Unternehmen - Geschichte des BR


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65 Jahre BR "Ein Ereignis von ungewöhnlicher Wichtigkeit"

Am 25. Januar 1949 übergab die amerikanische Militärregierung "Radio München" in deutsche Hände. Aus einem Radiosender wurde ein Medienunternehmen mit fünf terrestrischen und vier digitalen Hörfunkprogrammen, zwei Fernsehsendern und einem umfangreichen Onlineangebot.

Von: Sabine Rittner

Stand: 22.01.2014 | Archiv

Intendant Rudolf von Scholtz (links) und Rundfunkratsvorsitzender Alois Johannes Lippl bei der Übergabe des Senders in deutsche Verantwortung, rechts Murray D. van Wagoner  | Bild: BR / Historisches Archiv

"Wir sind heute hier zusammen gekommen um ein feierliches Ereignis von ungewöhnlicher Wichtigkeit, ja sogar von historischer Bedeutung zu begehen. Denn innerhalb der nächsten Stunde wird Radio München seine Tätigkeit als Sender der Militärregierung einstellen und zur ersten deutschen Radiostation in der US-Zone nach Kriegsende erklärt werden."

James E. Clark

Mit diesen Worten leitete James E. Clark, Vertreter der amerikanischen Militärregierung, am 25. Januar 1949 die feierliche Übergabe von "Radio München"  in deutsche Hände ein.

Die Übergabe an die Deutschen

Rudolf von Scholtz, der erste Intendant des Bayerischen Rundfunks

Um 11.47 Uhr überreichte der Direktor der Militärregierung, Murry D. van Wagoner, die Lizenzurkunde an Rudolf von Scholtz. 200 Gäste hatten sich im Großen Sendesaal des Funkhauses versammelt, darunter der Bayerische Ministerpräsident Hans Ehard, der Münchner Oberbürgermeister Thomas Wimmer, Staatsintendant Alois Johannes Lippl als Vorsitzender des Rundfunkrats, die Vertreter der amerikanischen Militärregierung und Vertreter der britischen und französischen Regierungen sowie weitere "maßgebende Persönlichkeiten", wie es in Heft 1 der Radiowelt hieß. Auch anwesend war Rudolf von Scholtz, der erste Intendant des Bayerischen Rundfunks, der in seinen Schlussworten auf das Wesen des Rundfunks einging:

"Ein wahrhaftes, kostbares Instrument ist uns soeben anvertraut worden. Denn ein Wort, das der Sender ausstrahlt, läuft nicht Gefahr, im Dickicht eines Dienstweges oder von einer Postsperre abgefangen zu werden. Und wenn die Stimme des Menschen ein Sinnbild seiner Freiheit genannt wird, so ist diese Stimme, die dem bayerischen Volk nun zu eigen gegeben ist, selbst ein Teil seiner wieder erwachenden Freiheit."

Rudolf von Scholtz

Die Struktur von Radio München

Organisationsplan des BR von 1949

Seit 1945 hatten die Amerikaner die Geschicke von Radio München geleitet. Fast das gesamte Personal des Reichssenders München war nach dem Krieg ausgetauscht worden. Die Sendungen entstanden in dem zerstörten Funkhaus, wo anfangs nur ein Studio benutzbar war. Vier Jahre später existierte ein vollständiges Programm. Auf einer Welle wurden pro Woche 126 Stunden Musik, Unterhaltung, Hörspiel, Schulfunk oder Nachrichten ausgestrahlt. Es entstanden Kultsendungen wie die "Brumml’schichten" oder "Sie wünschen" mit Fred Rauch.  Am 25. Januar 1949, in der Nachrichtensendung um 12.45 Uhr, meldete sich der Münchner Sender zum ersten Mal als "Bayerischer Rundfunk".

Die öffentlich-rechtliche Lizenz

Lizenzurkunde des BR (Seite 1 von 2)

Das Konzept der öffentlich-rechtlichen westdeutschen Rundfunkanstalten nach dem Zweiten Weltkrieg sah eine größtmögliche Unabhängigkeit vom Staat vor. In Bayern bildete die Grundlage das 1948 verabschiedete bayerische Rundfunkgesetz. Der Programmauftrag legte als Ziele Bildung, Unterrichtung und Unterhaltung fest, verpflichtete die Sendungen zur Objektivität und Ausgewogenheit. In seiner Ansprache formulierte Lippl vier Grundsätze für den Rundfunk, die es für diese Aufgabe zu beachten und praktizieren gelte: "dass er nämlich zu jeder Stunde sein soll ein Instrument der Wahrheit, ein Instrument der Freude, ein Instrument der Erholung und ein Instrument der echten Toleranz!".


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