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Jubiläum 60 Jahre Sendestation am Wendelstein

Am 6. November 1954 hatte das Fernsehen in Bayern Premiere: Am Sender Wendelstein ging das Deutsche Fernsehen auf Sendung. Heute ist der höchstgelegene BR-Senderstandort nicht nur ein wichtiger Grundnetzsender des bayernweiten Sendernetzes, sondern auch die Kontroll- und Störungszentrale für die Verbreitung der BR-Programme.

Stand: 06.11.2014

Anlässlich des Fernsehstarts 1954 errichtete der Bayerische Rundfunk ein eigenes Stationsgebäude unterhalb des Gipfels. Schwierige und aufwändige Baumaßnahmen waren dafür zu bewältigen und tonnenschwere Sende- und Hochspannungs-Kabel zu verlegen. Erst nach drei Wochen Schwerstarbeit gelang es, die ausgerollten Kabel auf Holzschlitten über die Gleise der Zahnradbahn mit Hilfe zweier Zugmaschinen hochzuziehen - das letzte Steilstück vom Stationsgebäude zur Antenne auf dem Gipfel mussten über eine hölzerne Rutsche in den in mühsamer Handarbeit gehauenen Kabelgraben gezogen werden.

Von Schwarz-Weiß bis zu DVB-T

Sender Wendelstein

Technologisch gehörte der Wendelstein in den letzten 60 Jahren immer zu den ersten Senderstandorten, an dem wichtige rundfunktechnische Innovationen getestet und eingeführt wurden: Aus Schwarz-Weiß-TV wurde Farbfernsehen, der Ton von Mono zu Stereo erweitert, hier liefen die ersten bundesweiten Versuche zu Zweikanalton und Videotext, PALplus und zum Breitbildformat 16:9.
Der 30. Mai 2005 markierte mit dem Start des digitalen Antennenfernsehen schließlich einen wichtigen Meilenstein in der jüngeren Geschichte des Senderstandorts: Beginnend mit Wendelstein und Olympiaturm, die jeweils sechs DVB-T-Programmbouquets im Gleichwellenbetrieb ausstrahlen und parallel auf Sendung gingen, wurde DVB-T in den folgenden drei Jahren in ganz Bayern ausgerollt und die Ära der analogen TV-Übertragung beendet.

Radio vor TV

Bereits ab 1950 strahlte der BR schon ein erstes UKW-Programm aus dieser exponierten Lage mit einer überragenden versorgungstechnischen Reichweite in Oberbayern aus. Das Radioangebot hat sich seitdem kontinuierlich vergrößert. Schon 1995 wurde hier das digitale Hörfunksystem DAB im Rahmen der bayernweiten Pilotphase gestartet und 1999 in den Regelbetrieb überführt. Heute sorgt der Sender Wendelstein - parallel zu UKW - für den Empfang von über 30 öffentlich-rechtlichen und privaten Radioprogrammen auf Digitalradio DAB+, die auf drei Kanälen (5C, 11D und 12 D) abgestrahlt werden.

Überwachungs- und Störungszentrale  

Die Sender Wendelstein in Gesamtansicht mit Sendemast und Sendergebäude | Bild: BR/Legner zum Artikel Wendelstein Schwelbrand stört Sendebetrieb

Ein Schwelbrand am Sendemast des Senders Wendelstein hat für mehrere Stunden die Ausstrahlung verschiedener Programme verhindert. Der Senderausfall betraf weite Teile Oberbayerns. [mehr]

Der 1.838 Meter hohe Berg spielte für die Fernseh- und Radioversorgung in Bayern also schon oft eine besondere Rolle. Seit 2011 hat hier auch die Servicezentrale für das gesamte Sendernetz des Bayerischen Rundfunks ihren Sitz: Mehrere Techniker kontrollieren im Schichtbetrieb die Übertragung der Radio- und Fernsehprogramme des Bayerischen Rundfunks rund um die Uhr.
Große Aufregung in eigener Sache erlebte die Wendelstein-Mannschaft am Abend des 24. April 2013: Aufgrund eines Schwelbrandes fiel die Radio- und TV-Übertragung am Wendelstein für mehrere Stunden aus. Glücklicherweise kamen keine Menschen zu Schaden. Das Feuer brach im 100 m höher gelegenen Sendemast und nicht im Sendegebäude aus. Dank der Wendelstein-Bergbahn waren Feuerwehr und Gerätschaften in kürzester Zeit vor Ort, um den Brand zu löschen. Für die Techniker galt nach der Brandbeseitigung der Wiederherstellung der Sendefähigkeit erste Priorität und in den frühen Morgenstunden waren alle Programme wieder auf Sendung.


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