Unternehmen - Medienforschung


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Europäischer Vergleich Öffentlich-rechtlicher Rundfunk in Deutschland hoch akzeptiert

Die Akzeptanz des öffentlich-rechtlichen Rundfunks 2015 ist im europäischen Vergleich unterschiedlich ausgeprägt. Die deutschen Rundfunkanstalten ARD, ZDF und Deutschlandradio gehören zur Spitzengruppe mit einem TV-Marktanteil von 46 Prozent und einem Radio-Marktanteil von 56 Prozent.

Stand: 16.02.2017

Szene aus der Lobby der EBU in Genf | Bild: EBU

Die öffentlich-rechtlichen Unternehmen werden jedoch auch den gewandelten Medienbedürfnissen des Publikums in Europa gerecht. Dazu gehören in erster Linie das Angebot internetbasierter Dienste zur zeit- und ortssouveränen Nutzung sowie ein starkes Engagement für innovative audiovisuelle Inhalte. Als Standards haben sich bei den in der European Broadcasting Union (EBU) zusammengeschlossenen Anbietern Mediatheken (für TV und Video sowie Podcasts), YouTube-Kanäle, Social Media und das Streaming der linearen Radio- und Fernsehprogramme im Netz ("Simulcast") etabliert. Ebenso nicht mehr wegzudenken ist die Nutzung von Drittplattformen im Internet für die Verbreitung öffentlich-rechtlicher Inhalte, wobei jedoch keine exklusive Bindung an einzelne Plattformanbieter erfolgt. Fast alle Rundfunkanstalten innerhalb der EBU haben ein digitales Nachrichtenangebot, zwei Drittel ein digitales Angebot speziell für Kinder.
(Quellen: EBU Media Intelligence Service (07/2016), TV Audience Trends 2016; EBU MIS (07/2016): Radio Audience Trends 2016.)

Rundfunkbeiträge in Europa – Eckdaten zur Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks

Der Rundfunkbeitrag ("licence fee") bleibt die wichtigste Finanzierungsquelle für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Europa. Im EBU-Durchschnitt betrug 2015 die jährliche Gebühr (pro Haushalt) 137 Euro. Hier liegt Deutschland mit 210 Euro jährlich hinter der Schweiz (433,00 €), Dänemark (326,60 €), Norwegen (307,96 €), Österreich (282,15 €) und Schweden (221,95 €). Europaweit sind die Rundfunkgebühren und -beiträge seit 2010 relativ stabil: In elf von 21 Ländern, in denen Beiträge bzw. Gebühren die Haupteinkommensquelle des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sind, blieben die Beträge stabil oder wurden sogar gekürzt. Aufgrund von Inflationseffekten sind die Beiträge in zwei Dritteln der Länder allerdings effektiv gesunken. Dazu gehört auch Deutschland, wo das Minus der realen Wachstumsrate bei überdurchschnittlichen 7,5 Prozent liegt (EU-Durchschnitt: reales Minus 3,9%; EBU-Durchschnitt: reales Plus 1,5%).
(Quellen: EBU MIS (09/2015): Licence Fee Report 2016; EBU MIS (12/2016): Funding of Public Service Media 2016.)

Starker Rundfunk – intakte Gesellschaft

Ansehen und Marktstellung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sind ein Indikator für den gesellschaftlichen Zustand eines Landes: In Ländern mit einem starken öffentlich-rechtlichen Rundfunk vertrauen die Menschen i. a. auch stärker den Medien und der Regierung. Ein hoher Marktanteil des öffentlich-rechtlichen Rundfunks steht zudem in Verbindung mit einem vergleichsweise niedrigen Grad an Rechtsextremismus in der Bevölkerung und einer höheren Wahlbeteiligung.
(Quelle: EBU MIS (06/2016): PSM Correlations – Links between public service media and societal well-being.)


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