Unternehmen - Menschen

Außergewöhnliche Hobbys der BR-Mitarbeiter Nach dem BR mit Vollgas in die Pedale

"Wenn man den Berg hochfährt, geht es irgendwann auch wieder bergab" – so lautet die Devise von Profi-Mountainbiker Maxi Maier. Neben seiner Vollzeitbeschäftigung als Elektroniker für Energie und Gebäudetechnik beim BR hat der 24-Jährige seine Leidenschaft für den Radsport entdeckt. Spezialisiert hat er sich auf die Mountainbike-Disziplinen "Cross-Country" und "Eliminator- Sprint" – in beiden Disziplinen hat er sich sogar schon den bayerischen Meistertitel geholt.

Von: Isabella Biermeier

Stand: 22.08.2016

BR.de: Wie bist Du zu Deiner Leidenschaft, dem Mountainbiken, gekommen?  

Beim Weltcup in Lenzerheide

Maxi Maier: Früher habe ich in der Mannschaft Fußball gespielt, aber eigentlich habe ich mich selbst schon immer als Einzelkämpfer gefühlt. Als ich noch ein Kind war, ist mein Stiefvater am Gardasee ein Marathon-Rennen gefahren und hat mich dort bei einem Kinderrennen angemeldet. So wurde die Leidenschaft zum Radsport geboren. Aus kleineren, regionalen Rennen wurden plötzlich Bundesligarennen und mittlerweile fahre ich auch für die Nationalmannschaft im Weltcup.

BR.de: "Du glaubst du fliegst…" – das hast Du einmal auf deiner Facebook-Seite nach einem Rennen geschrieben. Warum hast Du dieses Gefühl?

Maxi Maier: Diese Momente sind extrem selten und kommen vielleicht ein bis zweimal in der Saison vor ... Es sind so viele Faktoren wie Schlaf, Ernährung, Training, Umfeld etc., die an einem Renntag passen müssen, um seine volle Leistung abrufen zu können. Dieses Gefühl hatte ich beispielsweise beim ersten Bundesligarennen dieser Saison in Bad Säckingen. Da konnte ich meine Form wirklich genau so abrufen, wie ich es mir gewünscht habe und konnte dann in die Top Drei Deutschlands reinfahren – bin aber leider durch einen Fahrfehler in einem extrem technischen Streckenteil kurz vor dem Ziel zu Boden gegangen und es reichte nur noch für Platz fünf.

BR.de: Was waren bisher Deine größten Erfolge?

Cross-Country

Bei der Mountainbike-Disziplin Cross-Country wird eine Rundstrecke über fünf bis neun Kilometer festgelegt und mehrfach durchfahren. Im Gegensatz zu Straßenrennen ist das Tempo von Anfang an sehr hoch und die Streckenverhältnisse enger, anspruchsvoller und geländig. Wer als Erster die Ziellinie überquert, hat das Rennen gewonnen.

Maxi Maier: Im Jahr 2012 bin ich im Cross-Country bayerischer Meister geworden. Seitdem fahre ich in der bayerischen Spitze mit, aber den bayerischen Meistertitel habe ich erst ein Mal geschafft. Im Eliminator Sprint Bereich habe ich es auch schon auf Rang Eins geschafft. Dass ich nun für die deutsche Nationalmannschaft beim Weltcup antrete, ist persönlich mein größter Erfolg.

BR.de: Wie bekommst Du Beruf und Sport unter einen Hut?

Maxi Maier: Profiradsport nimmt sehr viel Zeit in Anspruch. Nach der Arbeit schwinge ich mich gleich aufs Rennrad oder Mountainbike, um mein Trainingspensum abzuhalten. Ob intensive eineinhalb Stunden oder eine lockere Grundlagen-Trainingseinheit von vier bis fünf Stunden – um vorne mitfahren zu können, muss ich diese Zeit einfach aufbringen. Es kann auch mal vorkommen, dass ich vor 22.00 Uhr nicht vom Bike steige. Im Winter wird es früh dunkel, Ich jogge dann meist die 15km in der Dämmerung von der Arbeit nach Hause und setze mich anschließend auf den Rollentrainer. Die verbrauchte Energie tanke ich während der ein bis zwei Ruhetage in der Woche aber wieder voll auf und dann kann's weiter gehen.

Eliminator

Der Eliminator Sprint ist eine neuere Disziplin im Mountainbiking, in welcher vier Sportler gegeneinander antreten und eine kurze festgelegte Rundstrecke von maximal 1 Kilometer durchfahren. Nach dem Ausscheidungsverfahren kommen die zwei schnellsten Fahrer in die nächste Runde, während die anderen ausscheiden.

BR.de: Trainierst Du bei jedem Wind und Wetter?

Maxi Maier: Normal ist das Training draußen, da hocke ich auf dem Mountainbike oder Rennrad. Wenn es wirklich mal extrem hagelt oder regnet, dann wird auch mal drinnen gestrampelt. Im Winter mache ich viel Lauftraining, Skilanglauf oder Krafttraining, denn irgendwann kann man das Rad einfach nicht mehr sehen und es tut gut mal auf eine andere Sportart umzusteigen.

BR.de: Was treibt Dich an, weiter zu machen?

Maxi Maier: Tatsächlich ist es die Unterstützung und das Feedback von Freunden, Familie oder Arbeitskollegen, die ich nicht missen möchte. Das Mountainbiking macht mir unglaublich viel Spaß und bringt mir wunderschöne Erlebnisse in der Natur, da kann ich gut abschalten und den ganzen Tag nochmal Revue passieren lassen. Außerdem ist es im Rennen der Kampf gegen dich selbst, alles aus deinem Körper herauszuholen und damit Erfolg zu haben.

BR.de: Gab es für Dich einmal diesen Moment, wo Du Dir gedacht hast "jetzt reicht's, ich hör auf!"?

Kettenriss bei der deutschen Meisterschaft

Maxi Maier: Es gibt schon diese Momente, an denen man durch das harte Training und die vielen Reisen zu den Wettkämpfen durch ganz Europa immer müder wird. Aber der Körper zieht einen trotzdem weiter. Wenn dann ein paar Rückschläge wie zum Beispiel ein plötzlicher Kettenriss oder ein Leistungseinbruch nach der ersten Runde kommen, überlegt man natürlich schon, was man eigentlich falsch macht und ob man das wirklich weiter machen will, aber letztendlich sind es die weisen, aufbauenden Worte von Familie und Freunden, die mich neu motivieren und dann geht es wieder bergauf. In meiner Mannschaft, dem CEP Racing Team, pusht und motiviert man sich gegenseitig, obwohl man im Rennen konkurriert.

BR.de: Deine Knie schmücken schon die ein oder anderen Narben. Gab es auch schon mal größere Sportverletzungen?

Maxi Maier: Da muss ich tatsächlich auf Holz klopfen, es war noch nichts Großes dabei. Abschürfungen, Prellungen oder Schleimbeutelrisse, aber keine Brüche. Die Strecken werden jedoch immer kürzer und anspruchsvoller. Es gibt zum Beispiel Streckenabschnitte wie die "Rock Gardens", eine lange Fläche aus größeren Gesteinsbrocken und Felsaufschlichtungen - und wenn es Dich da schmeißt, tust Du Dir schon richtig weh. Vor allem, wenn es matschig und regnerisch wird, sind solche Felsen natürlich wahnsinnig glitschig, aber alles in allem sind die Strecken gut fahrbar.

BR.de: Was hältst Du von E-Bikes –  hast Du's selbst schon ausprobiert?

Maxi Maier: Ich bin absolut PRO E-Bike. Für meine Oma ist es wahnsinnig praktisch, beim Einkaufen fährt sie so Kilolasten an Einkaufstüten bis nach Hause. Sie kann wieder leichte Touren mit ihrem Mann so wie früher unternehmen. Ich hab's mir tatsächlich auch schon überlegt, mir für den Weg in die Arbeit ein E-Bike anzuschaffen, aber die Blöße kann ich mir nicht geben, dass ich als Profi-Biker E-Bike fahre oder gar damit in der Arbeit auftauche.

BR.de: Gibt es lustige Momente beim Sport, die Du uns erzählen magst?

Maxi Maier: Das hört sich komisch an, aber eigentlich sind es vor allem die Stürze, die wahnsinnig lustig sind. Meinen besten Freund habe ich schon zum Radfahren bewegt und einmal sind wir im Herbst bei der BMW-Teststrecke in Aschheim gefahren. Vor lauter Ratschen hat er dort eine Schranke übersehen und die mit dem Gesicht mitgenommen. Dass ihm dann beide Schneidezähne gefehlt haben, hat er vor lauter Lachen gar nicht gemerkt.

BR.de: Und welche Momente sind Dir besonders im Gedächtnis geblieben?

Maxi Maier: Der Radsport ist ja leider nicht so wie der Fußball, den jeder kennt, sondern eher eine Randsportart. Unsere Rennen sind meist nicht sehr gut besucht. Aber ab und zu gibt's doch solche Events wie die Weltcups oder wie letztes Jahr die Hipp Trophy in der Altstadt von Ruhpolding. Da fährt man auf dem Rundkurs einen Berg rauf und die Leute stehen da Schulter an Schulter, feiern und peitschen Dich an und Du kriegst eine richtige Gänsehaut. Wenn man dann das Rennen auch noch gewinnt und mit erhobenen Händen ins Ziel fährt – solche Glücksmomente vergisst man nicht.

BR.de: Was macht für Dich einen guten Mountainbikefahrer aus?

Maxi Maier: Ich bewundere das jedes Mal wieder, wenn einer im Downhill den Berg runterfährt, wo eh nur einer Platz hat, plötzlich an Dir vorbei schießt, wo Du Dir denkst, wo kommt der denn her und wie kommt der an mir vorbei? Fahrtechnik ist das A und O beim Mountainbiking.

BR.de: Hast Du für 2017 Ziele, die Du erreichen willst?

Maxi Maier: Mein größter sportlicher Traum ist es, einmal für das deutsche Team bei der Weltmeisterschaft fahren zu dürfen. Dort werden fünf Fahrer aus Deutschland nominiert, aber das sind alles Berufsmountainbiker, die ihr Geld damit verdienen und ich mach das alles nebenbei. Aber ich bin zuversichtlich, dass es doch bald mal klappt und ich bei der WM antreten kann.