Wissen


37

Zika-Virus Ein Erreger löst eine Epidemie aus

Vor einem Jahr wütete die Zika-Epidemie vor allem in Südamerika. Die WHO erklärte den Gesundheitsnotstand. Nun gibt es neue Zahlen: Nach der Zika-Epidemie 2016 haben sich die Fälle in Brasilien um mehr als 95 Prozent reduziert.

Stand: 16.03.2017

Noch vor einiger Zeit war das Zika-Virus in Europa unbekannt. Es wurde 1947 bei einem Affen aus dem Zikawald in Uganda entdeckt und tauchte anschließend vereinzelt auch in Asien auf. Das Virus wird von der Ägyptischen Tigermücke (Aedes aegypti) verbreitet, die auch Dengue und Gelbfieber übertragen kann. Bei erwachsenen Infizierten löst das Zika-Virus häufig nur grippeähnliche Symptome aus. Doch bei Ungeborenen, deren schwangere Mütter infiziert waren, kann das Virus schwere Schädigungen verursachen, wie die Mikrozephalie: Kinder mit dieser Schädelfehlbildung haben einen auffallend kleinen Kopf (Kopfumfang von 32 und weniger Zentimetern), der wiederum schwere Behinderungen mit sich bringen kann.

Zusammenhang von Zika und Mikrozephalie bewiesen

Ein Kind, das an Mikrozephalie erkrankt ist. Das Zika-Virus kann diese Krankheit auslösen.

Der Zusammenhang von Zika und Mikrozephalie war lange Zeit nur ein Verdacht aufgrund der stark ansteigenden Zahlen von Kindern, die in den von Zika betroffenen Ländern mit Mikrozephalie geboren werden. Doch nach Angaben der US-Gesundheitsbehörde CDC haben Forscher durch verschiedene Studien - zuletzt im September 2016 im Fachmagazin "The Lancet Infectious Diseases" - den direkten Zusammenhang zwischen dem Virus und der Fehlbildung nachgewiesen, unter anderem durch Spuren des Virus im Gehirngewebe.

Globaler Notstand und Reisewarnungen für Schwangere

Ägyptische Tigermücke (Aedes aegypti)

Am 1. Februar 2016 hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den globalen Notstand ausgerufen, er wurde am 18. November, nach rund neun Monaten, wieder aufgehoben. Am 8. März 2016 folgte eine Reisewarnung für Schwangere in Zika-Gebiete. Nach Ansicht der WHO müsse der Erreger auch bei anderen neurologischen Störungen als Ursache gelten, nicht nur bei Mikrozephalie. Das ergaben Untersuchungen von Fehl- und Totgeburten, sagte WHO-Direktorin Margaret Chan. Auch werde der Erreger in stärkerem Maße als bislang angenommen durch Geschlechtsverkehr übertragen - nicht nur direkt durch die Stechmücke.

"Aedes aegypti ist die Kakerlake unter den Moskitos."

Marie-Paule Kieny, WHO-Zika-Expertin zur schwierigen Bekämpfung dieser Stechmückenart

Zika-Virus löst auch andere Krankheiten aus

Karte

2007 wurde das Zika-Virus im Pazifikraum (Mikronesien) festgestellt, 2013/2014 gab es einen größeren Ausbruch in Französisch-Polynesien. Dort waren zwischen Oktober 2013 und April 2014 rund 200.000 Bewohner von einer Zika-Epidemie betroffen. Zugleich wurde damals in Französisch-Polynesien auch ein ungewöhnlicher Anstieg des Guillain-Barré-Syndroms (GBS) beobachtet, eine entzündliche Nervenerkrankung, die mit Lähmungen einhergeht. Bewiesen wurde die Verbindung zwischen Zika und GBS in einer im März 2016 veröffentlichten Studie von Forschern des Instituts Pasteur in Paris. Die Forscher um Arnaud Fontanet machten 42 Fälle des GBS aus, bei denen die Nervenkrankheit durch das Virus ausgelöst worden sein musste. Das ergaben Bluttests, in denen Spuren des Virus mitsamt Antikörpern entdeckt wurden.

Neuer Test zum Nachweis von Zika

Unterdessen entwickelten Forscher der Harvard-Universität im Mai 2016 einen einfachen und preiswerten Papier-Test, den auch ein weniger geschultes Personal vornehmen kann. Bei der Untersuchung von Blut-, Urin- oder Speichelproben verfärbt sich das Papier bei einer Zika-Infektion violett. In bisherigen Testverfahren wurde Zika häufig mit anderen Erregern wie dem Dengue- oder West-Nil-Virus verwechselt. Außerdem koste der Test weniger als einen US-Dollar pro Patient, so die Harvard-Forscher.

Zika schon früher in Brasilien als gedacht

Inzwischen weiß man, dass das Zika-Virus lange vor seinem ersten Nachweis in Brasilien ankam: Erbgut-Analysen zeigen, dass es schon zwischen Mai und Dezember 2013 eingeschleppt wurde, wahrscheinlich von Reisenden. Erstmals nachgewiesen haben Forscher der Universität in Salvador das Zika-Virus in Brasilien am 29. April 2015. Es breitete sich rasch aus: Experten schätzen, dass sich dort im vergangenen Jahr rund 1,5 Millionen infiziert haben. Neben Brasilien war auch Kolumbien stark betroffen.

Zahlen und Fakten zum Zika-Virus

Symptome einer Zika-Infektion sind: Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, Bindehautentzündung und Hautausschlag.
Es besteht der Verdacht, dass das Virus bei einer Infektion von Schwangeren Schädelfehlbildungen (Mikrozephalie) beim ungeborenen Kind auslöst. Darum wird Schwangeren oder Frauen mit Kinderwunsch davon abgeraten, in die betroffenen Länder Süd- oder Mittelamerikas zu reisen. Das Virus ist durch Sex übertragebar und wurde außerdem in Urin und Speichel nachgewiesen.
Eine Impfung oder ein Medikament gibt es bislang nicht.

In welchen Ländern ist das Zika-Virus verbreitet?

Brasilien

In Brasilien lag die Zahl der Zika-Fälle in den ersten beiden Monaten des Jahres 2017 noch bei 1.653, wie das Gesundheitsministerium mitteilte. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren 30.683 Infektionen registriert worden. Nach WHO-Angaben gab es im Zeitraum Oktober 2015 bis Juli 2016 in Brasilien geschätzte 1,5 Millionen Zika-Fälle. (Stand: 16.03.2017)

Kolumbien

Kolumbien meldete rund 100.000 Zika-Fälle. Bisher gab es 256 bestätigte Schädelfehlbildungen bei Neugeborenen. Eine Warnung an Frauen, geplante Schwangerschaften aufzuschieben, wurde inzwischen aufgehoben. (Stand: 26.07.2016)

Venezuela

Am 12. Februar 2016 hatte Venezuela erste Todesfälle durch Zika bestätigt. Mindestens drei Menschen seien an Komplikationen gestorben, die mit dem Virus zusammenhingen, sagte Präsident Nicolas Maduro. (Stand: 12.02.2016)

Chile

Erstmals seit Jahrzehnten war in Chile eine Ägyptische Tigermücke in der Stadt Arica im Norden des Landes entdeckt worden. Bislang gab es sie nur auf den zu Chile gehörenden Osterinseln im Pazifik. (Stand: 19.04.2016)

El Salvador

Mehr als 7.000 Zika-Verdachtsfälle wurden in El Salvador registriert. (Stand: 11.02.2016)

Honduras

Honduras hatte wegen des Zika-Virus den nationalen Notfall erklärt. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums wurden mehr als 4.400 Verdachtsfälle registriert, 57 Krankheitsfälle bestätigt, ein Mensch starb an den Folgen des Guillain-Barré-Syndroms. (Stand: 11.03.2016)

Puerto Rico

Auf der zu den USA gehörenden Karibikinsel Puerto Rico wurden 436 Zika-Fälle registriert. Ein infizierter Patient verstarb Ende April 2016 an Komplikationen. (Stand: 29.04.2016)

Mexiko

In Mexiko gab es landesweit rund 80 Zika-Fälle, darunter waren sechs Fälle bei Schwangeren. (Stand: 17.02.2016)

Kuba

Kuba meldete den ersten auf der Insel übertragenen Zika-Fall. Zuvor war von einer Handvoll Fälle berichtet worden, die sich im Ausland angesteckt hatten. (Stand: 16.03.2016)

Hawaii

Auf Hawaii gab es nach Angaben der US-Gesundheitsbehörde CDC vier Zika-Fälle, alle bei Rückkehrern aus Epidemie-Gebieten. (Stand: 02.03.2016)

Kanada

Kanada meldete mutmaßlich den ersten sexuell übertragenen Zika-Fall. (Stand: 25.04.2016)

Kapverden

Von den Kapverden wurden mehr als 7.000 Zika-Verdachtsfälle gemeldet. (Stand: 15.02.2016)

Philippinen

Die Philippinen hatten den seit Jahren ersten Zika-Fall gemeldet. (Stand: 07.03.2016)

Vietnam

In Vietnam waren 23 Menschen an dem Zika-Virus erkrankt, wie die staatliche Agentur Vietnam News Agency berichtete. (Stand: 01.11.2016)

China

Am 10. Februar wurde der erste Zika-Fall aus China gemeldet. (Stand: 10.02.2016)

Russland

In Russland wurde erstmals eine Infektion bei einem Reiserückkehrer nachgewiesen. (Stand: 15.02.2016)

Slowakei

Am 25. Februar wurde der erste Zika-Fall aus der Slowakei gemeldet, ebenfalls bei einem Reiserückkehrer. (Stand: 25.02.2016)

Spanien

In Spanien gab es den ersten Fall von Mikrozephalie bei einem Neugeborenen. Nach offiziellen Angaben waren in dem Land 105 Menschen mit dem Zika-Virus infiziert, davon 13 schwangere Frauen. (Stand: 06.05.2016)

Frankreich

In Frankreich wurde im Oktober 2016 in der Nähe von Straßburg Mückenmittel eingesetzt, um die dort bereits verbreitete Tigermücke zu bekämpfen, nachdem ein Fall von Zika-Infektion auftauchte. (Stand: 07.10.2016)

Deutschland

In Deutschland gilt seit 1. Mai 2016 eine amtliche Meldepflicht für das Zika-Virus. Die Zahl der bekannten Infektionen war auf 204 gestiegen. Betroffen waren fast ausnahmslos Reiserückkehrer. (Stand: 01.11.2016)

Guinea-Bissau

Im westafrikanischen Guinea-Bissau wurde bei drei Menschen eine Infektion mit dem Zika-Virus diagnostiziert. Unklar ist, ob es sich um denselben Erregerstamm handelt, der in Brasilien und anderen Ländern Lateinamerikas mit Mikrozephalie in Verbindung gebracht wird. (Stand: 04.07.2016)

USA

In den USA wurden mehr als 1.650 Zika-Infektionen registriert. Betroffen waren jedoch meist Patienten nach Reisen in Mittel- und Südamerika und der Karibik. (Stand: 01.08.2016)

Südostasien u. Malediven

In Thailand wurden zwei Babys mit Mikrozephalie bekannt, vermutlich ausgelöst durch das Zika-Virus. Weitere Fälle wurden nach Angaben der WHO auch aus Singapur, den Philippinen, Malaysia und Vietnam gemeldet. Keines dieser Lander konnte bislang jedoch bei Babys mit Schädelfehlbildungen eine Zika-Infektion nachweisen. Auch von den Malediven brachten Reiserückkehrer das Zika-Virus nach Deutschland mit. (Stand: 30.09.2016)

Zika-Höhepunkt überschritten

Zika-Bekämpfung in Brasilien

Ein Forscherteam um Neil Ferguson vom Zentrum für Epidemie-Analysen des Imperial College London kommt im Juli 2016 zu dem Schluss, dass die Ausbreitung der Infektion ihren Höhepunkt bereits überschritten habe. Die Wissenschaftler erwarten, "dass die gegenwärtige Epidemie in drei Jahren weitgehend überwunden ist". Anhand von Rechenmodellen folgern sie, dass nach und nach ein so hoher Prozentsatz der Bevölkerung immun gegen das Virus ist, dass es sich kaum noch weiter verbreitet. Eine Infizierung mit dem Erreger bedeutet lebenslange Immunität. Daher sei eine Bekämpfung der Gelbfiebermücke eher kontraproduktiv, da dies die "Herdenimmunität" verzögern könne. Eine Impfung sei der beste Weg, um die Menschen zu schützen.

Atomenergiebehörde sterilisiert Gelbfiebermücke

IAEA sterilisiert Mücken im Kampf gegen Zika.

In Seibersdorf, Österreich, testet die "Insect Pest Control" der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA eine besondere Technik im Kampf gegen Zika. Hier wachsen in gesicherten Räumen Zehntausende von Fruchtfliegen, Tsetse-Fliegen und Mücken heran. Ihr Ziel: Die Männchen unter ihnen mit radioaktiver Strahlung zu sterilisieren und so Plagen wie Zika, Dengue und Gelbfieber einzudämmen. Im Puppenstadium werden die männlichen Mückenexemplare einer Strahlung von 120 Gray ausgesetzt. Diese sterilen, aber noch fitten Männchen sollen sich in der Natur mit fruchtbaren Weibchen paaren. Da sie steril sind, gibt es keine Nachkommen, argumentiert Rosemary Lees, Moskito-Expertin der IAEA.

Gentechnisch veränderte Mücken-Männchen

Ohne Einsatz von Insektiziden experimentiert auch die britische Firma Oxitec. Sie hat sich darauf spezialisiert, Moskitos gentechnisch zu verändern und so die Ausbreitung von Krankheiten zu kontrollieren. Und es gibt einige Unternehmen, die Gelfiebermücken mit dem Bakterium Wolbachia pipientis infizieren. Dieses verändert bei den Männchen die Spermien. Paaren sie sich mit nichtinfizierten Weibchen, so stirbt der Nachwuchs in einer frühen Entwicklungsphase. Diese Methode möchte China in einem Feldversuch im Süden des Landes im Kampf gegen die Gelbfiebermücke ausprobieren.

Zika-Impfstoff an Rhesusaffen erfolgreich getestet

US-Wissenschaftler begannen im Februar 2016 damit, die Forschungen an einem Impfstoff zu intensivieren und zu beschleunigen. Forscher der Harvard Medical School konnten bereits im Juni und August 2016 erste Erfolge vermelden: Impfstoffe gegen das Zika-Virus hatten sich bei Versuchen an Mäusen und Rhesusaffen als wirksam erwiesen. Schon nach nur einer Impfdosis hätten die Labortiere einen kompletten Schutz gegen das Virus entwickelt, vermeldete Studienleiter Dan Barouch in den Fachmagazinen "Nature" und "Science". Mögliche Nebenwirkungen waren keine zu erkennen.

Ebenfalls Anfang August gab die US-Gesundheitsbehörde National Institutes of Health (NIH) bekannt, einen Zika-Impfstoff erstmals an Menschen zu testen. Mindestens 80 Menschen im Alter zwischen 18 und 35 Jahren hatten an drei Standorten an der Studie teilgenommen, teilte die US-Behörde mit. Allerdings werde es noch dauern, bis ein Impfstoff auf den Markt kommt.

Asiatische Mücke verdächtig

Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus)

Ob auch die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) das Virus übertragen kann, ist nicht bewiesen. Die asiatische Variante ist in Südeuropa und punktuell auch in Süddeutschland, besonders in Baden-Württemberg, verbreitet. Sie kommt aber auch in Teilen von Bayern, Nordrhein-Westfalen, Hessen und Thüringen vor.

"Der Anteil der asiatischen Tigermücke ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen."

Biologin Doreen Walther vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung


37