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Ismaning Sprengung des Mittelwellenmastes

Mit einem lauten Knall ging am Mittwoch eine Ismaninger Landmarke und das letzte Relikt der Mittelwellen-Ära im Erdinger Moos zu Boden. Unwiederbringlich, denn am Nachmittag wurde der 1969 errichtete Mittelwellenmast gesprengt.

Stand: 23.06.2017

Seit die letzte Mittelwellensendung am 30.09.2015 über den Äther lief, stand der weithin sichtbare, selbststrahlende Mast schon fast zwei Jahre ohne Funktion im Erdinger Moos. Da keine anderweitige Verwendung für den Antennenträger mehr abzusehen war und dringende Sanierungsmaßnahmen fällig wurden, entschloss sich der BR für einem Rückbau.

Sprengung der Pardunen

Auf dem weichen Moosboden sackte der Bagger ein.

Als am 21. Juni um 16.45 Uhr die Sprengladungen ihre Wirkung voll entfaltet hatten, fiel der 171,5 m hohe Riese auf dem Gelände des Bayerischen Rundfunks wie ein Einser um und landete kurze Zeit später kraftvoll auf dem weichen Moosboden. Zuvor hatte es unvorhersehbare Ereignisse gegeben: Am Morgen sackte ein Bagger in seinem eigenen Aushub innerhalb der Sicherheitszone ein und sorgte für einen Aufschub. Als der Gefahrenbereich endlich geräumt war und der Sprengmeister mit einem ohrenbetäubendem Warnsignal die Aktion einläutete, passierte für die perplexen Beobachter erstmal nichts. Der Rohrmast blieb standhaft, da nur eines der Abspannseile planmäßig durchtrennt worden war und schlaff herunterhing. Zwar hatten alle drei Ladungen gezündet, doch aufgrund der extremen Stabilität der Seile, war nur ein Seil von dreien komplett durchtrennt worden. Erst mit dem zweiten Anlauf und der Kappung der weiteren "Pardunen" begaben sich 110 Tonnen Metall in die Horizontale.

Jetzt ist der Mast gefällt und die Demontage des Wracks und weitere Aufräumarbeiten auf dem Gelände können beginnen. Auch das letzte Ismaninger Mittelwellen-Relikt ist nicht mehr weithin sichtbar. Nun zeugt auf dem Gelände nur noch ein Foto in den Sendegebäuden von dieser Ära.

Kalter Krieg steigert Reichweiten

Bereits 1969 errichtete der BR diesen Mittelwellenmast in Ismaning. Hintergrund dafür war der in den 1960er Jahren vorherrschende kalte Krieg. In Europa stiegen die Sendeleistungen drastisch an, um die Reichweite der eigenen Sendestation zu vergößern und mehr Menschen mit den eigenen Inhalten zu erreichen.

Auch der Mittelwellensender des Bayerischen Rundfunks sollte eine neue Antenne erhalten, um dieser Entwicklung Rechnung zu tragen. Dies geschah in Form des 171,5 m hohen, gegen Erde isolierten und abgespannten Rohrmasten, der durch Zwischenisolatoren elektrisch in drei Teile aufgetrennt wurde. Jedes dieser Teile war separat anspielbar, um abhängig von den tageszeitlichen Ausbreitungsbedingungen ein optimales Vertikaldiagramm zu erhalten.

Der damals neue MW-Sender des BR war mit seiner neuen Frequenz 1602 kHz und einer Leistung von bis zu 600 Kilowatt ein voller Erfolg. Fortan konnte die bayerische Mittelwelle in ganz Europa gehört werden. Im Jahr 1975 verlor der Bayerische Rundfunk bei der Genfer Wellenkonferenz die Frequenz 1602 kHz. Die als Ersatz zugeteilte 801 kHz mit 100 Kilowatt Sendeleistung blieb dann für weitere 40 Jahre bis zur offiziellen Abschaltung in Betrieb.

Für den Empfang von UKW und Digitalradio DAB+ im Münchner Norden sorgen weiterhin der 217 m hohe Stahlgittermast von 2010 auf dem Ismaninger Gelände. Und im Verbund mit Satellit und Internet reichen die BR-Programme heutzutage auch weit über Bayern und Europa hinaus.


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