee: "Der Umzug ist fantastisch vonstatten gegangen, außer dass wir vielleicht ein kleines bisschen Geduld brauchten. Aber es hat alles geklappt, wir haben den Stress auf ein Minimum reduziert. Die Mühe hat sich gelohnt."

Die Erdmännchen im Schnelldurchlauf

Systematik

• Klasse: Säugetiere (Mammalia)
• Ordnung: Fleischfresser (Carnivora)
• Unterordnung: Landraubtiere (Fissipedia)
• Familie: Mangusten (Herpestidae)
• Gattung: Erdmännchen (Suricata)
• Art: Suricata suricatta

Natürliche Verbreitung

• Angola,
• Botswana,
• Namibia,
• Südafrika Lebensraum
• Trockengebiete,
• Savanne,
• Wüste,
• offene und trockene Ebenen

Größe und Gewicht

• ausgewachsene Tiere sind bis zu 800 Gramm schwer und 30 Zentimeter groß

Ernährung

• Erdmännchen sind lebendgebärende, tagaktive Säugetiere.
• Sie ernähren sich räuberisch überwiegend von Insekten, Würmern und Spinnen, die sie aus dem Boden scharren.
• Wegen dieser Jagdgewohnheit heißen sich auch Scharrtiere.
• Auf ihrem Speisezettel stehen aber auch kleine Vögel, Eidechsen und Eier.

Ernährung im Zoo

gekochtes Fleisch, Hühnchen, Mäuse, Gemüse, Reis, gekochte Eier
Lieblingsspeise: lebende Mehlwürmer

Verhalten:

Erdmännchen sind ausgesprochen soziale Tiere. Sie leben in Gruppen von etwa 10 bis 30 Individuen, wobei die Weibchen den Ton angeben. Ein auffälliges Kennzeichen ist die Arbeitsteilung der Erdmännchen: während ein Teil der Gruppe nach Nahrung sucht, halten andere Tiere Ausschau nach Feinden. Dabei sitzen sie hoch aufgereckt auf ihren Hinterbeinen und stützen sich mit den Schwänzen ab.

Wittern sie Gefahr, richten sie sich zusätzlich auf ihre Hinterzehen auf und warnen die anderen Tiere durch schrille Alarmschreie. Um die Sicherheit der Gruppe zu gewährleisten, übernehmen sie diese "Stehwachen" in Wechselschichten. Das typische "Wachestehen" hat den Erdmännchen auch ihren deutschen Namen gegeben, der auf die menschenähnlich aufgerichtete Beobachtungshaltung ("Männchen machen") zurückgeht.

Ein weiteres interessantes Verhaltensmerkmal ist darüber hinaus die "Erziehung" der Jungtiere:

"Erdmännchen unterrichten ihren Nachwuchs regelrecht darin, wie sie ihre Beutetiere fangen und töten können. Durch eine bestimmte Art von Ruf signalisieren die Jungen dann, was sie schon gelernt haben und was nicht. Bei zahlreichen Arten schauen sich Jungtiere wichtige Überlebensstrategien von den Älteren ab. Aktives Lehren und Lernen aber, bei dem eine Kommunikation und damit gegenseitige Beeinflussung zwischen Jung und Alt stattfindet, wurde bis vor kurzem nur dem Menschen zugetraut." (Quelle: KiKa)

Tierpfleger im Zoo – Ein Beruf für dich?

Was tut man als Tierpfleger?

Tierpfleger/innen der Fachrichtung Zoo versorgen und betreuen Zootiere. Sie richten artgerechte Tierunterkünfte ein und halten diese sauber. Zudem beschäftigen sie die Tiere und unterstützen die Aufzucht von Jungtieren.

Wie wird man Tierpfleger?

Nach dem Berufsbildungsgesetz ist keine bestimmte Schulbildung vorgeschrieben, aber die Betriebe stellen überwiegend angehende Tierpfleger/ innen der Fachrichtung Zoo mit einem mittleren Bildungsabschluss ein. Die bundesweit geregelte Ausbildung dauert drei Jahre, sie erfolgt im Ausbildungsbetrieb und in der Berufsschule und wird in den Fachrichtungen Zoo, Forschung und Klinik sowie Tierheim und Tierpension angeboten.

Wo arbeitet man als Tierpfleger?

Als Arbeitsstellen kommen in erster Linie in zoologischen Gärten, Naturparks, Tier- bzw. Wildgehegen oder Betreiber von Aquarien und Terrarien in Frage. Darüber hinaus sind sie in Tierheimen und -pensionen sowie in Tierkliniken und Tierarztpraxen oder auf so genannten Gnadenhöfen tätig. Außerdem gibt es auch in der Versuchstierpflege in Forschungsinstituten und -einrichtungen von Universitäten oder von Chemie und Pharmaunternehmen geeignete Tätigkeitsfelder.

Was muss man als Tierpfleger können?

Zu den wesentlichen Ausbildungsinhalten gehören:

• Tier- und Artenschutzbestimmungen
• Haltung, Pflege, Versorgung (tierartgemäße Körperpflege)
• Tierunterkünfte einrichten und instand halten
• Tiertransporte
• Zubereitung von Futterrationen und Futtermischungen( bedarfsgerecht füttern und tränken)
• Fortpflanzung, Zucht und Aufzucht planen und durchführen
• Versorgung trächtiger und neugeborener Tiere
• zoologische Systematik, Tierverhalten, Anatomie
• Desinfektion und Reinigung von Gehegen
• Erkennung von Krankheitsanzeichen
• Durchführung von Quarantänemaßnahmen
• Dokumentation von Arbeitsergebnissen

Didaktische Hinweise für Lehrer

Der Inhalt kann in den Fächern Biologie, HSU und PCB ab der 3. Jgst. eingesetzt werden.

Lehrplanbezüge (Bayern)

Hauptschule
5. Jgst.
PCB
5.3 Tiere und Pflanzen in unserer Umgebung
5.3.1 Säugetiere in unserer Umgebung - frei lebende Säugetiere; wichtige gemeinsame Merkmale von Säugetieren

Realschule
5. Jgst.
Biologie
5.4 Körperbau und Lebensweise von Säugetieren
7. Jgst.
7.3 Programme und Regeln für das Zusammenleben Verhaltensweisen von Tieren: Beispiele, Kennzeichen und Bedeutung - wie Tiere zu Verhaltensweisen gelangen - Lernen bei Tieren: Gewöhnung, Erfahrung, Nachahmung - Sozialverhalten: Gruppenbildung, soziale Körperpflege, Aggressionsverhalten

Gymnasium
5. Jgst.
Biologie
5.2.3 Körperbau und Lebensweise von Säugetieren

Diese Fragen solltest du beantworten können:

• Warum müssen die Erdmännchen im Magdeburger Zoo umziehen?
• Welche Folgen befürchten die Tierpflegerinnen, wenn die Population im alten Gehege weiter anwächst?
• Wo leben die Erdmännchen in freier Natur?
• Womit werden die Erdmännchen im Zoo ernährt und was fressen sie am liebsten?
• Was wollen die Tierpfleger beim Umzug vermeiden?
• Warum werden auch die Bäume und Wurzeln des alten Geheges umgezogen?
• Warum dürfen die Erdmännchen ihr neues Wohnzimmer erst nach einigen Tagen verlassen?
• Woran merkt die Pflegerin, dass sie ihr neues Zuhause angenommen haben (Stichwort "markieren")?


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