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Wissenschaftsjahr 2016/17 Meere und Ozeane: Entdecken. Nutzen. Schützen.

Von Juni 2016 bis in den Herbst 2017 stehen Meere und Ozeane im Mittelpunkt des Wissenschaftsjahres. Welche Bedeutung haben sie für unser Leben, wie kann man sie schützen und welche Gefahren drohen den Meeren?

Stand: 11.10.2017

Arabisches Meer: Müll am Strand und badende Menschen im Meer vor Mumbai (Indien) | Bild: picture-alliance/dpa

Die Zukunft der Meere und Ozeane und wie wir Menschen sie weiterhin nützen, schützen und auch erforschen ist das übergreifende Thema des Wissenschaftsjahres 2016/17, das im Juni 2016 offiziell begann. Meere und Ozeane bedecken zwei Drittel der Erdoberfläche und die Hälfte aller Menschen lebt heutzutage in der Nähe von Meeren. Auch wenn wir dank modernster Technik wie Tauchrobotern immer tiefer in die Ozeane vordringen – noch immer sind unzählige maritime Lebewesen und Meeresregionen völlig unbekannt.

Klimawandel und Meeres-Ökosysteme

Great Barrier Reef, Australien

Ozeane und Meere haben in den vergangenen 150 Jahren fast die Hälfte des vom Menschen produzierten Kohlendioxids aufgenommen und damit den Treibhauseffekt erheblich gedämpft – allerdings mit weitreichenden Folgen: Die Meere werden wärmer und versauern, ganze Ökosysteme wie das Great Barrier Reef vor Australien sind bedroht und extreme Wetterereignisse nehmen zu. Dies ist einer der Aspekte, der im Wissenschaftsjahr genauer erforscht werden sollte.

Ein weiterer Aspekt sind die Rohstoffe, die in den Tiefen der Meere schlummern. Wie sollen zum Beispiel die Manganvorkommen am Meeresboden geborgen werden, ohne dabei Schaden in den Ozeanen anzurichten? Wie können Gas- oder Erdölvorkommen erschlossen werden? Wie regenerative Energien wie Strömungsenergie oder Wind- und Wasserkraft, ohne dabei das fragile maritime System zu zerstören?

Wie schützen wir die Ozeane vor Plastik?

Während das Meer uns mit seinen Fischen und Meerestieren ernährt, nimmt der Plastikmüll in den Meeren in den vergangenen 50 Jahren ständig zu, auch die Tiefsee ist mittlerweile mit Plastik vermüllt. Es bilden sich gigantische Müllstrudel im Meer – der größte hat in etwa die Größe Mitteleuropas. Und diese gigantischen Plastikteppiche wachsen weiter an, denn jährlich kommen weitere 5,6 Millionen Tonnen Plastik dazu.

Wie können wir unsere Meere vor dem Vermüllen schützen? Dies ist ein zentrales Forschungsthema des Wissenschaftsjahrs, wie auch die zuständige Bundesforschungsministerin Johanna Wanka betont. Sie zeigt sich schockiert darüber, dass die Forscher des Eisbrechers Polarstern in der Arktis festgestellt haben, dass sich der Plastikmüll selbst in dieser entlegenen Gegend ausgebreitet hat.

"Wir brauchen endlich eine gesicherte und vergleichbare Datenlage, verlässliche Aussagen zu den Auswirkungen auf die marinen Ökosysteme und die Gesundheit des Menschen und wie Plastikmüll vermieden sowie am besten aus der Umwelt beseitigt werden kann. Plastik gehört nicht in unsere Umwelt."

Johanna Wanka, Bundesforschungsministerin

Info-Video zum Wissenschaftsjahr

Wie sich Meereswege verändern

Auf den Meeren und Ozeanen sind derzeit rund 45.000 Handelsschiffe im Einsatz, die pro Jahr fast sieben Milliarden Tonnen Güter transportieren. Weltweit hängt die Wirtschaft auch von den Ozeanen als Transportwege ab. Was bedeutet es also, wenn durch den Klimawandel bisher unpassierbare Eismeere wie in der Arktis auftauen und plötzlich befahrbar werden?

Maritime Forschung

Forschungsschiff Sonne

All diese Fragen und Probleme versuchen auch die Wissenschaftler der deutschen Forschungsflotte zu beantworten. Das Wissenschaftsjahr soll dazu dienen, die einzelnen Einrichtungen besser miteinander zu verknüpfen, gemeinsame Projekte zu forcieren und auch junge Menschen für die Arbeit der Meeresbiologen und -forscher zu begeistern. Was erforschen sie zum Beispiel bei ihren Reisen in die Eismeere? Die deutsche Forschungsflotte möchte sich während des Wissenschaftsjahres auch Schulen und einer breiten Öffentlichkeit präsentieren. Insgesamt beteiligen sich 16 Forschungsschiffe, die derzeit zum Teil schon auf Expedition sind:

Deutsche Forschungsflotte

Forschungsschiff Polarstern


  • die Polarstern, das Schiff wird vom Alfred-Wegener-Institut betrieben und forscht im Nord- und Südpolarmeer
  • das Tiefsee-Forschungsschiff Sonne, das seinen Heimathafen in Wilhelmshaven hat und im Indischen Ozean und Pazifik eingesetzt wird
  • die Meteor wird von der Universität Hamburg koordiniert und betreibt Grundlagenforschung im Atlantik, dem Ostpazifik, Westindik, in der Nord- und Ostsee sowie in Flussmündungsgebieten und Bodengewässern
  • die Poseidon, das vor allem im Mittelmeer und Nordatlantik eingesetzt wird
  • die Elisabeth Mann Borgese des Leibniz-Instituts für Ostseeforschung Warnemünde, das in der Ostsee unterwegs ist
  • die Maria S. Merian, das sich durch besondere Eisrandfähigkeit auszeichnet und vor allem im subpolaren Nordmeer fährt
  • die Senckenberg der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft Wilhelmshaven, unterwegs im Wattenmeer, in der Nord- und Ostsee, im Ärmelkanal und der Irischen See
  • die Alkor, das vor allem die Nord- und Ostsee befährt und ein Mehrzweckforschungsschiff des Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung in Kiel ist. Zu diesem Geomar-Programm gehören auch noch die Schiffe Poseidon, Littorina und Polarfuchs
  • die Clupea und das Fischereiforschungsschiff Solea sowie die Walther Herwig III des Thünen-Instituts, die die Fischerei in der Nord- und Ostsee erforschen
  • das Forschungsschiff Heincke, das vom Alfred-Wegener-Institut betrieben die Nordsee und den Nordatlantik untersucht
  • das Forschungsschiff Uthörn, ebenfalls vom Alfred-Wegener-Institut, das die Biologische Anstalt Helgoland versorgt
  • das Forschungsschiff Ludwig Prandtl, das im Namen des Helmholtz-Zentrums Geesthacht große norddeutsche Flüsse, das Wattenmeer, die Boddengewässer und Nord- und Ostsee befährt

Wettbewerbe zum Wissenschaftsjahr

Das Wissenschaftsjahr fordert alle auf, sich zu beteiligen, auch über das Wissenschaftsjahr hinaus. So gab es einige Citizen Science Projekte, an denen sich Interessierte beteiligen konnten, einige Projekte laufen auch über das Wissenschaftsjahr hinaus weiter. Interessierte waren im Juni 2016 bei "My Ocean Sampling Day" dazu aufgerufen, Wasserproben an deutschen Küsten und Flussmündungen zu nehmen, um die Mikroorganismen in deutschen Gewässern genauer zu untersuchen und so das Leben in Gewässern besser zu verstehen.

Unvergessliche Momente: Springende Delfine

Und ein Fotowettbewerb suchte "beeindruckende Momente am Meer". Fotos in fünf Kategorien sind gefragt: Klima, Wetter und Naturgewalt; Tierschutz und Artenvielfalt; Schiffe und Boote; Umweltschutz sowie Winter am Meer. Informationen zu den Mitmachaktionen gibt es auf der Webseite des Wissenschaftsjahres.

Gemeinsam mit dem Videowettbewerb Fast Forward Science rief die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) Schülerinnen und Schüler der 8. bis 13. Klasse (14 bis 19 Jahre) dazu auf, eigene Webvideos rund um die Themen "Meere, Ozeane und ihre Erforschung" zu drehen! Und Schüler wurden aufgerufen, sich an der Aktion "Plastikpiraten" zu beteiligen. Ihr Ziel: Herauszufinden wie sehr unsere Seen, Bäche und Flüsse mit Müll und vor allem Plastikabfällen belastet sind.


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Das Leihschwein, Dienstag, 07.Juni, 08:39 Uhr

1. Was mich mal interessieren würde wieviele Atom U-Boote der USA/Rußland liegen

in den tiefen der Ozeane samt Atomraketen und Reaktoren, welche Gefahr geht eigentlich davon aus. In der Barents-/ Karasee rund um die Insel Nowaja - Semlya haben die Russen ihren gefährlichen Atommüll in geringer Wassertiefe entsorgt und so das ganze Meer verseucht. Die Engländer sollen Jahrzehntelang ihren Atommüll in den Nordatlantik gekippt haben. Bezüglich dieser Bedrohung hört man von der Wissenschaft gar nichts.