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Außergewöhnliche Hobbys der BR-Mitarbeiter In den Tiefen des Hörfunkarchivs

Knapp 6.000 digitalisierte Hörfunkmitschnitte und Jingles von verschiedensten öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunkanstalten befinden sich in Andreas Knedliks privatem Archiv. Damit könnte man locker ein halbes Jahr lang Radio in Dauerschleife hören. Neben der Arbeit in der Abteilung für Mediensysteme beim BR, beschäftigt sich Andreas Knedlik auch in seiner Freizeit mit dem Thema Radio – es ist sein Hobby, sein Leben.

Von: Isabella Biermeier

Stand: 06.03.2017

BR.de: Was machen Sie eigentlich ganz genau und wie sind Sie darauf gekommen?

Andreas Knedlik: Ich habe ganz früh angefangen, verschiedene Radiosender zu hören. Radio – gerade die Popwellen und der Anfang des Privatfunks – war damals ganz anders, als man es heute kennt. Die Programme waren vielfältiger, es gab viel mehr Sparten. Das Medium Radio fasziniert mich einfach. Vor etwa sechs Jahren habe ich mal drei Kassetten bekommen mit dem Finale der "Top Tausend X" von SDR 3 von 1989 und da kam der Punkt, an dem ich mir gedacht habe – das würde ich jetzt gerne mal ein bisschen besser auf die Beine stellen. So habe ich einfach mal im Freundeskreis und bei Kolleginnen und Kollegen im Bayerischen Rundfunk rumgefragt, mit dem Sammeln von Mitschnitten begonnen und eine eigene Website erstellt.

BR.de: Was ist das Besondere an Ihrem Hobby?

Andreas Knedlik: Sowas macht sonst keiner. Das ist für mich eigentlich einer der wichtigsten Punkte. Mich freut es, wenn ich anderen damit eine Freude machen kann. Es passiert auch öfter, dass jemand auf mich zukommt und mich fragt, ob ich dieses oder jenes aufbewahrt habe und dann finde ich es natürlich schön, dass das genutzt wird, was ich tue.

BR.de: Wie viele Mitschnitte haben Sie derzeit in Ihrer Sammlung?

Eine der größten Sammlungen, die überhaupt existiert: Material von Markus Weidner

Andreas Knedlik: Es sind knapp 6.000 digitalisierte Mitschnitte. Das ist allerdings nur der Teil, den ich wirklich erfasst und bearbeitet habe. Mindestens genauso viele, die noch zu digitalisieren sind, liegen bei mir zu Hause, sei es auf Kassette, auf Band oder auf DAT.

BR.de: Auf Ihrer Website schreiben Sie "Ich bin ständig auf der Suche nach Mitschnitten" – wie viel Zeit investieren Sie für Ihr Hobby?

Andreas Knedlik: An einem normalen Arbeitstag, an dem ich erst abends zu Hause bin, bearbeite und digitalisiere ich mindestens eine Kassette. Das sind auf jeden Fall zwei Stunden am Tag. Am Wochenende nehme ich mir mehr Zeit. Da bearbeite ich auch mal vier Stunden am Stück Mitschnitte. Es gibt eigentlich immer was zu tun. Wenn ich jetzt nichts mehr von Leuten zugeschickt bekommen würde und mich nur auf die bisher vorhandenen Mitschnitte fokussieren würde, wäre ich die nächsten drei Jahre ausgebucht.  

BR.de: Sie haben in Ihrer Sammlung auffällig viele BAYERN 3-Mitschnitte – warum gerade diese Welle?

Mitschnitt der Pop nach 8 Sendung auf BAYERN 3

Andreas Knedlik: Das liegt vermutlich daran, dass ich hier arbeite. Ich habe alle Leute befragt, die schon lange bei BAYERN 3 sind oder waren. Das alte BAYERN 3 vor der Reform 1992 war schon ein sehr feines Programm. Besonders die Popwellen, bevor sie zum Formatradio wurden, begeistern mich.

BR.de: Außer BAYERN 3 haben Sie noch viele andere Programme außerhalb des BR archiviert. Warum sind es die Pop- und Servicewellen aus den 80er Jahren, die Sie faszinieren?

Andreas Knedlik: Pop- und Servicewellen sind meine persönliche Musikrichtung. Bei den öffentlich-rechtlichen Programmen ist nur sehr wenig in den Funkhäusern vorhanden und bei den privaten Programmen hat man so gut wie gar nichts bewahrt, weil das zu teuer war. Für mich hat das aber eine ganz besondere Bedeutung: Wenn beispielsweise ein Moderator in den Ruhestand geht oder die Sendung wechselt, dann archiviere ich das und kann das auch in zehn oder zwanzig Jahren nochmal hören.

BR.de: Glauben Sie, dass Sie mit Ihren aufbewahrten Mitschnitten für die Zukunft etwas bewirken können?

Andreas Knedlik: Mir ist es wichtig, dass man in der Zukunft auf die Veränderungen und Entwicklungen innerhalb der Programme zurückblicken kann. Das gilt nicht nur für mein Spezialgebiet Pop- und Servicewellen, sondern auch für den Wandel in der Gestaltung der Nachrichten im Rundfunk, das hat sich über die letzten Jahre stark verändert.

BR.de: Welcher ist Ihr persönlicher Lieblingsmitschnitt?

Andreas Knedlik: Ich habe mal auf VHS "Die Top 2.000 D" vom 23.08.1990 bekommen. Das ist ein wunderbarer Ausschnitt aus den ersten und einzigen deutsch-deutschen Mega-Charts, die im August 1990 eine Woche lang von SDR 3 und Jugendradio DT64 gemeinsam gesendet wurden. Unter anderem moderiert von Thomas Schmidt und Marion Brasch aus Berlin und Günter Schneidewind aus Stuttgart. Da hätte ich mir gerne eine Zeitmaschine gewünscht.

Andreas Knedlik: Zu meinen Lieblingen gehört noch der BAYERN 3 – Verkehrsservice am autofreien Sonntag im Jahr 1973. Man hört hier Hinweise zu sämtlichen Straßen, wenn man an diesem autofreien Sonntag trotzdem fährt. Dass genau so etwas zu mir kommt, ist ein absolutes Highlight und das hat BAYERN 3 sogar 2013 nochmal im Programm gespielt.

BR.de: Gibt es einen bestimmten Mitschnitt, der Ihnen in Ihrer Sammlung noch fehlt?

Andreas Knedlik: Je weiter ich in den Norden komme, umso lückenhafter bin ich im Archiv. Was ich unbedingt noch haben möchte, wären "Schlager der Woche"-Sendungen von BAYERN 3. Es muss doch in diesem Freistaat viele Leute gegeben haben, die diese Schlager der Woche jeden Freitag mitgeschnitten haben. Da bin ich mir ganz sicher … ich habe bloß noch keinen gefunden.

BR.de: Bei den Pop- und Servicewellen ist der Fokus ja auf die Musik und weniger auf Wortbeiträge gelegt. Hat dass dann überhaupt Sinn, ganze Tagesprogramme voller Musik aufzuzeichnen?

Andreas Knedlik: Für mich hat das sehr viel Sinn, weil es gehört einfach mehr zum Programm als nur Musik – die Moderation, der Aufbau von Jingles und die Präsentation des ganzen Programms. So ein Programm will ja einen Lebensstil abbilden. Wenn man das hört, kann man sich sehr gut vorstellen, wie das damals gewesen sein muss.

BR.de: Auf welchen Wegen kommen die Mitschnitte zu Ihnen?

Andreas Knedlik: Das ist ganz unterschiedlich. Ich gehe aktiv auf ehemalige Programmmacher zu und schreibe vielen Leuten außerhalb sowie innerhalb des BR, ob sie noch irgendetwas haben. Was in letzter Zeit gut funktioniert ist, dass Leute einfach so auf mich zukommen. Das ist mir im Moment am wichtigsten. So kann ich aus den Privathaushalten das retten, was noch existiert und zu schade wäre, wenn das irgendwann in die Mülltonne wandert. Ich biete mich da auch gerne als Entsorgungsunternehmen an. (lacht)