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„Mali Blues“ Weltmusikstar Fatoumata Diawara live

Mali – die Wiege des Blues. Von hier aus brachten schwarze Sklaven ihre Heimatklänge und Rhythmen auf die Baumwollfelder Amerikas, und ihre Musik trat den Siegeszug um die Welt an. Doch der westafrikanische Staat wird von radikalen Islamisten bedroht, die dort Kultur, Tanz und weltliche Musik verbieten. Der mitreißende Dokumentarfilm „Mali Blues“, der am 24. Juni auf dem Filmfest München Deutschlandpremiere feiert, erzählt die Geschichte von vier Musikern, die mit ihren Liedern Zeichen setzen wollen gegen Gewalt und die radikale Auslegung des Islam.

Stand: 16.06.2016

Regisseur Lutz Gregor sowie Produzent Christian Beetz geben bei FilmTonArt Einblicke in die Entstehung ihres Films, Weltmusikstar Fatoumata Diawara wird über ihr Land und die Musik sprechen und live performen.

Vier charismatische Künstler setzen gemeinsam auf die Musik als Friedensinstrument: Neben Fatoumata Diawara der Modernisierer der traditionellen Griot-Musik Bassekou Kouyaté, der virtuose Gitarrenspieler und Tuareg Ahmed Ag Kaedi und der junge Rapper Master Soumy. „Mali Blues“ (Kinostart: September 2016) porträtiert sie und begibt sich mit ihnen auf eine musikalische Reise, die die reiche Musikkultur des Landes aufspürt, aber auch deren Bedrohung durch Dschihadisten. So unterschiedlich die Songs der vier Musiker auch sind, eines haben sie gemeinsam: Ihre Musik rüttelt auf, verbindet Menschen – und gibt ihnen die Kraft zu kämpfen, damit in ihrer Heimat Toleranz und Frieden einkehren. „Wir Musiker haben Stimmen, die stärker sind als Waffen“, erklärt Bassekou Kouyaté.

Shooting-Star der Global Pop-Szene

Fatoumata Diawara

Malis Kultur prägte schon früh Fatoumata Diawara, die 1982 an der Elfenbeinküste geboren wurde. Als Kind war sie Mitglied im Tanz-Ensemble ihres Vaters, und mit zwölf Jahren kam sie zu ihrer Tante in Malis Hauptstadt Bamako, einer Schauspielerin, durch die sie ersten Kontakt zum Theater- und Filmmilieu bekam. Mit einer kleinen Nebenrolle im Film „Taafe Fanga“ (1996) begann Fatoumata Diawaras Laufbahn als Schauspielerin. Mit 18 Jahren ging „Fatou“, wie sie sich als Künstlerin nennt, nach Paris, verfolgte dort ihre Theaterkarriere weiter und kehrte schließlich in ihre Heimat zurück, wo sie 2001 die Hauptrolle im Film „Sia, The Dream of the Python“ übernahm. Ein sehr erfolgreicher und populärer Film, der Fatou landesweit bekannt machte. Als ihre Familie andere Pläne mit ihr hatte, floh sie nach Frankreich, um einer arrangierten Heirat zu entgehen. Sie spielte weiter in Filmen und in Musical-Theatern, machte sich ab 2011 auch als Singer-Songwriterin einen Namen und trat u.a. mit Paul McCartney auf. Sie hatte sich selber akustisches Gitarrespielen beigebracht und schrieb eigene Lieder, eine Mischung aus Jazz und zeitgenössischem Folk-Sound. Heute lebt der Shooting-Star der Global Pop-Szene in Paris und Bamako und engagiert sich für ihr Land. „Der Kampf gegen diesen Schmerz hat mich und meine Musik stark geprägt“, sagt sie. 2014 war sie im preisgekrönten Film „Timbuktu“ des mauretanischen Regisseurs Abderrahmane Sissako zu sehen, der in Cannes lief. Zu ihrem nächsten Film „Morbayassa“ (2015) schrieb sie auch die Musik. Für ihre künstlerischen Verdienste wurde Fatoumata Diawara 2014 mit dem Ordre des Arts et des Lettres des französischen Kulturministeriums ausgezeichnet.

1A-Dokumentationen

Christian Beetz

Zusammen mit seinem Bruder Reinhardt gründete Christian Beetz, der in Berlin Kulturwissenschaften, Philosophie und Theaterwissenschaft studiert hat, im Jahr 2000 die gebrueder beetz filmproduktion. Mit Standorten in Hamburg, Köln, Lüneburg und Berlin konzentriert sich die Firma hauptsächlich auf Dokumentarfilme, Doku-Serien und innovative crossmediale Formate für den internationalen Markt. Als Produzent und Regisseur realisiert der dreifache Grimme-Preisträger hochwertige und vielfach ausgezeichnete Filme, wie etwa die oscarnominierte Koproduktion „Open Heart“ (2013) über acht Kinder aus Ruanda, die sich wegen schwerer Herzleiden in den Sudan begeben, um sich dort operieren zu lassen sowie die für den International Emmy Award nominierte Kulturdokumentation und App „Wagnerwahn“ oder die zuletzt auf dem Sundance Festival 2016 prämierte Kinoproduktion, welche auch ihre Deutschlandpremiere auf dem Filmfest München feiert: „Das Land der Erleuchteten“ begleitet über 7 Jahre lang Kinder in Afghanistan. „Mittsommernachtstango“, ein Film, der auf ganz unaufdringliche Weise zeigt, dass Musik eine Weltsprache ist und Menschen zusammenbringt, war im Jahr 2014 eine der erfolgreichsten Kinoproduktionen und hat am 25. Juni 2016 seine TV-Premiere auf 3sat. Ein breites Themenspektrum ist Markenzeichen der gebrueder beetz filmproduktion. 2008 realisierte Christian Beetz die Migrationsdokumentation „Hotel Sahara“ über das Flüchtlingselend innerhalb Afrikas, kurz darauf die auf Webkampagnen basierende Produktion im Kongo „Blood in the Mobile“, die mit dem Cinema for Peace Award ausgezeichnet wurde. „Madiba – Das Vermächtnis des Nelson Mandela“ erschafft ein facettenreiches Bild des lebenden Mythos „Nelson Mandela“ und erhielt den IDFA Special Jury Award. Seine Kinoproduktion „Gardenia – Bevor der letzte Vorhang fällt“ lief auf über 50 internationalen Filmfestivals und hat zahlreiche Preise gewonnen wie den Hotdocs Special Jury Prize, FIFA Grand Prize und den renommierten flämischen Filmpreis Ensor. Für den internationalen Branchenführer „Realscreen“ gehört die gebrueder beetz filmproduktion damit zu den 100 wichtigsten unabhängigen Dokumentarfilm-Produktionen im non-fiktionalen Bereich. Darüber hinaus nimmt Christian Beetz auch Aufgaben jenseits des Produzierens wahr: Als Dozent der Filmakademie Baden-Württemberg, Jurymitglied und Referent bei internationalen Dokumentarfilm-Festivals und Kongressen sowie als Herausgeber von Sachbüchern.

Doku, Tanz und Experimente

Lutz Gregor

Der Berliner Filmemacher und Autor Lutz Gregor,1952 geboren, ist vor allem für seine Vielseitigkeit bekannt. Dazu gehören mehrfach prämierte Tanzfilmproduktionen ebenso wie preisgekrönte Dokumentarfilme und Installationen. Vor allem interessiert ihn die Verbindung zwischen Gesellschaft, Musik und Tanz, und er kombiniert gern künstlerische und dokumentarische Elemente. Nach seinem Germanistik- und Politologie-Studium arbeitet er seit 1983 als freier Filmemacher für verschiedene TV-Sender. Drehte Lutz Gregor anfangs experimentelle Videos und internationale Dokumentarfilme über soziale, kulturelle oder historische Themen, so spezialisierte er sich später auf den Tanzfilm. Für seine Kameraarbeit bei „Kontakt Triptychon“ wurde er 1992 beim Grand Prix Video Danse in Paris ausgezeichnet. Sein Spielfilm „Königskinder“ (2001) über die Freundschaft zwischen einem gehörlosen Jungen und einem Tänzer lief u.a. auf dem Max Ophüls Festival und wurde beim Festival International du Film Indépendant Brüssel 2003 für seine „innovative Filmsprache“ prämiert. Für seine Film- und Bühnenprojekte arbeitet Lutz Gregor mit verschiedenen internationalen Choreographen und Tanztheatern zusammen. Darüber hinaus unterrichtet er an Kunsthochschulen und Theaterakademien und ist regelmäßiger Gastdozent der Palucca Schule in Dresden. Gregors jüngste Projekte: Der ARTE-Film „Sansibars erstes Frauenorchester“ und die dreiteilige ARTE-Serie „Verborgenes Venedig“.

Von Starnberg in die Welt

Dagmar Golle

Als leidenschaftliche Globetrotterin liebt sie einerseits den Sound der großen weiten Welt, aber sie weiß auch genau, „was vor der Haustür“ passiert. „Support your local hero“ lautet das Motto der gebürtigen Starnbergerin Dagmar Golle, die seit 1992 als Moderatorin und Redakteurin beim Bayerischen Rundfunk, hauptsächlich für Bayern 2 und BAYERN 3, arbeitet. Ihre journalistische Laufbahn hatte beim Hessischen Rundfunk begonnen. Auf Bayern 2 kümmert sie sich vor allem um den „Heimatsound“, die launigen Klänge aus dem Alpenland. Ihre heimliche Liebe gehört jedoch der sogenannten „Weltmusik“, und sie hat ein offenes Ohr für karibische, asiatische, arabische oder afrikanische Klänge. So kann es passieren, dass in ihrer Sendung an jedem letzten Sonntag im Monat auch „Unerhörtes“ aus aller Welt im Nachtmix zu hören ist.

Panel

„Mali Blues“ - Weltmusikstar Fatoumata Diawara live
Studio 2, 16:00 Uhr

Gäste
Christian Beetz Ɩ Produzent
Fatoumata Diawara Ɩ Musikerin • Protagonistin
Lutz Gregor Ɩ Regisseur

Moderation
Dagmar Golle Ɩ Bayern 2


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