Unternehmen - Geschichte des BR


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Archive des BR Fernseharchiv

Im Fernseharchiv des Bayerischen Rundfunks werden Produktionsmaterialien und gesendete Produktionen der vom BR veranstalteten bzw. belieferten Programme archiviert und dokumentiert. Das Fernseharchiv ist im Primärzweck Arbeits- und Produktionsarchiv. Gerade in Zeiten des erhöhten Kostendrucks bietet das Fernseharchiv verstärkt unverzichtbaren Service für Programm, Produktion und Distribution.

Stand: 23.01.2012

BR-Fernseharchiv | Bild: BR

Daneben nimmt das Fernseharchiv auch historisch-archivische Aufgaben wahr. Als Endarchiv sorgt es für die Sicherung der kultur-, medien- und zeitgeschichtlich relevanten Bestände als Teil des kulturellen Erbes. Im Sinne der UNESCO "Empfehlungen zum Schutz und zur Erhaltung bewegter Bilder" und des Zusatzprotokolls "Schutz von Fernsehproduktionen" zur "Europäischen Konvention über den Schutz des audiovisuellen Erbes" haben sich die öffentlich-rechtlichen Anstalten verpflichtet, für die Überlieferung und Sicherung des Programmvermögens selbst zu sorgen.

Archivierung und Dokumentation der Fernsehproduktionen erfolgen auf der Basis des 1985 von ARD und ZDF verabschiedeten Regelwerks Fernsehen, das in den letzten Jahren in ein neues Regelwerk Mediendokumentation integriert wurde. Die Entscheidung über die Dokumentationswürdigkeit audiovisueller Aufzeichnungen und die daraus resultierende Erschließungstiefe hängt vom Nutzungswert und vom Quellenwert der Fernsehproduktion ab.

Recherche und Programmaustausch innerhalb der ARD

Seit 1986 nutzt das Fernseharchiv die mit anderen ARD-Anstalten gemeinsam entwickelte Datenbank FESAD, die Voraussetzung ist für anstaltsübergreifende Recherchen und den Programmaustausch. Mit Inbetriebnahme des digitalen Sendezentrums des BR im März 2007 wurde auch das Fernseharchiv auf digitale Workflows und Speichertechnologien umgestellt. Mit dem digitalen Archiv wurde die Basis geschaffen, um auf die vielfältigen Anforderungen und Herausforderungen an eine moderne, multimediale und flexible Produktion und Distribution von Programmen reagieren zu können. Seit 2007 werden im Archiv primär Datenfiles erfasst und inhaltlich ausgewertet. Dies erfolgt im Video Asset Management System ViAM (Interplay Media Asset Manager). Die Daten werden danach nach FESAD übernommen.

Mit dem digitalen Fernseharchiv und dem Asset Management System ViAM hat der BR eine Plattform aufgebaut, die nicht nur in der Fernsehproduktion einen nahezu umfassenden Zugriff auf Bewegtbilder und Metadaten in unterschiedlichen Stadien vom Ingest bis ins Archiv ermöglicht. Redaktionen aller Medien und Sparten haben von ihrem Arbeitsplatz aus die Möglichkeit, Sendungen, Beiträge und Produktionsmaterial zu recherchieren, zu sichten, die für die nächsten Produktionsschritte erforderlichen Informationen und Materialien abzurufen und Aufträge für Transfer und Metadaten abzusetzen. Innerhalb kürzester Zeit steht dem Nutzer audiovisuelles Material an über 40 verschiedenen internen und externen Zielen und in mehreren gewünschten Formaten mitsamt den dazugehörenden Metadaten zur Verfügung.

Die Rolle des Fernseharchivs hat sich in der digitalen Produktionsumgebung verändert hin zu einem Dienstleister, der technische, formale, inhaltliche und rechtliche Metadaten über Produktionsmaterialien in jedem Stadium des Produktionsworkflows sammelt, verifiziert, veredelt und zugänglich macht. Die Archivierung ist weniger ein "abschließender" als vielmehr ein produktionsbegleitender Prozess. Das Archiv stellt Plattformen und Speicherkapazitäten zur Verfügung und betreibt als Dienstleister die digitalen Archivsysteme und das Asset Management System ViAM im FS.

Das Fernseharchiv ist in drei Fachgruppen untergliedert

Bestandsmanagement und Services

Die Fachgruppe Bestandsmanagement und Services verwaltet digitale und analoge Medienobjekte von der Aufnahme / Ingest bis zur Sendung und sorgt für die temporäre Speicherung von Produktionsmaterial. Sie ist verantwortlich für die Sicherstellung von zeitgenauen Transfers aus dem Archiv und ins Archiv sowie die Bereitstellung und Abgabe von Medienobjekten für verschiedene Verwendungszwecke.

Dokumentation

Die Fachgruppe Dokumentation erstellt detailliert Beschreibungen des Sach- und Bildinhalts von Programmmaterial und von ausgewähltem Rohmaterial nach festgelegten Archivierungskriterien. Im Recherchedienst können daher gewünschte Bildsequenzen, Inhalte und Beiträge schnell und gezielt recherchiert werden. Für die über 2.500 Nutzer des ViAM-Systems wird eine Hotline betrieben und alle Änderungen im System durch vielfältige Informationsangebote und Schulungen an die Nutzer kommuniziert.

Programmaustausch

Die Fachgruppe Programmaustausch organisiert die Abgabe und Übernahme von Programmmaterial im Austausch mit anderen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten und ist zuständig für die Beschaffung und den Rechteerwerb für kostenlose und kostenpflichtige Klammerteile. Zugleich werden Verwendungshinweise und eine Rechteampel in ViAM befüllt.

Ein Team aus Systemkoordinatoren und Superusern ist für den Support, die Weiterentwicklung der digitalen Archivsysteme und die weitere Systemintegration verantwortlich. Ein weiteres Team ist im Rahmen der Bestandssicherung mit der Durchführung von Projekten zur langfristigen Sicherung und Digitalisierung der programmrelevanten und archivierungswürdigen Film- und Videobestände des Fernsehens betraut.

Über 800.000 Bild- und Tonträger

Die Bestände des Fernseharchivs, derzeit über 800.000 einzelne Bild- und Tonträger, belegen zur Zeit etwa 26.000 lfd. Regalmeter (Stand 31. Dezember 2012), dies entspricht:

  • ca. 100.000 Filmproduktionen (16 mm, 35 mm)
  • ca. 400.000 Produktionen auf Betacam (analog und digital).

Seit März 2007 werden sämtliche Neuproduktionen und Wiederholungen des Bayerischen Fernsehens digital auf Datenband archiviert. Der Bestand an Datenbändern und der Produktionen steigt kontinuierlich und umfasst ca. 293.760 High-Res Clips (Stand Dezember 2012).


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