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Dr. Georg Schreiber Medienpreis 2011 Notizbuch-Autorin ausgezeichnet

Ein Schuss, zwei Tote! Mit einem Schuss aus Notwehr tötete die junge Streifenbeamtin Martina Drosta 1998 einen Angreifer und dessen unbeteiligten Bruder, der zufällig hinter dem Täter stand. Für ihre Reportage über diesen tragischen Fall wurde die Notizbuch-Autorin Katharina Hübel jetzt mit dem Dr. Georg Schreiber Medienpreis 2011 der AOK ausgezeichnet. Keinem Journalisten hatte die Polizistin zuvor ihre Geschichte erzählt.

Stand: 23.05.2012
Die Autorin Katharina Hübel | Bild: BR/Jutta Prediger

Martina Drosta kommt gerade von der Polizei-Fachhochschule und ist zum dritten Mal als Streifenpolizistin unterwegs, als ein Notruf eintrifft. Ein Mann meldet, sein Bruder sei ausgerastet und bedrohe ihn mit dem Messer. Martina Drosta versucht es am Tatort zunächst mit Tränengas, doch der Angreifer wird nur noch aggressiver. Sechs Meter sind noch zwischen dem Mann und der Polizistin, als er mit dem Messer auf sie losgeht. Die 23-jährige muss handeln. Sie schießt. Ein Schuss, der zwei Menschen tötet und ihr ganzes Leben verändern wird.

"Ich bin schlagartig gealtert vom Verstand her. Was mir aber total abgeht, ist die jugendliche Leichtigkeit. Die unkomplizierte, naive Martina von früher geht mir schon ab. Ich war schon optimistisch und gut gelaunt. Das war sehr schnell zerstört. Ich bin sehr misstrauisch geworden. Das Vertrauen in die Umwelt und in mich selbst ist komplett verloren gegangen,"

Martina Drosta

Die Polizistin nimmt ihren Dienst scheinbar unversehrt bald wieder auf, doch die Geschehnisse lassen sie nicht mehr los. Ihr Kampf zurück in ein „normales“ Leben scheitert immer wieder. Auch die Versetzung in eine andere Abteilung, in der sie ausschließlich Verwaltungsarbeit macht, funktioniert nicht. 2008 – zehn Jahre nach dem Schuss aus Notwehr - wird Martina Drosta in den vorzeitigen Ruhestand versetzt.

"Mit dem außergewöhnlichen Stoff, der Offenheit, mit der sie ihre Protagonistin zu Wort kommen lässt und der darauf abgestimmten Erzählstruktur erzeugt Katharina Hübel nicht nur Betroffenheit. Sie zeigt auch gesellschaftlichen und politischen Handlungsbedarf auf: Wer betreut die Betreuer traumatisierter Polizisten? Braucht die Polizei eine bessere Supervision? Der Dr. Georg Schreiber-Medienpreis wird an Autoren verliehen, deren Beiträge dem Laien gesundheits- und sozialpolitische Themen vermitteln und verständlich machen. Das ist Katarina Hübel gelungen. Dazu gratuliere ich von ganzem Herzen,"

Julika Sandt (MdL, FDP), Mitglied der Jury

Nach einigen Therapien, unzähligen Gesprächen und dem autobiographischen Buch "Ein Schuss, zwei Tote", erlebt die Mittdreißigerin heute immer noch sogenannte "Flashbacks", Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung. Sie reagiert panisch auf Karomuster, denn der Angreifer trug ein kariertes Oberhemd. Aber der "Fall" hat auch viel Positives in Bewegung gesetzt. Immer wieder referiert Martina Drosta in Polizei-Fortbildungen über den tragischen Moment ihres "Notwehreinsatzes" und dessen Folgen. Die Nachbetreuung von traumatisierten Polizisten wurde seitdem verbessert und Munition, die den menschlichen Körper durchdringt und eventuell Unbeteiligte verletzt, darf in keiner Polizeipistole mehr verwendet werden.

Katharina Hübel mit Martina Drosta und Kollegen

Mit Stolz hat die Redaktion Gesellschaft & Familie ihre Autorin Katharina Hübel gefeiert. Sie erhielt den mit 5.000 Euro dotierten Dr. Georg Schreiber-Medienpreis für ein absolut gelungenes, feinfühliges Feature über ein sehr sensibles Thema - ohne je voyeuristisch zu werden. Der beste Beweis dafür: Martina Drosta war selbst bei der Preisverleihung im Münchner Pressclub anwesend und freute sich mit der BR-Autorin über den renommierten Medienpreis.


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