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Europa isst zu viel Fleisch Nicht ohne mein Schnitzel!

Schnitzel-Tag oder Veggie-Day? Ein Vorschlag der Grünen wird heftig debattiert. Die Zahlen sind eindeutig: Wir essen zu viel Fleisch.

Von: Anna Leibinger

Stand: 02.09.2013

Fleischtheke | Bild: picture-alliance/dpa

90 Kilo Fleisch verbraucht der Durchschnittsdeutsche im Jahr. Der eigentliche Verzehr ist aber niedriger - 61 Kilo schätzt der Bundesmarktverband für Vieh und Fleisch. Die knapp 30 Kilo Differenz werden zu Tierfutter, industriell verwertet oder landen im Müll. Trotzdem sehen Wissenschaftler unseren Verzehr mit Sorge. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt 300 bis 600 Gramm Fleisch pro Woche. Das sind höchstens 30 Kilo pro Jahr. Davon sind wir weit entfernt: Wir essen mehr als doppelt so viel wie wir sollten. Auch wenn ein leichter Abwärtstrend in Deutschland hoffen lässt: Wenn wir nicht grundsätzlich unsere Ernährung ändern, werden wir die empfohlene Menge auch in Zukunft weit übertreffen.

Weitreichende Folgen

Unser hoher Fleischkonsum ist nicht nur ungesund, sondern auch umweltschädlich. "Fleisch verbraucht verhältnismäßig viel Fläche, Wasser und Biomasse und trägt stärker zum Klimawandel bei", erklärt Harald Grethe, Professor für Ernährungs- und Agrarpolitik an der Universität Hohenheim. Statt den Welthunger zu bekämpfen, werden Mais und Soja an Vieh verfüttert. Um die gleiche Anzahl an Kalorien zu produzieren, wird für Fleisch bis zu zehn Mal so viel Biomasse benötigt als für Getreide.

Zu hoher Fleischverbrauch in ganz Europa

Diese Tatsachen scheinen wenig zu beeindrucken, denn in vielen anderen Ländern ist der Fleischkonsum sogar noch höher als in Deutschland. Dänemark, Spanien und Portugal sind die europäischen Spitzenreiter. Allerdings geben viele auch wesentlich mehr für Fleisch aus. Italien verbrauchte 2010 etwa ebenso viel Fleisch wie Deutschland. Aber: Sie gaben dafür im Schnitt 537 Euro aus, die Deutschen hingegen nur 396 Euro.

Staatliche Regulierung schwierig

Grethe hält den Fleischlos-Tag in Kantinen, wie ihn die Grünen vorgeschlagen haben, für schwer durchsetzbar. Diskutiert wird auch immer wieder ein höherer Steuersatz auf Fleisch. Laut Grethe könnte die Erhöhung von 7 Prozent auf den Regelsteuersatz von 19 Prozent zwar zu einem Erfolg beitragen, ein Allheilmittel ist es jedoch nicht: "Bei dem deutschen Einkommensniveau reagiert die Nachfrage nicht sehr stark auf Preisanreize für Lebensmittel." Strengere Tierschutz- und Umweltschutzauflagen für die Fleischproduktion würden auch nur beschränkt zu einem Preisanstieg führen: Billigeres Fleisch würde dann aus dem Ausland importiert werden. Es sei denn, es gäbe eine "freiwillige Selbstverpflichtung des Handels, nur Fleisch abzusetzen, das zu diesen höheren Standards produziert wurde", so Grethe.

Das gesunde Maß ist der Schlüssel

Nur durch staatliche Regulierungen wird eine Veränderung also kaum möglich sein. Außerdem wäre eine Imagekampagne nötig, findet Grethe. Jedoch warnt er vor einer Diskreditierung der gesamten Fleischbranche. Stattdessen müsse die Botschaft sein: "Qualitativ hochwertiges Fleisch ist gesund, aber wir sollten im Schnitt viel weniger davon essen."


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