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Gerda Hasselfeldt "Lieber keine Lacher, dafür sachlich"

Sie musste nie Platzhirsche wegbeißen. Karriere machte die gebürtige Niederbayerin Gerda Hasselfeldt mit fundiertem Wissen statt mit Sprücheklopferei. Die CSU-Landesgruppenchefin und -Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl versteht sich trotzdem nicht schlecht mit Parteichef Horst Seehofer.

Von: Ernst Eisenbichler Stand: 14.08.2013
Gerda Hasselfeldt | Bild: picture-alliance/dpa

Oder vielleicht gerade deswegen. Widerspenstigkeit ist nicht unbedingt Hasselfeldts Markenzeichen. Das weiß sicher auch Seehofer zu schätzen. Haben es früher die Platzhirsche unter den CSU-Landesgruppenchefs aus der Bundeshauptstadt oft  richtig krachen lassen in Richtung Münchner CSU-Zentrale, nahmen unter Hasselfeldts Ägide die Spannungen deutlich ab. Gibt es Differenzen mit Seehofer, werden sie unter vier Augen besprochen. Wenn der gegen Koalitionspartner wieder einmal stichelt oder gar mit Bruch droht, übernimmt Hasselfeldt als Vermittlerin - und murrt nicht öffentlich.

Erste Frau an der Spitze der Landesgruppe

Dass Hasselfeldt Vorsitzende der CSU-Abgeordneten in Berlin ist, hat irgendwie auch mit Karl-Theodor zu Guttenberg zu tun. Seine Plagiatsaffäre und anschließende Demission als Verteidigungsminister machte im März 2011 eine Kabinettsumbildung in Berlin nötig. Dabei wurde auch der Posten des CSU-Landesgruppenchefs frei. Den bekamen in der konservativen CSU früher stets Männer, unter anderem so schillernde Figuren wie Franz Josef Strauß und Theo Waigel. Auch 2011 gab es mehrere männliche Kandidaten, doch man habe sich nicht auf einen verständigen können, hieß es aus der CSU.

Gerda Hasselfeldt und Horst Seehofer im Juli 2013 auf der Klausur der CSU-Landesgruppe in Kloster Banz

Seehofer bat schließlich Hasselfeldt, das Amt zu übernehmen. Kritiker behaupteten damals, er habe sie installiert. Nicht alle Parteikollegen trauten ihr den Job zu. Doch die 63-Jährige ist als Chefin der 45 CSU-Bundestagsabgeordneten längst unumstritten. So war sie wesentlich daran beteiligt, das Betreuungsgeld gegen den Widerstand von CDU und FDP durchzusetzen.

"Amt ist wichtiger als Person"

Es war nicht das erste Mal, dass Hasselfeldt einen in der Regel männlich dominierten Posten bekam. 1989 wurde sie CSU-Direktkandidatin im oberbayerischen Wahlkreis Fürstenfeldbruck-Dachau und setzte sich dabei gegen vier Männer durch. 1995 übernahm die studierte Volkswirtschafterin als erste Frau für die CDU/CSU-Bundestagsfraktion das Amt des finanzpolitischen Sprechers. 2002 wurde sie stellvertretende Unions-Fraktionsvorsitzende und 2005 Bundestagsvizepräsidentin. Und im April 2013 kürte sie die CSU als erste Frau in der Parteigeschichte zur Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl - mit 98,7 Prozent. Außerdem war sie unter Kohl kurz Bundesbau- und Gesundheitsministerin, letzteres aber ohne Fortune.

Spielt Hasselfeldt deswegen die Gender-Karte aus? Nein, dafür ist wohl doch zu sehr CSU-Politikerin. Der Gedanke, über die Führungsposition ihre Partei "weiblicher" machen zu wollen, ist ihr fremd. Ihre Trümpfe sind fundiertes Wissen und akkurates Auftreten. "Ich bin lieber sachlich, auch wenn ich dafür keine Lacher ernte", so eine Selbstbeschreibung. Eine andere: "Das Amt ist wichtiger als die Person."

Vom "Krampfadergeschwader" zur Merkel-Vertrauten

Klappern gehört zum Handwerk, heißt es - zumal in der Politik. Bei Hasselfeldt scheint jedoch Zurückhaltung das Erfolgsrezept zu sein. Inzwischen ist sie eine der einflussreichsten Frauen in der CSU und in der schwarz-gelben Koalition. Sie gilt als Vertrauensperson von Kanzlerin Angela Merkel.

Eine solche Karriere hätte Vater Alois Rainer, der selbst 18 Jahre für die CSU im Bundestag gesessen hatte, seiner Tochter, die den Namen Hasselfeldt aus ihrer ersten Ehe behielt, wohl nie zugetraut. "Mein Vater hat von Frauen in der Politik zunächst nichts gehalten. Für ihn waren sie ein 'Krampfadergeschwader'", so Hasselfeldt. Das war in 1960er-Jahren, in der Gemeinde Haibach im Bayerischen Wald, wo sie aufwuchs. Doch mit 18 trat auch sie in die CSU ein und wurde Vorsitzende der Jungen Union in Bayern. Als Strauß 1987 auf sein Mandat in Bonn verzichtete, rückte Hasselfeldt für ihn nach und sitzt seitdem im Bundestag.

Seehofer-Nachfolgerin?

Landesgruppenchefin, Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl - für manche Beobachter nicht unbedingt das Ende der Fahnenstange. Hasselfeldt wäre demnach eine Option für die Seehofer-Nachfolge, wenn der einmal als CSU-Chef hinschmeißen sollte. Das wäre dann wieder ein Novum.


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