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Wolf in Bayern Der Wolf wird sesshaft und gründet Familie

Durch Bayern streifen wieder Wölfe. Lange waren es nur Einzelgänger, doch jetzt ist der Wolf zurück: Im Sommer 2017 gab es bei uns den ersten wilden Wolfsnachwuchs seit mehr als hundert Jahren.

Stand: 22.08.2017

Wolf - ein Wildtier, das mittlerweile wieder nach Bayern zurückgekehrt ist | Bild: picture-alliance/dpa

Der Wolf galt in Bayern seit 1882 als ausgerottet. Doch im Mai 2006 war hier plötzlich wieder einer unterwegs - in der Nähe von Pöcking am Starnberger See. Seither werden immer wieder Wölfe gesichtet, tappen in Fotofallen oder hinterlassen Fell- oder Speichelspuren. Bei den meisten handelt es sich um Einzelgänger auf der Durchreise: Weil männliche junge Wölfe über sehr weite Entfernungen wandern und sich ein eigenes Revier suchen, streifen sie dabei auch gelegentlich durch Bayern.

Das erste Wolfsrudel in Bayern

Seit 2016 gibt es aber auch erstmals wieder standorttreue Wölfe in Bayern: Ein Wolfspaar ist am Truppenübungsplatz Grafenwöhr in der Oberpfalz zuhause, ein weiteres im Bayerischen Wald (Stand: August 2017). Der Bayerische Wald ist für Wölfe ein attraktiver Lebensraum: Zusammen mit dem angrenzenden Sumava-Nationalpark auf tschechischer Seite stehen den Tieren rund 900 Quadratkilometer zur Verfügung. Im Bayerischen Wald fühlen sich die Wölfe so wohl, dass dort im Sommer 2017 der erste wilde Wolfsnachwuchs seit mehr als hundert Jahren nachgewiesen werden konnte: Drei Jungtiere sind im Juli 2017 in eine Fotofalle getappt. Das erste bayerische Wolfsrudel!

Weitere Wölfe werden erwartet

Verbreitung des Wolfes

Wie viele Wölfe gibt es bei uns? Und wo genau? Infos zum Wolfsvorkommen gibt es beim Bayerischen Landesamt für Umwelt und der "Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf" (DBBW):

Es werden vermutlich weitere Wölfe kommen und sich fortpflanzen, denn um Bayern herum existieren etliche stabile Wolfspopulationen: In den Karpaten, auf dem Balkan und im Baltikum gibt es jeweils einige Tausend Wölfe, in Italien sowie in Frankreich, Finnland und Schweden einige hundert Tiere. In der Schweiz und in Österreich leben dagegen bislang nur wenige Wölfe, ähnlich wie im Osten Deutschlands.

Der Wolf ist zurück in Deutschland

Der Wolf streift mittlerweile wieder durch einige Bundesländer.

Bereits 1996 begannen sich die ersten Wölfe in Ostdeutschland niederzulassen. Seither nimmt die Zahl der Wölfe in Deutschland zu. Ende September 2016 vermeldete das Bundesamt für Naturschutz (BfN) die Zahlen für das Wolfsjahr 2015/16: Im beobachteten Zeitraum gab es Nachweise für 46 Rudel, 15 Paare und vier sesshafte Einzeltiere. Das entspreche 120 bis 130 erwachsenen Wölfen, von denen die meisten durch Sachsen und Brandenburg streifen. Heimisch sind sie aber auch schon in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Niedersachsen. Im vorangegangenen Beobachtungsjahr war man noch von 110 erwachsenen Wölfen und 31 Rudeln ausgegangen.

Für wie viele Wölfe ist bei uns Platz?

Der Wildbiologe und Wolfexperte Ulrich Wotschikowsky, der vormals auch für das Wildtiermanagement im Nationalpark Bayerischer Wald zuständig war, gibt Deutschland Raum für etwa 400 Wolfsrudel: "Das sind gut zehnmal so viele, wie wir heute haben. Das ist allerdings aus der Sicht der Wölfe und nicht aus der Sicht der Jäger und Schafzüchter. Nur dann, wenn man die Wölfe machen lässt, wie sie wollen, wenn wir Menschen überhaupt nicht eingreifen, dann könnte sich eine Wolfspopulation in dieser Größenordnung bei uns einspielen", sagte er, als er im März 2016 im alpha-Forum zu Gast war.

Doch dass es jemals so weit kommt, glauben Experten wie Wotschikoswky nicht. Denn der größte Feind des Wolfes ist der Mensch. Nur ein kleiner Teil der Wölfe in Deutschland stirbt eines natürlichen Todes. Der Großteil wird überfahren, einige andere erschossen - meist illegal. "Das Schicksal der Wölfe wird also hauptsächlich von der Jägerschaft abhängen, und zwar davon, ob die illegalen Tötungen von Wölfen zunehmen", sagt Ulrich Wotschikowsky.

"Der Wolf ist kein Kuscheltier"

Wolf oder Problemwolf?

Mit der erfolgreichen Rückkehr werden auch alte Geschichten über den Wolf wach. Vor allem zu seinem Fressverhalten halten sich hartnäckig Märchen. Der Mensch gehört nicht zum Beuteschema des Wolfes. Dennoch sollten Menschen Respekt vor einem Wolf haben, fordert Gert Dittrich vom Deutschen Jagdverband. Wer einem Wolf begegnet, sollte das Tier im Auge behalten und sich dann langsam zurückziehen. "Der Wolf ist ein Raubtier. Er ist kein Kuscheltier", warnt Dittrich. Deshalb gibt es auch einen Managementplan für den Umgang mit wilden Wölfen, der hoffentlich mithilft, dass der Wolf nicht zum "Problemwolf" wird.

Managementplan Wölfe in Bayern

Der Managementplan des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz "beschreibt den Handlungsrahmen und regelt Zuständigkeiten, Kommunikationswege, das Monitoring und die Abwicklung von Ausgleichszahlungen, wenn Wölfe nach Bayern zuwandern."

Der Wolf - Feind des Menschen?

Einst wurde der Wolf vom Menschen geschätzt und verehrt. Als geschickter, ausdauernder und erfolgreicher Jäger wurde er bewundert. Mythen rankten sich um ihn, Märchen wurden ihm gewidmet. In Vornamen wie Wolfgang oder Wolfhart spiegelt sich noch heute diese Wertschätzung wieder.

Doch mit der zunehmenden Besiedlung, der Ausweitung der Agrarflächen und der immer extensiver werdenden Weidewirtschaft kam es zum Konflikt. Der Lebensraum für den Wolf wurde kleiner, er riss Schafe und andere Nutztiere und wurde zum Nahrungskonkurrenten des Menschen. Er wurde zum "Isegrim" - zum gefürchteten und gehassten Feind, der in unserer Welt keinen Platz mehr hatte.

Ein Schuss, der in die Geschichte einging

Über ein Jahrhundert lang war Bayern wolffrei: Im Sommer 1882 wurde bei einer Treibjagd im Oberpfälzer Fichtelgebirge der letzte Wolf Bayerns erlegt. Damit war in unseren Wäldern ein für das Ökosystem wichtiges Mitglied ausgerottet. Jahrtausendelang hatte das große Raubtier den Rehwildbestand in einem für den Wald verkraftbaren Niveau gehalten. Seither haben Jäger diese Aufgabe des Wolfs übernommen.

Schutz für den Wolf

Seit den 1970er-Jahren verbessert sich das Image des Meisters Isegrim allmählich. Mehr und mehr wird erkannt, dass der Wolf ein Ureinwohner unserer Wälder ist, und wir kein Recht haben, ihn zu verbannen. Mit wachsendem ökologischen Bewusstsein der Bevölkerung schwindet allmählich die Verteufelung als "blutrünstiges Raubtier". Mittlerweile ist der Wolf ein streng geschütztes Tier, das als vom Aussterben bedroht auf der Roten Liste Deutschlands steht.

Mehr Informationen zum Wolf:

Führungen im Nationalpark Bayerischer Wald

Im Nationalpark Bayerischer Wald gibt es regelmäßig Führungen unter fachkundlicher Leitung. Dabei lernen Sie Wölfe und andere Tiere in ihrer natürlichen Umgebung kennen - in ihren Freigehegen. Zudem haben wir einige Links für Sie herausgesucht, die Sie über Wölfe und ihren Schutz informieren:


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