Unternehmen - BR-Geschichten

Dr. Friedrich Schreiber Auslandskorrespondent aus Leidenschaft

"Aber ich bin halt reingeflogen, als die anderen rausgeflogen sind…"

Stand: 28.12.2017

Jassir Arafat, Ruhollah Chomeini, saudiarabische Prinzen oder der Scheich von Oman – sie alle gehörten zu den Gesprächspartnern des Auslandsjournalisten und -korrespondenten Friedrich Schreiber. Häufig war er sogar der Erste, der diese Männer interviewen durfte für den Bayerischen Rundfunk. Ein aufregendes, teilweise auch gefährliches Berufsleben, das er im Interview mit Dr. Gerda Kuhn schildert.

Bereits 1964 kam Friedrich Schreiber zum Bayerischen Rundfunk und wurde Leiter der neu gegründeten Europaredaktion im damaligen Studienprogramm, heute BR Fernsehen. Der studierte Volkswirt arbeitete bis dahin für die EWG-Kommission in Brüssel und war spezialisiert auf Teilgebiete Afrikas und die südliche Sahara. Rudolf Mühlfenzl, damaliger Leiter der Wirtschaftsredaktion, setzte sich dafür ein, den Europakenner Schreiber zum Rundfunk zu holen. Ab 1973 baute Schreiber eine Auslandsredaktion auf und die Sendung "Kompass" im Ersten. Schreiber berichtete aus vielen Teilen Afrikas und dem Nahen Osten, "als kleiner ehemaliger Redaktionsleiter war ich ein Mensch in der ARD, der ungeheuren Zugang bekommen hat."

Ab 1983 hatte Friederich Schreiber einige Male die Urlaubsvertretung als Korrespondent in Tel Aviv und "da wusste ich: da musste ich hin“, erzählte er über den Beginn seiner Zeit in Israel und Palästina. 1988 wurde er fester Korrespondent in Tel Aviv und berichtete bis 1996 aus der Region – in einer Zeit der ersten Initifada, des Golfkriegs und der Ermordung Rabins. Es waren schwierige und teilweise nicht ungefährlich Arbeitsbedingungen. Von den Korrespondenten war Diplomatie und Geschick verlangt, "man muss ein bisschen raffiniert sein, wenn man in schwierigen Ländern ist und wenn man weiß, was die für Probleme haben und dass man zu dem kommt, was man trotzdem haben will." 1996 ging Schreiber in den Ruhestand, war allerdings weiterhin als Nahostexperte gefragt.

"Ich hätte mich so gefreut, wenn in meiner Zeit Frieden geherrscht hätte", resümierte er über seine Arbeit im Nahen Osten. Und über seine Zeit als Korrespondent beim Bayerischen Rundfunk meinte er rückblickend: "Also es ist ein wunderbarer Beruf, wo man wunderbare Menschen kennenlernt."

Kurzbiografie

30.3.1932
Geboren in München
1952 bis 1956
Studium der Politischen Wissenschaft und Volkswirtschaft (Connecticut) und Studium der Volkswirtschaft (München)
1956 bis 1959
Assistent am Volkswirtschaftlichen Institut München, Forschungstätigkeit bei OEEC und NATO-Generalsekretariat in Paris
1959 bis 1964
EWG-Kommission in Brüssel, Tätigkeitsgebiet Afrika und südlich der Sahara
1964
Wechsel zum Bayerischen Rundfunk, Leiter der Europaredaktion/Dritte Welt im Studienprogramm, heute BR Fernsehen
1973 bis 1987
Aufbau und Leitung der Auslandsredaktion im Fernsehen
1973 bis 1975
Redaktionsleiter ARD-Magazin "Kompass"
1973 bis 1987
Redaktionsleiter ARD-Magazin "Weltspiegel"
1988 bis 1996
ARD-Fernsehkorrespondent in Tel Aviv für Israel und Palästina
1997
Ruhestand und Lehrtätigkeiten an den Universitäten München, Bamberg und Erlangen