Der frühe Tod des Entertainers Dirk Bach schockierte seine Fans. Die automatisch generierten, ... (siehe nächste Seite)
Google Ads und Co. Die Todesnachricht freut den Erbrechtsanwalt
Im Web passt Werbung zum Thema: Ein Artikel zum FC Bayern, daneben die Anzeige fürs Fan-Trikot. Virtuelle Maschinen weisen die passende Annonce anhand von Schlüsselwörtern zu. Moralische Bedenken tragen sie dabei natürgemäß nicht.
Neben Presseartikeln im Internet erscheint meist Werbung. Sehr häufig hat sie einen engen Bezug zum Nachrichtenthema: Investmentfonds in der Finanzpresse, Beauty- und Shopping-Angebote im Modemagazin, Band-T-Shirts im Musikportal. Bekannteste Form dieser von Maschinen automatisch dem passenden Thema zugeteilten Anzeigen sind die Google Ads oder Google-Anzeigen. Große deutschsprachige Nachrichtenportale wie das der Bild, des Spiegel, des Focus, der Süddeutschen Zeitung oder der Zeit haben sie auf ihren Seiten, die meisten anderen auch. Problematisch wird das bei heiklen Themen.
Maschinen und Ethik
Denn wenn die Web-Roboter von Google oder eines anderen Anbieters einem Text die thematisch passende Werbeanzeige verpassen, kann schon mal etwas schiefgehen - zumindest aus ethisch-moralischer Sicht. Etwa bei den Google Ads kann der, der eine Anzeige schalten will, ein oder mehrere Schlagwörter angeben. Seine Anzeige erscheint dann auf Webseiten, auf denen diese Schlüsselbegriffe häufig oder an besonders prominenter Stelle - etwa in der Überschrift vorkommen.
Zwar kann man sicher darüber diskutieren, ob Werbung neben einer Todesnachricht prinzipiell moralisch vertretbar ist oder nicht. Wirbt aber der Erbrechtsanwalt direkt neben dem Bild eines Toten, wird diese Form der Online-Werbung aus ethischer Sicht sehr fragwürdig.
Menschliches Fingerspitzengefühl fehlt
Google Ads & Co.
Die Suchmaschinenroboter von Google, Crawler oder auch Spyder genannt, durchforsten rund um die Uhr die Inhalte im Web - Texte, Bilder oder zum Beispiel Videos. Aufgrund der Häufigkeit von Wörtern in einem Text kann Google diesen einem bestimmten Thema zuordnen. Google weiß also, um was es in diesem Text geht. Dieses dient auch der Zuweisung themenspezifischer Werbung in Form von Google Ads. Andere Anbieter solcher automatisch generierter Werbung sind zum Beispiel Ligatus, Performance Advertising, Adcloud, Adrolays oder Plista.
In diesen Fällen macht sich das Fehlen der menschlichen Auswahl, des menschlichen Fingerspitzengefühls bemerkbar. So hat sich die Rechenroutine auf dem Google-Ad-Server am 26. Oktober 2012 wohl keine Gedanken darüber gemacht, ob es denn besonders taktvoll sei, auf Focus.de neben der Nachricht über den Tod von Wladimir Klitschkos Boxtrainer Emanuel Steward eine auf Erbrecht spezialisierte Kanzlei werben zu lassen. Zwischen der Überschrift und dem Anfang des Textes über den einem Krebsleiden erlegenen Steward weist die Annonce außerdem auf Dienstleistungen im Bereich Patienten- und Betreuungsverfügung hin. Dass Google auch mit Bezug auf den Boxer Klitschko gerade die Anzeige eines Anbieters mit dem Namen Schlagowski aus dem Hut gezogen hat, mag ein Zufall sein, in jedem Fall passt es ins Bild.
Wenn auch rechtlich sicher einwandfrei, besonders taktvoll ist derartige Reklame nicht. Auch Werbeanzeigen für Sterbegeldversicherungen oder Hilfsangebote für Depressive häufen sich im Umfeld von Todesnachrichten. Ein weiterer Fall: Werbung für "8 Flaschen vollmundigen Rioja" und für eine Autoversicherung unter einem Artikel über einen Festwirt, der mit 1,6 Promille sein Auto zu Schrott und dabei einen 17-Jährigen tot gefahren hat auf bild.de. Manche Medien blenden Werbung bei Todesnachrichten generell aus. Der Anteil dieser Fälle, in denen der Pietät wegen auf den Werbeprofit verzichtet wird, ist allerdings sehr gering.

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